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zukunft jetzt | Nr. 4/2016 | Ausgabe Berlin-Brandenburg

Ausgabe 4.2016 zukunft jetzt 29 U lrich Kubiak ist ein Mann wie ein Schrank. Normalerweise baut der Kfz-Schlosser in der Endmontage Autos zusammen, in ei- nem Team von fünf Kollegen: „Bremsleitungen einbauen, Karosse- riedichtungen, Geräuschdämmung, fünf Arbeitsgänge, jeder Arbeitstakt zweieinhalb Minuten, meist im Ste- hen und über Kopf, mit dem Band in kleinen Schritten weiterlaufen, zwei Stunden bis zur nächsten Pause.“ Seit vier Monaten ist der 54-Jähri- ge arbeitsunfähig: Rückenschmer- zen, Bandscheibenvorfall mit Aus- strahlung in die Beine und die Nach- wirkungen einer Herzmuskelentzün- dung. „Weil ich mit zwei Metern aus dem Team herausfalle, gehe ich beim Über-Kopf-Arbeiten oft ins Hohl- kreuz – nicht gut für meinen Rücken.“ Montagmorgen, 9.00 Uhr, in der Ergotherapie der Montanus-Klinik. Wie ein Parcours wurde hier ein Teil der Arbeitswelt von Industriearbei- tern, Reinigungskräften oder Hand- werkern nachgestellt. Kubiak und vier weitere Frauen und Männer fan- gen an: Holzkisten in Regale stellen, Eisenstangen anheben, Schrauben festdrehen, ein Seil durch Ringe zie- hen. „Die medizinisch-berufliche Re- habilitation oder MBOR hat sich auf das Arbeitsleben der Rehabilitanden spezialisiert“, erklärt Ergotherapeu- tin Swantje Wilhelm. „Zweimal pro Woche trainieren wir hier die scho- nenden Bewegungsabläufe – so reali- tätsnah wie möglich.“ Ulrich Kubiaks zweites Problem ist sein Herz. Das weiß der Hobbyrad- fahrer seit seiner letzten Reha in Bad Schwalbach. Damals wollte er wis- sen, „ob es an meinem Lungenvolu- men liegt, dass mein Puls wesentlich höher schlug als der von Gleichaltri- gen, wenn wir 100 Kilometer unter drei Stunden gefahren sind“. Dabei fanden die Reha-Ärzte heraus: Es ist das Herz, nicht die Lunge. „Irgend- wann muss ich mal eine Herzmus- kelentzündung gehabt haben. Jetzt bringt mein Herz nur noch 47 Pro- zent Leistung.“ Im Therapiebad Im Therapiebad bewegen sich 15 Teilnehmer nach den Anweisungen des Physiotherapeuten Alexander Gottlob. Sie laufen durchs Wasser, bewegen die Arme, drehen den Rumpf, heben die Beine, strecken die Arme. „Der Widerstand des Was- sers beansprucht die Muskulatur. Für die Gelenke-Rehabilitanden ist das eine sehr schonende Therapie- form“, erklärt der Physiotherapeut. Gottlob gibt Ulrich Kubiak auch Tipps für die Zeit nach der Reha: „Ich gehe auf seine Probleme ein, zeige ihm ein Übungsprogramm für zu Hause.“ Dazu kommen Kräf- tigungsübungen für den Rücken. Ulrich Kubiak ist trotz seiner Herz- probleme immer noch begeisterter Sportler. Seit 20 Jahren fährt er Rennrad, mehrfach als Amateur bei den Hamburg Cyclassics. Aber nach- dem er von seiner Herzmuskelent- zündung erfahren hatte, war er etwas angeknackst. „Für die anderen bin ich jetzt zu langsam.“ Viele rieten ihm ab, überhaupt noch Sport zu machen. „Bis ich einen Arzt fand, der mir erklärte, Ausdauersport sei für mich durchaus sinnvoll. Allerdings sollte ich mich nur mit einem Durch- schnittspuls von 135 belasten. Jetzt fahre ich nicht schneller als 25 Stun- denkilometer.“ Für Herz und Kreuz Dank Reha gesundheitsbewusst und aktiv leben Für die medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR) hat die Montanus- Klinik in der Ergotherapie einen Teil der Arbeitswelt von Industriearbeitern, Reinigungskräften oder Handwerkern nachgebaut: Es geht ums Drehen, Heben, Schieben, Tragen.

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