"Wir sind eine Verwaltung 4.0"

 

Frau Petersen, Glückwunsch zu Ihrem neuen Gebäude. Wie arbeitet es sich hier?
Wir waren vorher auf vier Standorte in der Stadt verteilt. Jetzt sind wir hier, in den renovierten Brennabor-Höfen, zusammengezogen. Für uns ist das ein hervorragendes Dienstgebäude, und es macht Freude, hier zu arbeiten. Die Abläufe sind durch die räumliche Nähe einfacher geworden. Und: Wir haben endlich eine Kantine!

Was beherbergten die Brennabor-Höfe früher?
Bis zum Zweiten Weltkrieg war Brennabor ein Unternehmen von Weltruf, das Fahrzeuge herstellte – vom Kinderwagen über Automobile bis zu Traktoren. Danach standen die Industriegebäude leer. Die Sanierungspläne des privaten Investors waren höchst ambitioniert, sind aber aufgegangen.Wir sind im März 2018 eingezogen, da war hier noch Baustelle. Inzwischen sind so gut wie alle Umbauten planmäßig abgeschlossen. Von den Brandenburgern hört man, es sei schön, dass jetzt wieder neues Leben eingezogen ist.

Wie ist die ZfA entstanden?
Mit Absenkung des Versorgungsniveaus wurde zum Ausgleich 2002 eine private, staatlich geförderte Zusatzversicherung eingeführt: die Riester-Rente. Die Umsetzung der Verwaltung sollte eine zentrale Stelle übernehmen. Das war die damalige BfA, heute die Deutsche Rentenversicherung Bund. Der Standort Brandenburg an der Havel geht auf den Beschluss der Föderalismuskommission nach der Wende zurück, 16 Behörden in den neuen Bundesländern anzusiedeln. Stellen der BfA gingen nach Gera, Stralsund und Brandenburg an der Havel, wo 2001 die ZfA entstand.

Welche Aufgaben hat die ZfA?
Unsere Kernaufgabe ist die Verwaltung des Riester-Zulageverfahrens. Wir berechnen und prüfen die Zulageberechtigung, zahlen sie aus oder fordern sie gegebenenfalls zurück. Dazu gehört auch der sogenannte Wohn-Riester. Weitere Aufgaben sind sukzessive dazugekommen, etwa die Verwaltung des Rentenbezugsmitteilungsverfahrens.

Die Riester-Rente sorgt immer wieder für Diskussionen. Ist Riester ein Erfolgsmodell?
Wir zählen aktuell etwa 16,6 Millionen Riester-Versicherte und zahlen Zulagen von rund 2,5 Milliarden Euro aus. Die Riester-Rente ist ein erfolgreiches Produkt. Und sie entwickelt sich weiter. Der Gesetzgeber hat in den letzten Jahren auf Kritik reagiert. So hat er etwa Freibeträge auf die Grundsicherung eingeführt. Das Riestern in der betrieblichen Altersvorsorge ist attraktiver geworden, indem der doppelte Beitrag für Kranken- und Pflegeversicherung weggefallen ist. Positiv entwickeln sich weiterhin Wohn-Riester und die Investmentfondverträge.

»Die Riester-Rente ist ein erfolgreiches Produkt. Und sie entwickelt sich weiter.«

Imke Petersen, Deutsche Rentenversicherung
Bund, Leiterin der Zentralen Zulagenstelle für
Altersvermögen (ZfA)

Würden Sie die Riester-Rente empfehlen?
Auf jeden Fall. Die Auswahl ist angesichts der Vielzahl der Produkte sicherlich eine Herausforderung. Aber dahinter liegt ein einfaches Verfahren. In vier Schritten kommt man zur Zulage: Nach der Produktauswahl wird ein Dauerzulageantrag gestellt, damit stellt der Anbieter jedes Jahr aufs Neue den Antrag auf Zulage bei uns. Im dritten Schritt muss man den Zulageantrag nur dann anpassen, wenn sich zum Beispiel die persönlichen Verhältnisse ändern – etwa bei Geburt eines Kindes. Im vierten Schritt kann man die Riester-Beiträge in der Steuererklärung berücksichtigen. Dann prüft das Finanzamt automatisch, ob es einen steuerlichen Vorteil gibt. Riestern, das kann ich aus meiner Erfahrung sagen, lohnt sich besonders für Geringverdiener und für Kindererziehende.

Die ZfA gilt als sehr moderne Behörde. Warum?
Wir sind, das können wir sagen, eine Verwaltung 4.0. Das Zulageverfahren ist weithin digitalisiert und automatisiert. 98 Prozent der Zulageanträge kommen ohne Einschalten eines Sachbearbeiters zur Auszahlung. Menschen kommen dann zum Zuge, wenn es zum Beispiel Einsprüche gegen die Höhe der Zulage gibt. Menschen werden von der Maschine durch das Verfahren geleitet, aber die Menschen treffen die wesentlichen Entscheidungen.

Neues Leben in den Brennabor-Höfen: In den historischen Industriegebäuden ist die ZfA untergebracht.

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Arbeit?
Wir arbeiten weitgehend digital. Diese Arbeitsweise hat auch Auswirkungen auf unsere Mitarbeiter. So arbeiten unsere Kolleginnen und Kollegen in der Sachbearbeitung mit zwei Bildschirmen. Die elektronische Akte und das Konto können so parallel betrachtet werden, und wir leisten einen Beitrag zur Ergonomie. Natürlich achten wir auch darauf, dass Bildschirmpausen eingehalten werden. Ein Vorteil der Digitalisierung ist, dass wir flexibler sind. Digitalisierung ermöglichte es uns auch, dass Homeoffice zu einer Erfolgsgeschichte wurde. Alle Prozesse können im Homeoffice bearbeitet werden, ohne den Transport von Akten. So arbeiten inzwischen elf Teams im Homeoffice.

Ein Wort zu Ihrem Standort: Welche Vorteile bietet Brandenburg an der Havel?
Brandenburg hat sich in den letzten Jahren extrem positiv entwickelt. Der besondere Reiz dieser Stadt ist das Wasser. Die Havel fließt durch die Stadt, bildet hier Kanäle, dazu gibt es im Umland viele Seen. Das alles bietet einen hohen Freizeitwert und – vor allem im Vergleich zum benachbarten, hektischen Berlin – ein entschleunigtes Leben.

 

Die Website der ZfA: zfa.deutscherentenversicherungbund.de.