50 Jahre einheitliche Entgeltfortzahlung

 

 

Alle Arbeitnehmer haben dasselbe Recht auf sechs Wochen Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Ein Gesetz, das dies zusichert, ist erstmalig vor 50 Jahren – am 27. Juli 1969 – beschlossen worden. Bis dahin waren die Regelungen zur Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall für Arbeiter und Angestellte unterschiedlich – zum Nachteil der Arbeiter.

Während zuvor für Angestellte die volle Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für einen Zeitraum von sechs Wochen bereits bestand, waren Arbeiter deutlich schlechter gestellt: In den ersten drei Krankheitstagen, den sogenannten Karenztagen, erhielten sie keinen Lohn. Erst ab dem vierten Tag bekamen sie, abhängig vom Familienstand, ein Krankengeld in Höhe von 50 bis 65 Prozent des Nettolohns. Nach einem 16 Wochen andauernden Streik von mehr als 18.000 Metallarbeitern in Schleswig-Holstein gab es einen Teilerfolg: Am 1. Juli 1957 trat das Gesetz zur Verbesserung der wirtschaftlichen Sicherung der Arbeiter im Krankheitsfall in Kraft. Anspruch auf bis zu sechs Wochen Krankengeld bestand nun nach zwei Karenztagen. Bei einer mehr als 14-tägigen Arbeitsunfähigkeit entfielen die Karenztage. Eine Aktualisierung des Gesetzes, das eine Erhöhung des Arbeitgeberzuschusses zum Krankengeld auf 100 Prozent vorsah, trat am 1. August 1961 in Kraft. Zudem wurden die Karenztage vollständig beseitigt.

Die vollkommene finanzielle Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten erfolgte schließlich mit dem Lohnfortzahlungsgesetz (LFZG) vom 27. Juli 1969, das am 1. Januar 1970 in Kraft trat. Während der ersten sechs Krankheitswochen sollten die Arbeitgeber nun den vollen Bruttolohn fortzahlen. Im Falle von Krankheit erhielten diese Arbeitgeber 80 Prozent ihrer Kosten für die Lohnfortzahlung erstattet.

Am 1. Juni 1994 ersetzte das Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) das LFZG größtenteils. Seitdem nehmen am Umlageverfahren bei Krankheit Betriebe mit bis zu 30 Beschäftigten teil. Die Kosten für die Lohnfortzahlung erhalten Arbeitgeber in Höhe von 40 bis 80 Prozent erstattet. Die Höhe der Erstattung regelt jede Krankenkasse in ihrer Satzung individuell.

Info: Arbeitgeberversicherung

Auch die Arbeitgeberversicherungen sind auf das LFZG aus dem Jahr 1969 zurückzuführen. Seit ihrer Gründung leistet die Arbeitgeberversicherung einen wichtigen Beitrag zur finanziellen Entlastung von Arbeitgebern. Allein die Arbeitgeberversicherung der KNAPPSCHAFT betreut 2,3 Millionen Arbeitgeber, denen 276,5 Millionen Euro an Erstattungen im Jahr 2018 zugeflossen sind.

www.arbeitgeberversicherung.de

 

FOTO: SABINE PETERS