Masterplan für das Morgen-Land

 

 

Kommt das Paket schon bald per Drohne, das Taxi ohne Fahrer, die Übersetzungen per App? Was sollen die Erwachsenen von morgen studieren, um mit künstlicher Intelligenz und Algorithmen mithalten zu können? Der Arbeitsmarkt ist zwar wie leergefegt und die Erwerbslosigkeit so niedrig wie selten zuvor, doch was wird in fünf bis zehn Jahren sein? Was müssen Kinder angesichts der rasanten Digitalisierung lernen? „Vor allem das, was Algorithmen nicht können“, sagt Stefan Hardege, der für den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) eine Studie zum Fachkräftemangel erstellt hat. „Teamfähigkeit und Kreativität sind die Kompetenzen, die man braucht, um Lösungen zu finden.“

Fehlen Fachkräfte, mangelt es auch an Innovationen – und das bremst das Wirtschaftswachstum. Wichtig wird in Zukunft alles, was mit Daten und Digitalisierung zusammenhängt. Das bedeutet allerdings nicht, dass die klassischen Berufe verschwinden, im Gegenteil. Selten waren beispielsweise Grundschullehrer so begehrt und noch nie so gut bezahlt. Das Handwerk ist dankbar für jeden Azubi, selbst wenn er noch nicht so gut deutsch spricht, weil die Betriebe händeringend nach Personal und Nachwuchs suchen. Alle Studien zeigen, dass der Fachkräftemangel den gesamten Arbeitsmarkt betrifft. Für Berufseinsteiger sind das rosige Aussichten, denn ihnen stehen viele Möglichkeiten offen, ganz besonders in der Bildung, dem Handwerk, der öffentlichen Verwaltung sowie digitalen und technischen Berufen. Stellvertretend für ihre Branchen stellen wir fünf Berufe vor, die viel Zukunft haben.

»Teamfähigkeit und Kreativität sind die meistgefragten Kompetenzen.«

Stefan Hardege, DIHK

Besonders begehrt sind Grundschullehrer. In Berlin sind inzwischen 70 Prozent der neu eingestellten Grundschullehrer gar keine ausgebildeten Pädagogen mehr, sondern Quereinsteiger. 50 Prozent sind es in Sachsen. „Der Mangel ist so groß, dass nicht einmal mehr genügend Ausbilder zur Verfügung stehen“, sagt Hans-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands. 50.000 bis 60.000 Lehrkräfte fehlten zurzeit insgesamt in Deutschland. Der Grund: Die Bundesländer hätten den Geburtenanstieg unterschätzt und anschließend versäumt, schnell zu handeln, so Meidinger. Zusätzlich sind in 2015 und 2016 durch stärkere Zuwanderung mehr als 200.000 Kinder im Grundschulalter nach Deutschland gekommen. Während die Zahl der Geburten und Migranten weiter wächst, können die Universitäten bei der Ausbildung neuer Lehrer nicht mithalten, und Umstellungen können Jahre dauern.

Wer sich in den kommenden Jahren für diesen Beruf entscheidet, wird sich deshalb aussuchen können, wo und wie er arbeiten will. Um mehr Lehrer an die Grundschulen zu locken, hat das Bundesland Berlin sogar das traditionell deutlich niedrigere Gehalt dem der Lehrer an weiterführenden Schulen angepasst: rund 5.300 Euro brutto. Im Vergleich zu anderen OECD-Staaten ist das eine überdurchschnittlich gute Bezahlung. Doch nicht nur die Grundschulen haben große Schwierigkeiten, Bildung zu bieten. Von der Krippe bis zur Berufsschule herrscht vielerorts massiver Personalmangel. Auch an Berufsschulen und an Gymnasien fehlen gut bezahlte Fachlehrer für technische und naturwissenschaftliche Fächer.

1. Bildung: Grundschullehrer

Es ist so etwas wie ein kleines Wunder: Schon nach einem Jahr können Erstklässler lesen und schreiben. Für viele ist der Lehrerberuf allein schon deshalb ein Traumjob. Doch inzwischen hat er sich auch zu einer ausgesprochen zukunftssicheren Karriere entwickelt. In ganz Deutschland suchen Schulen verzweifelt Lehrer.

2. Öffentliche Verwaltung: Sozialversicherungsfachangestellte

Wer sich einen krisensicheren Arbeitsplatz wünscht und gerne mit Menschen umgeht, der ist in der öffentlichen Verwaltung genau richtig. Größer ist der Fachkräftemangel in kaum einem anderen Bereich. Zu den Berufsbildern gehört beispielsweise der „Sozifa“ – der Sozialversicherungsfachangestellte. Er sorgt dafür, dass unser Sozialversicherungssystem funktioniert – vom Mutterschutz bis zur Rente.

