Mach mit, Mann!

 

Warum hat die Stadt Nürnberg einen Männerbeauftragten? Das werde ich oft gefragt. Die Antwort ist ganz einfach: weil Gleichstellung beide Geschlechter betrifft. Männer sollten nicht nur Adressaten von Gleichstellungspolitik sein, sondern auch Akteure. Sie sollten nicht nur die Anliegen der Frauen unterstützen, sondern sich auch fragen: Was sind eigentlich meine Anliegen? Eine mögliche Antwort lautet: „Ich will keine 40 Stunden pro Woche arbeiten, sondern mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.“ Oft kommen sie mit diesem Anliegen bei ihrem Arbeitgeber nicht durch. Oder bei der eigenen Frau, die beschlossen hat, nach der Geburt des Kindes zu Hause zu bleiben – ohne ihren Partner zu fragen, ob er dies nicht auch gern täte. Beide agieren damit in alten Strukturen. In Rollen, die die Gesellschaft vorgibt. In diesem Fall die Rolle des Mannes als Ernährer. Ich setze mich dafür ein, solche Probleme auch aus männlicher Perspektive zu betrachten. Beispielsweise, als die Stadt Nürnberg eine Broschüre zu „Führen mit reduzierter Arbeitszeit“ herausgebracht hat. Mir war von Anfang an wichig, dass das auch Männer anspricht. Denn der Bedarf ist da. Seit wir bei der Stadt Nürnberg vermehrt Führungsstellen in Teilzeit ausschreiben, ist die Zahl der männlichen Bewerber sprunghaft angestiegen. Und wir wollen ja „Diversity“ erreichen, also gemischte Teams.

 

Matthias Becker ist studierter Sozialpädagoge
und seit 2016 Ansprechpartner für Männer bei der
Stadt Nürnberg.

Der männliche Blick

Mit unserer Frauenbeauftragten arbeite ich eng zusammen. Wir diskutieren auf Augenhöhe, aber auch leidenschaftlich, weil wir oft sehr verschiedene Zugänge haben. Dabei lernen wir viel voneinander. So fiel mir zum Beispiel auf, dass sich für Gesundheits- und Ernährungskurse, die wir mit Unternehmen erarbeiten, meist nur Frauen anmeldeten. Meine Erfahrung ist, dass Männer einfach länger darüber nachdenken, ob sie einen Kurs belegen – warum auch immer. Wenn sie sich dann endlich entschließen, ist der Kurs oft schon ausgebucht. Also haben wir uns entschieden, den Männern einfach mal mehr Zeit einzuräumen für ihre Anmeldung. Und tatsächlich: Zwei Wochen später sind die Kurse voll belegt – und die Hälfte der Teilnehmer sind Männer. Inzwischen kommen auch Männer mit Themen zu mir, für die ich eigentlich gar nicht zuständig bin. Etwa, dass sie zu Hause oder am Arbeitsplatz Gewalt erleben. Oft bin ich der erste Ansprechpartner, der sie ernst nimmt und sinnvoll weiter verweisen kann. Und darum geht es: Die Nöte auf beiden Seiten zu erkennen – und nicht gegeneinander gewichten. Gleichstellung ist nicht ein Kampf von Männern gegen Frauen. Es ist ein Kampf gegen Strukturen.