Madlen Zibrowius (40) mit ihrer jüngeren Tochter Lenia (2).
Madlen Zibrowius (40) mit ihrer jüngeren Tochter Lenia (2).



Die Reha war ihre Rettung

 

 

Gerade hat Madlen Zibrowius sich mit einem Tee auf das Sofa gesetzt, da klingelt es an der Tür. Ihre Schwiegermutter ist mit den Kindern zurück. Die zweijährige Lenia will sofort auf den Arm ihrer Mutter. Zibrowius nimmt sie hoch. „Heute denke ich überhaupt nicht mehr darüber nach, ob das geht oder nicht“, sagt die 40-Jährige. Dabei war es für die inzwischen dreifache Mutter lange keine Selbstverständlichkeit, ihre Kinder auf den Arm zu nehmen. Nach ihrem Bandscheibenvorfall vor fünf Jahren sagte man ihr, sie könne ihr Kind vielleicht nie wieder hochheben. Alles fing an, als sie mit ihrer ersten Tochter Merle schwanger war. Anders als beim Erstling Cedric, heute 13, bekam sie dieses Mal heftige Rückenschmerzen. Das sei normal, sagte die Ärztin. Aber auch nach der Schwangerschaft ließen die Schmerzen nicht nach: „Irgendwann konnte ich mein Baby nicht mal mehr aus dem Bett nehmen. Ich dachte jedes Mal, mir bricht der Rücken.“ Ein zweiter Arzt veranlasste eine Untersuchung in der Radiologie und stellte einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule fest.
 

Die Kinder stehen bei den Zibrowius im Mittelpunkt.

»Nach der Reha konnte ich mich endlich wieder normal bewegen.«

Madlen Zibrowius, Verwaltungsfachkraft
 

Sie fühlte sich wie eine Oma

Nachdem der geplagten Mutter und Verwaltungsangestellten weder Physiotherapie noch Schmerzakkupunktur oder Spritzen halfen, war klar: Es bleibt nur die Operation. „Sie müssen so schnell wie möglich operiert werden“, habe der Arzt gesagt. Zweieinhalb Stunden dauerte die Operation. „Sie war für mich Gold wert“, sagt Zibrowius heute. Im Anschluss blieb sie vier Wochen zu Hause: „Ich habe mich gefühlt wie eine 90-Jährige“, erinnert sie sich. Sie wusste nicht, wie sie aufstehen sollte oder etwas aufheben, das runtergefallen war. An einkaufen, kochen oder die Wohnung putzen, war nicht zu denken. „Da merkt man erst mal, wozu alles man den Rücken braucht.“ Besonders schlimm war es, wenn Merle weinte. Sie war inzwischen ein Jahr und drei Monate alt. „Sie wollte irgendwas, und ich konnte es ihr einfach nicht geben. Ich konnte sie noch nicht mal hochheben, um sie zu trösten. Ich habe mich noch nie so hilflos gefühlt“, erinnert sich die Mutter. Es muss eine schwere Zeit gewesen sein. Ein Blick in das Wohnzimmer des gemütlichen Hauses im Umland von Berlin verrät: Im Leben von Madlen Zibrowius stehen die Kinder im Mittelpunkt. Über dem Esstisch hängen große Porträts der Neugeborenen. Über dem Sofa zeigen drei Uhren die Geburtszeit ihrer Kinder an. „In diesen Momenten stand die Zeit kurz still“, steht in großen Buchstaben drüber. Nach der Operation bekam Zibrowius eine Rehabilitation in der Klinik Hohenelse im brandenburgischen Rheinsberg. Sie verband viele Hoffnungen damit. Sie wollte nach der Reha wieder arbeiten gehen und „nicht mehr bei allem eingeschränkt sein.“ Ihre größte Hoffnung aber war, dass sie nach der Reha die kleine Merle wieder auf den Arm nehmen konnte. „Das braucht sehr viel Zeit.“ Diese Worte des Arztes beim Aufnahmegespräch blieben bei Zibrowius im Kopf hängen. Sie habe sich dann aber zusammengerissen und kämpferisch geantwortet: „Na dann müssen wir eben so lange trainieren, bis ich es wieder kann.“ In der Reha bekam Zibrowius Wechselduschen, Massagen, machte Nordic Walking und fuhr 30 Minuten täglich Fahrrad auf dem Ergometer. Dazu besuchte sie viele Seminare und Vorträge, etwa zum Thema „Gesunder Rücken“. Am eindrücklichsten blieb ihr der sogenannte „Astronauten-Trainer“ in Erinnerung. Dabei steht man aufrecht in einem Gerät aus mehreren runden Metallrahmen, in dem man sich durch Gewichtsverlagerung in allen Ebenen des Raums bewegen kann. Das trainiert die Wirbelsäule, kräftigt die Muskulatur und stärkt den Gleichgewichtssinn. „Eine schweißtreibende Übung“, erinnert sie sich, „nach 20 Minuten war ich jedes Mal total erledigt“. Auch die Wassergymnastik habe viel gebracht, ebenso die Physiotherapie. „Die Therapeutin hat verschiedenste Sachen angewendet. Eigentlich war es immer schmerzhaft, aber danach habe ich mich gut gefühlt“, sagt Zibrowius. Außerdem ist sie in ihrer Freizeit viel gelaufen. „Das habe ich dort für mich entdeckt.“
 