Für Menschen in kritischen Lebenslagen gehören die Sozifas in der Deutschen Rentenversicherung, den gesetzlichen Krankenkassen oder Berufsgenossenschaften zu den wichtigsten Ansprechpartnern. Bei der Rentenversicherung beraten sie Versicherte, berechnen Beiträge, veranlassen Beitragszahlungen, bearbeiten Renten- und Rehaanträge oder klären die vielfältigen Versicherungsverhältnisse und Leistungsansprüche von Versicherten.

Schon während der dreijährigen Ausbildung bekommen die Sozifas rund 1.000 Euro. Später können es 3.500 Euro brutto und mehr sein. Die öffentliche Verwaltung als Arbeitgeber bietet außerdem viele andere Vorteile: geregelte und familienfreundliche Arbeitszeiten, Aufstiegschancen und Weiterbildungsmöglichkeiten. Mal in Hamburg statt Köln leben? Oder in Rostock statt Münster? Kein Problem, denn Personal für Stellen in der öffentlichen Verwaltung ist überall im Land gefragt.

1.114 Euro erhalten Sozialversicherungsfachangestellte im dritten Ausbildungsjahr bei der Rentenversicherung.

Quelle: Deutsche Rentenversicherung (2018)

3. Handwerk: Heizungsbauer

Handwerker aller Art sind so begehrt wie nie – vom Klempner bis zum Elektroniker. Teilweise müssen Kunden wochenlang auf einen Termin warten, weil den Betrieben das Personal fehlt. Besonders gefragt sind Heizungsbauer, denn moderne Anlagen sparen nicht nur Kosten, sondern auch Emissionen. Der „Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik“, wie der Ausbildungsberuf offiziell heißt, ist ein attraktiver Job: Man verdient leicht über 40.000 Euro im Jahr.

Auch die Karrierechancen im Handwerk sind durchaus attraktiv. Musste früher die Weiterbildung zum Meister komplett selbst getragen werden, übernimmt inzwischen der Staat mit dem „Meister-Bafög“ einen Teil der Kosten. Mit dem Titel in der Tasche steigt nicht nur der Verdienst. Alle, die etwas Unternehmergeist haben, gerne ihr eigener Chef sind und selbstbestimmt über ihre Work-Life-Balance entscheiden wollen, können sich selbstständig machen. Viele Gewerbetreibende, die in die Handwerksrolle eingetragen sind und selbstständig arbeiten, genießen dabei weiterhin den Schutz, Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung zu sein.

»Als Sozifa hilft man Menschen, bekommt einen sicheren Job und Aufstiegschancen.«

Celina Scholz, Auszubildende Sozifa, Halle (Saale)

4. Digitales: Data Scientist

Die Digitalisierung hat Unmengen an Daten hervorgebracht. Allerdings sind Daten allein nicht nützlich, man muss sie auch richtig ordnen und deuten können. Der Datenwissenschaftler oder Data Scientist kann genau das. Seine Analysen werden oft als Zahlenzauberei empfunden, denn sie schaffen die Grundlage für Unternehmen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Data Scientists nutzen den Datendschungel, um Muster zu finden, Algorithmen zu schreiben und beispielsweise für ein Unternehmen neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, Lieferketten zu optimieren oder Kundenwünsche zu erkennen. Studiengänge in Data Science existieren bisher nur an sehr wenigen Universitäten. Die meisten Datenwissenschaftler haben Mathematik oder Informatik mit einem Schwerpunkt in Statistik studiert. Doch um Unternehmen zu beraten, müssen sie auch wirtschaftliche Zusammenhänge und Produktionsprozesse verstehen. Data Scientist ist deshalb ein neuer, anspruchsvoller, aber auch zukunftssicherer Beruf mit guten Einstiegsgehältern und Jobgarantie in nahezu allen Bereichen der Wirtschaft.

Doch Datenanalyse ist nur ein Bereich, der heute für jeden Betrieb unverzichtbar ist. Ein absolutes Muss ist auch für kleinere Betriebe eine professionelle Homepage, die von einem anderen neuen Berufsbild erstellt und betreut wird: dem Content Manager – eine Mischung aus Journalist und IT-Spezialist. Heutzutage existiert ein Unternehmen allerdings selbst mit der großartigsten Website nur dann, wenn es bei der Google-Suche auf der ersten Seite gefunden wird. Dafür braucht es einen Experten für die Suchmaschinenoptimierung (SEO) – auch dies ein digitaler Trendberuf, der sicherstellt, dass die richtigen Schlüsselwörter an den richtigen Stellen auftauchen und vom GoogleAlgorithmus erfasst werden.

1,46 Millionen unbesetzte Stellen gab es Ende 2018, der Teilzeitanteil betrug 18 Prozent.

