Johanna F. erhielt von ihrem dritten bis zum
27. Lebensjahr eine Halbwaisenrente.
Johanna F. erhielt von ihrem dritten bis zum 27. Lebensjahr eine Halbwaisenrente.



Sie steht auf eigenen Füßen

 

 

Die Erinnerungen an ihre frühe Kindheit sind ausradiert. Das geht vielen Menschen so, für Johanna F. ist das jedoch besonders schade. Denn der Vater der jungen Frau starb, als sie dreieinhalb Jahre alt war. Für seine Tochter sorgen konnte der Mann, den sie nur von Fotos kennt, trotzdem: Eine Halbwaisenrente half Johanna F. im späteren Leben, ihr Studium zu finanzieren. Heute ist sie 28 Jahre alt und ausgebildete Sozialarbeiterin. Johanna F. ist viel unterwegs, trifft sich mit Freunden oder besucht ihre Familie. Wenn sie mal zu Hause ist, guckt sie gerne Serien. Dass sie gerade die Staffeln von „Friends“ und „Gilmore Girls“ zu ihren Lieblingsserien zählt, hat viel mit ihrer Kindheit zu tun. Immer geht es um viele Menschen, Freunde und Familienmitglieder, deren Tage nie eintönig sind. Immer ist was los, immer gibt es was zu erleben und zu erzählen.
 

311.561 Waisenrenten zahlte die Deutsche Rentenversicherung Anfang 2018 aus.

QUELLE: DEUTSCHE RENTENVERSICHERUNG
 

Vier Kinder, vier Ausbildungen

Drei Schwestern waren sie bei ihr zu Hause, eine davon ihre Zwillingsschwester. Nach dem Tod des Vaters fand die Mutter einen neuen Partner. Durch ihn wuchs die Familie. Johanna F. und ihre beiden Schwestern bekamen noch eine weitere Schwester hinzu. „Wir sind also vier Schwestern“, erzählt Johanna F.: „Das war toll für uns. Für meine Mutter waren das allerdings vier Ausbildungen, die bezahlt werden mussten.“ Nach der Schule entschied sich Johanna F. für ein Studium der Erziehungswissenschaften. Als geübte große Schwester gefiel es ihr, für Kinder da zu sein. Das Geld für ihr sechsjähriges Studium mit Master-Abschluss besorgten Johanna F. und ihre Familie aus mehreren Quellen. Sie jobbte und bekam Bafög. Außerdem bekam sie von der Mutter das Kindergeld überwiesen. Und dann war da noch das Geld, das ihr verstorbener Vater einst in die Rentenkasse eingezahlt hatte. Aus diesen Beiträgen hatte sich schon in ihrer frühen Kindheit ein Anspruch auf Halbwaisenrente ergeben. „Ohne diese Unterstützung“, rechnet Johanna F. vor, „wäre es mir nicht möglich gewesen, zu studieren.“ Außerdem hätte sie sich ohne diese Rente viel mehr Gedanken um ihre Mutter machen müssen, „denn die hätte die Ausbildung niemals finanzieren können.“
 

»Ohne die Halbwaisenrente hätte ich mein Studium gar nicht finanzieren können.«

Johanna F., Sozialarbeiterin
 

Weit verbreitete Leistung

Woher diese Rente nun genau kam, war ihr lange nicht klar. „Mit dem Begriff der ‚Rentenversicherung‘ verband ich lange kein inneres Bild“, berichtet Johanna F. von früher. „‚Halbwaisenrente‘, ist ja auch kein schöner Begriff, aber sie hat halt geholfen, dass ich ein schöneres Leben führen konnte.“ Dabei ist die Hinterbliebenenrente für die Kinder verstorbener Eltern eine durchaus verbreitete Leistung. So bezahlte die Rentenversicherung 2018 mehr als 300.000 Waisenrenten. Eine solche Rente erhalten Kinder nach dem Tod eines Elternteils, sofern gewisse Voraussetzungen erfüllt sind. Etwa, dass das verstorbene Elternteil die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren erfüllt hat, sprich: fünf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat. Eine Waisenrente können nicht nur leibliche Kinder erhalten. Auch adoptierte, Stiefund Pflegekinder, die im Haushalt des Verstorbenen lebten, sind anspruchsberechtigt. Selbst Enkel und Geschwister können infrage kommen, sofern sie im Haushalt des Verstorbenen gelebt haben oder von ihm unterhalten wurden.
 

Sozialarbeiterin: Heute hilft Johanna F. benachteiligten Familien.

Hilfe für den Berufsstart

Gezahlt werden Waisenrenten regelmäßig bis zum 18. Geburtstag des Kindes. Darüber hinaus gibt es Fälle, in denen solche Renten bis zum 27. Lebensjahr gezahlt werden: Etwa, wenn sich die Empfängerin so wie Johanna F. weiterhin in Schul- oder Berufsausbildung befindet, einen Freiwilligendienst leistet oder behindert ist und deshalb nicht selbst für sich sorgen kann. Jeder Fall wird einzeln geprüft. Johanna F. half die verlängerte Zahlung, im Berufsleben Fuß zu fassen. Heute arbeitet die 28-Jährige bei einem Verein in Berlin, der Familien mit frühgeborenen und chronisch kranken Kindern hilft. Schließlich hat die Solidargemeinschaft vorher auch ihr geholfen. Nun, findet sie, ist es an der Zeit, etwas zurückzugeben.
 

Der Mensch dahinter

#einlebenlang
Johanna F. ist eines der Gesichter der aktuellen Informationskampagne der Rentenversicherung: www.deutsche-rentenversicherung.de/einlebenlang


Mehr Infos in der Broschüre „Hinterbliebenenrenten“: t1p.de/waisen