Vorsorgen vor der Zielgeraden

 

Es ist nie zu spät. Auch die Generation 50 plus kann noch Geld zur Seite legen, damit das Einkommen im Alter reicht. Die gesetzliche Rente allein kann den gewohnten Lebensstandard heute nicht mehr sichern. Das aktuelle Rentenniveau liegt bei 48 Prozent, die Stiftung Warentest empfiehlt als Faustregel 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens. Um im Alter möglichst komfortabel zu leben, können Menschen einen Teil ihrer Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen. Bei den aktuellen Niedrigzinsen am Kapitalmarkt ist es jedoch gar nicht so einfach, eine sichere und zugleich attraktive Geldanlage zu finden. Drei Anlageformen bieten sich an, um jenseits der 50 noch etwas Geld auf die hohe Kante zu legen.

Freiwillige Einzahlungen in die Rentenversicherung

1. So funktioniert's
Auf Antrag können Versicherte der gesetzlichen Rentenversicherung mit Extraeinzahlungen Abschläge für einen früheren Rentenbeginn ausgleichen. Gehen sie dann doch nicht früher in den Ruhestand, steigt ihre Rente. Möglich ist das ab dem 50. Lebensjahr, sofern voraussichtlich 35 Beitragsjahre erreicht werden. Michael Beumer, Experte für Geldanlage und Altersvorsorge bei der Stiftung Warentest, rechnet vor: „Wer fünf Jahre lang jedes Jahr 6.000 Euro freiwillig einzahlt, bekommt je nach Zeitpunkt des geplanten Rentenbeginns im Monat etwa 141 Euro mehr Rente. Wem der Beitrag auf einen Schlag zu hoch ist, kann stattdessen auch halbjährlich einzahlen.“

2. Vorteil
Die freiwilligen Zusatzeinzahlungen sind durch das Umlagesystem der Rentenversicherung abgesichert und gegebenenfalls steuerlich als Vorsorgeaufwendungen absetzbar.

3. Nachteil
Das Geld ist sozusagen „fest angelegt“. Das bedeutet: Auch in einer Notsituation kommt man nicht dran. Die Höhe der Rente hängt von der Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt ab. Damit kann sie niedriger – aber auch höher – ausfallen als erwartet.

4. Rendite/Risiko
Hohe Sicherheit, aktuell gute Rendite. Solange Wirtschaft und Gehälter wachsen, ist die Rentenversicherung finanziell sehr solide aufgestellt. Die gesetzliche Rentenversicherung legt das Geld nicht auf dem Kapitalmarkt an, sondern zahlt die Beiträge immer direkt an die Rentner aus.

5. Tipp
Die gesetzliche Rente steht derzeit sehr gut da. Private Anbieter sind wegen des niedrigen Zinsniveaus schlechter aufgestellt. Freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung sind deshalb sehr attraktiv. Sie lohnen sich für alle, die älter sind als 50 Jahre.

 

»Freiwillige Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung sind deshalb sehr attraktiv. Sie lohnen sich für alle, die älter sind als 50 Jahre.«

Michael Beumer, Experte für Geldanlage und Altersvorsorge bei der Stiftung Warentest

 

Riester-Sparen

1. So funktioniert's
Alle Pflichtversicherten der gesetzlichen Rentenversicherung können riestern. Banken und Versicherungen bieten Riester-Verträge an, etwa Banksparpläne, Rentenversicherungen, Fondssparpläne oder Bausparverträge. „Dabei sollte man die sehr unterschiedlichen Vertriebs- und Abschlusskosten mit einberechnen“, rät Antje Scherbarth von der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA).

2. Vorteil
Der Staat gewährt Zulagen und Steuervorteile. Für Sparer und Sparerinnen gibt es bis zu 175 Euro Grundzulage im Jahr, für jedes Kind bis zu 300 Euro. Deshalb lohnt sich Riestern vor allem für Familien. Die maximale Förderung gibt es für Sparer, die von ihrem Bruttolohn jährlich vier Prozent minus der Zulagen auf die hohe Kante legen. Auch für Sparer jenseits der 50 kann es sich noch lohnen. Immerhin bleiben ihnen noch bis zu 17 Jahre, um zu sparen und sich Zulagen und Steuervorteile zu sichern.

3. Nachteil
Manche Anbieter verlangen relativ hohe Verwaltungskosten. Deshalb muss man bei der Auswahl des Vertrages genau hinschauen. Auch deshalb, weil es wegen der niedrigen Zinsen nicht mehr so einfach ist, einen guten Banksparplan zu finden.

4. Rendite/Risiko
Ob sich ein Riester-Vertrag lohnt, ist eine individuelle Frage. Durch Zulagen und Steuervorteile kann die Rendite ansehnlich werden. Anbieter müssen garantieren, dass mindestens Beiträge und Zulagen ausgezahlt werden, allerdings nur zu Beginn der Auszahlungsphase.

5. Tipp
Auch wenn die Ansparphase recht kurz ist, kann sich Riestern für Sparer jenseits der 50 auszahlen. Zulage, Steuervorteile und Kapitalgarantie machen Riestern auch für Ältere attraktiv. Zudem sind Riester-Verträge pfändungssicher.

 

»Auch wenn die Ansparphase recht kurz ist, kann sich Riestern für Sparer jenseits der 50 auszahlen.«

Antje Scherbarth, Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA)

 

Betriebliche Altersversorgung (bAV)

1. So funktioniert's
Zunächst ist zu klären, ob der Arbeitgeber eine Firmenrente finanziert. Die Arbeitnehmer können aber auch selbst sparen: Sie haben Anspruch auf Brutto-Entgeltumwandlung. Aktuell sind monatlich bis zu 260 Euro vom Bruttogehalt steuer- und sozialversicherungsfrei. Die Firma kann sich beteiligen, ab 2019 muss sie das sogar, bei bestehenden Versorgungen aber erst ab 2022. Auch Riestern ist möglich.

2. Vorteil
Arbeitnehmer sparen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Arbeitgeber auch. Deshalb lohnt es sich, mit Vorgesetzten zu verhandeln. Die eingesparten Sozialbeiträge kann die Firma als Zuschuss für eine Betriebsrente umwandeln. Seit Anfang dieses Jahres ist die Betriebsrente für Geringverdiener attraktiver. Ist im Alter Grundsicherung nötig, wird die Betriebsrente nicht vollständig darauf angerechnet.

3. Nachteil
Arbeitnehmer, die das neue Sozialpartnermodell mit mindestens 15 Prozent Arbeitgeberzuschuss wählen, haben künftig keine Beitragsgarantie mehr. Ansprüche auf eine Betriebsrente sind nur dann sicher, wenn man mindestens drei Jahre in einem Unternehmen gearbeitet hat. Die geringeren Sozialbeiträge mindern die gesetzliche Rente. Im Alter werden Steuern und Krankversicherungsbeiträge fällig, bei einer Riester-Firmenrente nur Steuern.

4. Rendite/Risiko
Mit einem hohen Zuschuss des Arbeitgebers steigt die Rendite für die Sparer. Deshalb ist sie so beliebt – mehr als jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland nutzt eine betriebliche Altersversorgung. Geht ein Unternehmen pleite, sind die Betriebsrenten abgesichert.

5. Tipp
Eine bAV ist komplex und individuell sehr unterschiedlich zu bewerten. Lassen Sie sich zu diesem Thema beraten.