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

5. Technisches: Ingenieurin

Ob künstliche Intelligenz, erneuerbare Energien oder ganz klassisch eine Brücke: Ohne Ingenieure ist wirtschaftliche Entwicklung kaum denkbar. Ihre jährliche Wertschöpfung liegt bei 288 Milliarden Euro, so der Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Sie sind Fachleute für alles Technische und von den Unternehmen in jeder Spezialisierung – vom Elektro- bis zum Vertriebsingenieur – heftig umworben. Nicht selten brauchen Personalleiter viele Monate, um eine Position neu zu besetzen. Universitäten und Fachhochschulen bilden zwar inzwischen mehr Ingenieure aus. Doch noch immer reicht es nicht, denn der Bedarf wächst stetig, insbesondere im IT-Bereich.

„Die Karriereaussichten für junge Ingenieurinnen und Ingenieure sind hervorragend“, sagt VDI-Präsident Volker Kefer. Vor allem durch die digitale Transformation entstehe eine Vielzahl neuer Jobs, zum Beispiel in der „Gestaltung von Mensch-Maschine-Interaktionen“ (MMI), die häufig unter dem Begriff Industrie 4.0 zusammengefasst werden.

Die Wirtschaftsverbände klagen seit Langem, dass es in anderen technischen Bereichen nicht besser aussehe. Bei den MINTBerufen – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – klafft eine große Lücke. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert die fehlenden Fachkräfte auf knapp eine halbe Million. Bewerber können sich schon jetzt die gewünschten Jobs herauspicken und ihr Einstiegsgehalt recht leicht nach oben verhandeln.

 

Tierärztinnen und Handwerker

Bob der Baumeister, Bibi und Tina prägen scheinbar noch immer ganze Generationen. Denn was die Kinder von heute einmal werden wollen, unterscheidet sich kaum von Traumberufen früherer Altersstufen: Die meisten Mädchen wollen mit Tieren arbeiten (18 Prozent) oder Lehrerin werden (14 Prozent). Die Jungen wünschen sich dagegen, als Handwerker oder Sportler zu arbeiten (je 16 Prozent). Für das jährliche LBS-Kinderbarometer hat das Prokids Institut Herten wieder einmal mehr als 10.000 Schüler im Alter von neun bis 14 Jahren befragt. Die Ergebnisse ähneln denen der Vorjahre sowie den Erkenntnissen anderer UmfrageInstitute und Hochschulen. Auch die Universität Siegen stellte beispielsweise in einer Studie fest, dass die Berufswünsche von Kindern sehr geschlechtsspezifisch sind. Mädchen drängt es eher in helfende Jobs, Jungen in solche mit Gefahren und Abenteuer. Allerdings üben Polizeiuniformen sowie weiße Arztkittel auf beide Geschlechter eine gewisse Anziehungskraft aus. Und das eine oder andere Mädchen sucht heutzutage auch den goldenen Boden des Handwerks.

Tierärztin: Mädchen streben weiter in die „typischen“ Jobs – zumindest als Kind.
Handwerker: Jungen lieben das Klischee.

Die Traumberufe der Kinder

Neue Berufe wie Data Scientist, Youtube-Star oder Eventmanager kommen nicht vor, wenn sich junge Menschen an ihren ersten Berufswunsch erinnen.

 

Checkliste: Der Weg in die Ausbildung

1. Berufswahl planen
Alle Informationen für die Berufswahl recherchieren und auflisten.

2. Talente checken
Interessen und Stärken erkennen und viele Berufe kennenlernen.

3. In die Berufswelten eintauchen
Berufsreportagen, -filme, -steckbriefe und Tagesabläufe ansehen.

4. Prüfe deine Chancen
Die Regionalseiten auf planet-beruf.de zeigen, wie die Chancen für den Wunschberuf stehen.

5. Stellensuche starten
Ausbildungsstellen online bei der Arbeitsagentur checken.

6. Bewerbungstraining
Bewerbungsunterlagen erstellen, Vorstellungsgespräch vorbereiten.

7. Auf die Ausbildung vorbereiten
Prüfen, ob der Ausbildungsvertrag korrekt ist und alle Unterlagen für den Start vorliegen.

8. Plan B versuchen
Zwischenstationen einplanen, wenn es nicht gleich klappt.

Alle Infos unter: kurzlink.de/jobwahl

 

3 wertvolle Tipps

Futuromat:
Hier verrät die Bundesagentur für Arbeit, welche Jobs und Arbeiten schon heute Roboter erledigen könnten: job-futuromat.iab.de

Infozentren:
In ganzDeutschland gibt es die Berufsinformationszentren (BiZ) der Bundesagentur für Arbeit: www.biz.de

Job-Tester:
Diese OnlineSelbsterkundung der Arbeitsagentur hilft jungen Menschen herauszufinden, welcher Job zu ihnen passt: set.arbeitsagentur. de/teaser

 

Die Broschüre „Berufsstarter und ihre Sozialversicherung“ online auf der RentenversicherungsWebsite: kurzlink.de/einstieg

 

FOTOS: GETTY IMAGES; ILLUSTRATIONEN: SASAN SAIDI