Ab wann sind Kinder reif fürs eigene Smartphone?

 

 

Die Frage kennen Eltern nur zu gut: „Wann bekomme ich mein eigenes Smartphone?“ Die Antwort der Experten: Nicht vor dem elften oder zwölften Lebensjahr. „Kinder sollten erst genug Erfahrung im Netz gesammelt haben“, sagt die Berliner Mediencoachin Kristin Langer von der Initiative „Schau hin!“: „Mit acht Jahren können sie noch nicht alle Gefahren einschätzen und brauchen Begleitung.“

Cybermobbing, Internetsucht, Aufmerksamkeitsdefizite – die digitale Technik birgt viele Risiken für die kindliche Seele. Psychologe Christian Montag von der Universität Ulm warnt: „Achtjährige können sich selbst noch nicht so gut regulieren wie Erwachsene und verstehen daher nicht, wann es Zeit ist aufzuhören.“ Viele Apps seien so konzipiert, Nutzer möglichst lange zu halten. Trotz einer Flut an Studien gibt es bisher kaum belastbare Ergebnisse zur Auswirkung von Smartphones auf das kindliche Gehirn. Vor allem Langzeitstudien fehlen. Die bisherige Forschung bietet laut Montag jedenfalls Anlass zur Sorge: „Sie zeigt einen Zusammenhang zwischen übermäßigem Medienkonsum und ADHS und auch Depressionen.“

Wichtig ist nicht nur, was Kinder machen, wenn sie auf den Bildschirm starren, sondern vor allem, was sie in dieser Zeit nicht machen. „Alle Kinder sollen spielen und toben“, sagt Montag. Das sei ein genetisch verankertes Grundbedürfnis und wichtig, um soziale Kompetenzen und die Grobmotorik zu stimulieren. Auch kommen sinnliche Erfahrungen wie Geschmack, Berührung und Geruch am Bildschirm viel zu kurz.

»Es gibt einen Zusammenhang zwischen überlangem Medienkonsum und ADHS.«

Christian Montag, Professor für Psychologie an der Universität Ulm

Wohl aus gutem Grund haben viele Eltern im Silicon Valley den Umgang ihrer Kinder mit digitalen Medien äußerst streng geregelt. „Ich bin überzeugt davon, dass der Teufel in unseren Telefonen lebt und in unseren Kindern verheerende Schäden anrichtet“, zitierte die New York Times eine Facebook-Managerin. Ihren Kindern habe sie erst ab der neunten Klasse Smartphones erlaubt: „Das letzte Kind in der Klasse, das ein Smartphone bekommt, gewinnt.“ Steve Jobs hatte seinen Kindern iPads gar kategorisch verboten.

Pädagogin Langer sieht das entspannter: „60 bis 70 Minuten Bildschirmzeit pro Tag können Achtjährige verkraften.“ Ihr Tipp: „Sich daran erinnern, dass Kinder nachahmen, was Eltern vorleben.“

 

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