In Stuttgart auf dem Wochenmarkt: Andreas Ernst kauft seit der Pandemie viel häufiger Frisches ein.
In Stuttgart auf dem Wochenmarkt: Andreas Ernst kauft seit der Pandemie viel häufiger Frisches ein.



Die Vorbeuger


Andreas hat endlich richtig kochen gelernt. Saskia hat mit dem Rauchen aufgehört. Tanja hat gelernt, auch ohne Fitnessstudio fit zu bleiben. Marcel entdeckte die Mind-Body-Medizin für sich. Und Werner ist seit Corona noch besser vorbereitet auf den Katastrophenfall.

Fünf Menschen, fünf Geschichten: So wie alle Menschen mussten sie seit den Kontaktsperren mit Einschränkungen leben. Sie haben sich davon aber nicht unterkriegen lassen. Im Gegenteil: Alle fünf haben während dieser Zeit etwas unternommen, damit es ihnen langfristig besser geht.

Fern von Mundschutz und Händewaschen geht das Leben schließlich weiter, auch in einer Pandemie. Gerade die körperliche Fitness ist vielen wichtig, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov noch im April während der ersten Sperren zeigte: Fast die Hälfte der Befragten gab an, trotz aller Hindernisse genauso viel Sport zu treiben wie zuvor. Eine gute Entscheidung, denn: „Machen wir nichts, verlieren wir schnell an Abwehrkräften“, mahnte Prof. Ingo Froböse, Leiter des Instituts für Bewegungstherapie an der Deutschen Sporthochschule in Köln in der „FAZ“: „Das ist gerade umso wichtiger, denn wir wollen uns doch schützen gegen das Virus.“ Das gilt auch für Angewohnheiten wie das Rauchen. Die Deutsche Lungenstiftung warnte gleich zu Beginn der Pandemie davor, dass Rauchen das Erkrankungsrisiko erhöht. Wie viele Menschen deshalb aufgehört haben, ist nicht bekannt. Zu wenig getan hat sich allerdings bei der Ernährung. Nur 28 Prozent der Deutschen nutzten die Zeit, um ihr Essverhalten zu verbessern. Einer von ihnen ist Andreas Ernst.

Andreas: kocht jetzt selbst

»Seit März koche ich einmal am Tag, oft zweimal. Heute weiß ich, dass Paprika, Auberginen und Pilze nicht nur Beilage sein können.« - Andreas Ernst (39)
Andreas Ernst ist im Homeoffice zum Hobbykoch geworden.

»Seit März koche ich mindestens einmal am Tag, oft sogar zweimal. Heute gibt es zum Beispiel mittags Hähnchen mit Gemüse und abends Spargelrisotto. Dafür stehe ich locker drei Stunden in der Küche, und das macht mir wahnsinnig Spaß. Begonnen hat das Ganze damit, dass ich eine Beschäftigung brauchte.

Ich arbeite als Personalvermittler in der Automobilbranche. Auch meine Frau arbeitet viel, wir haben im normalen Leben lange Arbeitstage. Wir hatten meistens gar keine Zeit zum Kochen und sind locker viermal die Woche essen gegangen. Doch als mit Corona die Wirtschaft einbrach, musste ich bloß noch fünf Telefonate am Tag aus dem Homeoffice führen. Ich bin mir sicher, dass wieder andere Zeiten kommen. Aber auch dann will ich möglichst viel selbst kochen. Denn ich merke erst jetzt, wie sehr ich die Zeit mit meinem dreijährigen Sohn und meiner einjährigen Tochter genieße, wenn sie in der Küche zuschauen. Außerdem leben wir gesünder. Früher war ein Gericht ohne Fleisch kein richtiges Essen.

Heute weiß ich, dass Paprika, Auberginen und Pilze nicht nur eine Beilage sein können. Ich kaufe lieber ein gutes Stück Fleisch statt Massenware. Dafür gehe ich schon mal extra zu einem Bio-Erzeuger. Das Gemüse hole ich frisch vom Wochenmarkt. Nebenbei habe ich so drei Kilo abgenommen, obwohl ich trotzdem manchmal gerne ein Gläschen Wein trinke. Aber ich lege mich nicht mehr mit so einem vollen Bauch ins Bett, weil wir meistens schon um 16.30 Uhr zu Abend essen. Meine Lebensqualität ist so gewachsen, dass ich mir vorgenommen habe, in der Arbeit einen Gang zurückzuschalten, um mehr Zeit mit meiner Familie zu haben.« 
Andreas Ernst (39), Personalvermittler aus Stuttgart