Zurück ins normale Leben

„Nach der Reha wusste ich, was ich mir zutrauen konnte und was nicht. Ich konnte mich endlich wieder normal bewegen“, sagt sie. Der schönste Moment kam gleich nach ihrer Ankunft zu Hause. Die kleine Merle kam auf sie zugelaufen. Und ihre Mama nahm sie auf den Arm. „Das ging plötzlich wieder. Es hat zwar ein bisschen gezwickt, aber es war möglich.“ Noch heute leuchten ihre Augen, wenn sie sich daran zurückerinnert. Eine Woche später kehrte Zibrowius zu ihrer Arbeit in der Verwaltung des Rathauses zurück. Im Rahmen einer stufenweisen Wiedereingliederung in das Berufsleben nach dem Hamburger Modell ging sie erst vier, dann sechs und schließlich wieder acht Stunden arbeiten. Das Gehalt zahlt während dieser Maßnahme je nach Fall die Krankenkasse oder die Rentenversicherung. „So langsam konnte ich alles wieder machen“, sagt Zibrowius. Ein halbes Jahr später war der Bandscheibenvorfall beinahe vergessen. Doch eine Sorge plagte sie: Wie wäre es bei der nächsten Schwangerschaft? Würde sie dann wieder Rückenschmerzen bekommen? Denn eines stand fest: Sie und ihr Freund wünschten sich ein weiteres Kind. „Etwas Bammel hatte ich schon“, erzählt Zibrowius. Doch die Sorge war unbegründet. „Ich hatte während der ganzen Schwangerschaft keine Rückenschmerzen.“ Merle ist inzwischen fünf und die kleine Lenia zwei Jahre alt. Übermütig toben sie mit ihrer Mama durchs Wohnzimmer. Madlen Zibrowius schnappt sich Lenia, wirft sie hoch und fängt sie wieder auf. Dann nimmt sie Merle an den Händen und wirbelt sie im Kreis herum. Als wäre es das Normalste der Welt.
 

Der Weg zur Reha

Die Deutsche Rentenversicherung bewilligt pro Jahr mehr als eine Million Rehabilitationsleistungen. Interessierte sollten zunächst eine Arztpraxis aufsuchen. Die Rentenversicherung wird dem Antrag zustimmen, wenn die Erwerbsfähigkeit des Patienten wegen Krankheit oder Behinderung erheblich gefährdet oder schon gemindert ist – und eine Reha die Gesundheit aus ärztlicher Sicht wiederherstellen oder stabilisieren kann. Entscheidend ist der ärztliche Befundbericht. Je nach Reha-Leistung gelten zudem unterschiedliche Mindestversicherungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung. Rehabilitationen können stationär erfolgen, aber auch ganztägig ambulant, sodass man zu Hause übernachten kann. Im Regelfall dauert eine Rehabilitation drei Wochen.
 


#einlebenlang
Madlen Zibrowius ist eines der Gesichter der aktuellen Informationskampagne der Rentenversicherung: www.deutsche-rentenversicherung.de/einlebenlang

Mehr Infos unter: t1p.de/reha-info