Stefanie Karg (links) hat lange ausgesetzt, um
ihre drei Kinder zu erziehen. Claudia Kohls
erläutert ihr, dass ihr dafür nun neun Jahre
Erziehungszeiten gutgeschrieben werden.
Stefanie Karg (links) hat lange ausgesetzt, um ihre drei Kinder zu erziehen. Claudia Kohls erläutert ihr, dass ihr dafür nun neun Jahre Erziehungszeiten gutgeschrieben werden.



Ein guter Termin für die Rente

 

Stefanie Karg ist erst 33 Jahre alt. Trotzdem hat sie heute einen Termin bei der Deutschen Rentenversicherung in München. Viele Deutsche klären ihr Rentenkonto erst, wenn sie kurz vor dem Renteneintritt stehen. Karg hat gute Gründe, sich früher zu kümmern. Mit Anfang 30 war sie bereits dreifache Mutter: Ihre Kinder Luca, Jule und Leni sind heute sechs, vier und drei Jahre alt. Um sich ihnen ganz widmen zu können, hat Karg insgesamt sechs Jahre beruflich ausgesetzt. „Mein Mann und ich haben das gemeinsam entschieden“, erzählt sie auf angenehm zurückhaltende Art. Neben der gesetzlichen Rente zahlt Karg auch noch in die Riester-Rente und eine betriebliche Altersvorsorge ein. Seit einem Jahr ist die junge Frau nun zurück im Job, arbeitet halbtags als Sozialpädagogin an einem Münchner Förderzentrum. Karg ist in die Auskunfts- und Beratungsstelle München der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd gekommen, um zu erfahren, wie die gesetzliche Rentenversicherung Eltern unterstützt. Auf einem braunen Teppich im Foyer der Geschäftsstelle weist ein riesiger gelber Pfeil mit dem Wort „Beratung“ die Kunden in die richtige Richtung – vorbei an einer Wartezone zu einem hellen Rundgang, in dem ein Büro an das nächste anschließt. Etwa 40 Mitarbeiter beraten hier täglich rund 500 Versicherte. Jeder kann einen Termin vereinbaren und sich kostenlos und unabhängig beraten lassen. Ihre ersten sechs Jahre Kindererziehungszeit tauchen in Kargs Rentenkonto bisher nicht auf. Zusätzlich kann sie sich in Zukunft drei weitere Jahre Kindererziehungszeit anerkennen lassen. Im Zusammenhang mit ihrer privaten Altersvorsorge hat sie kürzlich eine Aufforderung der Rentenversicherung erhalten, einen Termin zu vereinbaren. Karg ist es wichtig, die Kinderpause offiziell anerkennen zu lassen, auch zur Untermauerung ihres Anspruchs auf Riester-Rente. Vor allem aber wird die Erziehung von Kindern mit zusätzlichen Rentenansprüchen belohnt.

»Wer wegen eines Kindes zu Hause bleibt, bekommt je Kind drei Jahre lang Rentenansprüche gutgeschrieben.«

Claudia Kohls, Beraterin

Erziehung lohnt sich doppelt

Stefanie Karg muss an diesem Freitag nicht lange warten, bis sie aufgerufen wird. Claudia Kohls beginnt prompt mit ihren Erläuterungen: „Wer ein Kind erzieht, bekommt drei Jahre lang Rentenansprüche gutgeschrieben – ganz gleich, ob er in die Rentenkasse einzahlt oder nicht.“ Bei Kindern, die vor 1992 geboren wurden, gilt die Regelung dank der sogenannten Mütterrente auch – zweieinhalb Jahre lang. Mütter oder auch Väter werden dabei einem durchschnittlich verdienenden Versicherten gleichgestellt. Dessen Durchschnittsentgelt liegt zurzeit bei 38.901 Euro brutto pro Jahr, was exakt einen Entgeltpunkt ausmacht. Wer ein Kind erzieht, erhält für jedes Kind für jeweils drei Jahre je einen Entgeltpunkt pro Jahr. Aktuell erhöht sich die Rente pro Entgeltpunkt in Westdeutschland um 32,03 Euro, in Ostdeutschland um 30,69 Euro. Für Elternteile, die schon vor Ablauf der drei Jahre arbeiten gehen, lohnt sich die Anerkennung der Kindererziehungszeiten sogar doppelt: Die sich daraus ergebenden Ansprüche werden auf die selbst eingezahlten Beiträge draufgeschlagen, bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

Kinder machen den Unterschied

Beraterin Kohls geht mit Karg deren Rentenkonto durch: Alle Zeiten, in denen sie gearbeitet und eingezahlt hat, sind aufgeführt. Gemeinsam sprechen die beiden Frauen alle aufkommenden Fragen durch: Von wann bis wann hat Karg studiert? Wird privat vorgesorgt, etwa mit einer Riester-Rente? Stefanie Karg nickt. Damit der Staat die Riester-Zulage auch zahlt, ist es wichtig, dass sie als Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung gemeldet ist. „Wenn Sie die Erziehungszeiten nicht beantragen, weiß der Staat nicht, dass Sie pflichtversichert sind, und zahlt die Zulage für diesen Zeitraum womöglich nicht“, erklärt Kohls. Erziehen die Eltern das Kind gemeinsam, wird die Erziehungszeit normalerweise der Mutter zugeschlagen. Doch auch Männer können sich Erziehungszeiten auf Antrag anrechnen lassen, sofern die Mutter zustimmt. Als die beiden Frauen fertig sind, rechnet die Beraterin aus, welche Rentenansprüche sich für die junge Mutter nun ergeben. Karg staunt nicht schlecht, als sie den Unterschied hört: Dank der Kindererziehungszeiten würde sie schon jetzt einen Anspruch auf 408 Euro Altersrente haben. Ohne die Kindererziehungszeiten wären das nur 120 Euro.

Info: Drei Tipps für die Kontenklärung

1. Frühzeitig loslegen:
Regelmäßig fordert die Deutsche Rentenversicherung Versicherte zur Kontenklärung auf. Statt darauf zu warten, kann man selbst um einen Termin bitten.

2. Auf Lücken im Versicherungsverlauf achten:
Wer aufgrund von Krankheit oder Behinderung vermindert erwerbsfähig wird, kann eine Erwerbsminderungsrente beantragen. Das geht jedoch nur, wenn man in den letzten fünf Jahren mindestens drei Jahre versicherungspflichtig versichert gewesen ist. Es sollten also keine großen Lücken im Versicherungsverlauf entstehen.

3. Über Beitragszeiten informieren:
Neben der Kindererziehung sind das zum Beispiel Zeiten, in denen Versicherte eine Ausbildung gemacht oder Angehörige gepflegt haben. 4Dokumente gut aufbewahren: Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger kann es werden, fehlende Nachweise zu erhalten. Archivieren ist daher wichtig.