Mehr auf der Website: t1p.de/essenstipps

 

Saskia: ist endlich Nichtraucherin

»Früher waren zehn Minuten Fußweg für
mich ein Marathon – als Nichtraucherin ist
es nun ganz leicht.« - Saskia Eisenmann (42)

»Ich weiß, wie sich jemand fühlen muss, der an Corona erkrankt ist und keine Luft mehr bekommt. Anfang des Jahres hatte ich plötzlich Fieber und Atemnot. Es war so schlimm, dass mich die Ärzte im Krankenhaus mit Sauerstoff versorgen mussten. Die offizielle Diagnose lautete Bronchitis. Mein Hausarzt meint inzwischen, es sei Corona gewesen. Mir war nur klar, dass ich so was nie wieder erleben wollte. Das wurde für mich ein Ansporn: Ich wollte ein für alle Mal mit dem Rauchen aufhören!

Doch der Entzug war hart: Wochenlang wachte ich nachts immer wieder schweißgebadet auf. Zweimal hatte ich so starke Panikattacken, dass der Notarzt kommen musste. Außerdem habe ich erst jetzt gemerkt, wie sehr Zigaretten mein Leben bestimmten. Mein Sohn hat eine Behinderung. Als Hartz-IV-Empfängerin ist das eine besonders schwere Situation für mich. Schon am 20. des Monats habe ich gerechnet, ob ich mit meinen Zigaretten auskomme und ob ich mir notfalls irgendwo Geld leihen kann. Ich habe 20 Jahre lang geraucht, zuletzt zwei Päckchen am Tag. Heute fehlt mir nichts. Einen Teil des Geldes, das ich für Zigaretten ausgab, lege ich zur Seite. Dann können mein Sohn und ich endlich einmal in den Urlaub fahren. Überhaupt kann ich mit ihm jetzt vieles machen, was vorher nie gegangen wäre. Neulich waren wir sieben Kilometer am Rhein spazieren. Früher habe ich mich nach den zehn Minuten Fußweg zum Supermarkt schon gefühlt wie nach einem Marathonlauf. Das geht jetzt ohne Probleme und jedes Mal frage ich mich, warum ich nicht schon viel früher aufgehört habe.« 
Saskia Eisenmann (42), Alleinerziehende aus Dransdorf bei Bonn

Informationen und Tipps der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, um mit dem Rauchen aufzuhören: www.rauchfrei-info.de

 

Tanja: bleibt fit

»Wenn ich an die Zeit mit Schmerzen denke, ist die Motivation zu trainieren gleich wieder da. Die Sporttermine sind mir seit der Prävention genauso wichtig wie die Jobtermine.« - Tanja Steinigeweg (48)

»In meinem Terminkalender habe ich zweimal wöchentlich einen Jour fixe mit mir selbst. Normalerweise gehe ich in ein auf Prävention spezialisiertes Sportstudio in Osnabrück und mache Gerätetraining und Übungen mit Eigengewicht oder mit dem Ball. Als das Studio im Frühjahr wegen der Corona-Beschränkungen schloss, habe ich das Training zu Hause fortgeführt. Die Zeiten im Terminkalender behielt ich bei, auch wenn mir das natürlich manchmal ein wenig schwerfiel.

Dabei hilft, dass ich nur zu gut weiß, was ein kaputter Rücken ausmacht. Seit gut 30 Jahren habe ich immer wieder mit dem Rücken zu tun, vor ein paar Jahren wurden die Beschwerden innerhalb weniger Wochen schlimmer. Mein Chef hatte vom Präventionsprogramm der Deutschen Rentenversicherung gehört. Inzwischen heißt dieses Angebot „RV Fit“.

Die Einführungstage waren schon einmal sehr positiv, denn wann nimmt man sich drei Tage Zeit für sich selbst? Körperlich trat nicht sofort eine spürbare Besserung ein. Das Ganze ist ein Prozess, und nach einigen Wochen konnte ich die Schmerzmittel reduzieren und mittlerweile absetzen.

