Der Angst entkommen

 

Wann hatten Sie das letzte Mal so richtig Angst? Ich meine damit wirklich richtig Angst, mit Herzrasen und Schweißausbrüchen. Praktisch jeder Mensch kennt die Angst. Und das ist auch gut so, denn sie ist der wichtigste Wegweiser in unserem Leben. Angst macht uns auf Gefahren aufmerksam und löst körperliche Reaktionen in uns aus, die uns helfen, Flucht oder Kampf mit maximaler Aufmerksamkeit durchzuführen. Unterm Strich soll uns Angst das Überleben sichern. Und so unangenehm sie auch ist, ist sie doch notwendig. Was aber, wenn die Angst plötzlich und immer wieder ohne ersichtlichen Grund auftritt oder in einem Ausmaß, das ganz und gar nicht der Situation angemessen ist? Was, wenn die Angst ein ganzes Leben dominiert?

An Angststörungen leiden jährlich 15 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Sie sind somit noch weiter verbreitet als Depressionen. Sollten Sie dazugehören, fassen Sie Mut: Sie sind nicht allein!

Austausch mit anderen

Die Bandbreite der Ängste reicht von spezifischen Phobien (Angst vor bestimmten Situationen oder Dingen) über Sozialphobien (Angst vor sozialer Interaktion) bis hin zur generalisierten Angststörung, die alle Lebensbereiche abdecken kann. Und für viele Menschen ist das noch nicht einmal das Ende der Fahnenstange. Sie erleiden Panik­attacken, die mit schweren körper­lichen Schmerzen und Todesangst einhergehen, manche mehrmals täglich, jahr­zehntelang. Ich habe für mein Buchprojekt mit vielen Betroffenen zusammengearbeitet und immer wieder festgestellt, dass diese furchtbare Situation keine Endstation sein muss. Es gibt Wege aus der Angst – Techniken und Methoden, die sowohl kurz- als auch langfristig helfen. Auch Therapien und Medikamente können helfen. Doch Angst ist etwas sehr Individuelles. Nur weil eine Methode, eine Therapieform oder Medikation bei Patient A zum Erfolg führt, bedeutet das nicht, dass sie auf Patient B dieselbe Wirkung hat. Der Weg aus der Angst kann lang und beschwerlich sein. Machen Sie nie den Fehler, zu früh aufzugeben.

Sammeln Sie so viele Informationen wie möglich und tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus. Finden Sie heraus, was Ihnen persönlich guttut. Hilfe zu suchen, ist der beste Ausgangspunkt für Ihren individuellen Weg aus der Angst. Schöpfen Sie neuen Mut: Es gibt nicht die eine Lösung – es gibt ganz viele. Und Sie dürfen wählen.

Infos zu Reha bei psychischer Erkrankung: t1p.de/DRV-Reha-Angststoerung

Alex Licht ist ein Pseudonym, hinter dem eine Vielzahl von Experten und ­Betroffenen steht. Der Bestseller erschien 2021.