Wenn ich an meine Zeit voller Schmerzen denke, ist das Motivation genug, die Übungen zu machen. Das Training an den Geräten ersetze ich durch Walken, die Übungen mit Eigengewicht oder Ball sind überall möglich. Zurück im Büro benutze ich Treppen statt Aufzug und mittags gehe ich mit Kolleginnen spazieren. Wenn man Bewegung internalisiert hat, wird Sport eben irgendwann zu einer gesunden Routine.«
Tanja Steinigeweg (48), Assistentin der Geschäftsführung

Mehr auf der Website: www.rv-fit.de

 

Marcel: achtet auf sich

»Zur „Mind-BodyMedizin“ (MBM) gehören Meditation, Ernährung, Stressreduktion und Naturheilkunde. Ein echter Augenöffner für mich!« - Marcel Pfeiff (49)

Seit einer Tropenreise vor ein paar Jahren habe ich immer wieder Probleme mit meinem Bauch. Bislang konnte kein Arzt wirklich helfen. Trotzdem konnte ich die Kontaktbeschränkung nutzen, um an meiner Gesundheit zu arbeiten. Noch vor der Pandemie hatte ich eine Klinik für Naturheilkunde besucht. Das Ergebnis überraschte mich: nicht weil die Ärztin mir einen Reizdarm attestierte, vielmehr weil sie vorschlug, es mit einer ganzheitlichen Ordnungstherapie zu versuchen. Bald darauf besuchte ich also einmal in der Woche eine Tagesklinik. Ohne Behandlungszimmer, dafür mit einem großen Gruppenraum. Dort erlernte ich gemeinsam mit rund zehn anderen Teilnehmern die Techniken der „Mind-Body-Medizin“ (MBM). Dazu gehören Meditation, Ernährung, Stressreduktion und Naturheilkunde, zum Beispiel Kneipp-Güsse und Hausmittel. Das Programm war sehr umfassend, und ich war ziemlich erstaunt, dass gesetzliche Kassen so etwas im Einzelfall sogar übernehmen.

Der Kurs musste dann zwar wegen der Kontaktbeschränkungen unterbrochen werden, aber ich hatte schon viel mitgenommen für die Corona-Zeit – und für die Zeit danach. Früher hätte ich mir nie vorstellen können, mein Wohnzimmer in ein Qigong-Studio umzubauen, auf dem Sofa halbstündige Entspannungsübungen zu machen oder mit geschlossenen Augen langsam und achtsam über eine Wiese zu gehen, um innere Ruhe zu finden. Ein Allheilmittel sind Achtsamkeit, Kneipp-Güsse und Qigong natürlich trotzdem nicht. Mich möglichst gesund zu ernähren, bleibt bei einer Darmerkrankung das Wichtigste. Etwas gebracht hat es trotzdem: Ich fühle mich besser – und fit für die Zeit nach der Krise.«
Marcel Pfeiff (49), Redakteur

Mehr auf der Website: t1p.de/mind-body

 

Werner und Familie: sind gut vorbereitet

»In der Garage habe ich ein Notstromaggregat. Rechtzeitige Notfallvorsorge gibt mir Sicherheit und ein gutes Gefühl. Mein persönlicher Tipp: ein Campingkocher.« - Werner Euringer (45)
mit seiner Frau

»In Krisensituationen rate ich zu mehr Gelassenheit. Angesichts leerer Regale im Supermarkt sind wir nicht in Panik ausgebrochen. Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist gewährleistet, das hat die Pandemie mir gezeigt. Die Hamsterkäufe empfand ich als übertrieben. Bei uns muss doch niemand hungern. Wir haben immer Alternativen gefunden, natürlich auch zu Klopapier.

Ungeachtet der Corona-Krise setze ich auf eine persönliche Notfallvorsorge. Mein Job beim Technischen Hilfswerk (THW) zeigt mir, dass Naturkatastrophen wie Hochwasser die Straßen unpassierbar machen können. Ist so ein Notfall erst eingetreten, ist es für Vorsorgemaßnahmen meist zu spät.

Eine rechtzeitige Notfallvorsorge gibt mir Sicherheit und ein gutes Gefühl. Empfehlungen dazu gibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die Vorratshaltung unserer vierköpfigen Familie hat sich infolge der Corona-Krise kaum verändert. Unser Vorrat reicht für eine Woche.

Mein persönlicher Vorsorgetipp: ein Campingkocher. Damit kann ich im Notfall nicht nur Essen zubereiten, sondern auch Trinkwasser abkochen. In unserer Garage steht auch ein Notstromaggregat für den Fall eines längeren Blackouts.

Mit diesen Maßnahmen sind wir für alle Eventualitäten gewappnet. Im schlimmsten Fall könnte unser Wohnmobil Obdach bieten. Wir finden immer eine Alternative.«
Werner Euringer (45), Zimmermann und Leiter des THW-Ortsverbands Ingolstadt

Tipps und Broschüren vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: t1p.de/notfallvorsorge