1994, im Senegal: Albert Fuschlberger (Mitte, unten) im Kreis seiner führenden Angestellten.
1994, im Senegal: Albert Fuschlberger (Mitte, unten) im Kreis seiner führenden Angestellten.



Diesseits von Afrika

 

Die Welt war sein Zuhause. Über 40 Jahre lang hat Albert Fuschlberger in der Hotellerie gearbeitet – erst als Trainee, später leitete er als Direktor die Niederlassungen renommierter Hotelketten. Stationen seiner Karriere hatten exotische Namen wie Monterrey, Caracas, Dakar, Abuja. Insgesamt 14 Länder tauchen in seiner Erwerbsbiografie auf. Wo immer Fuschlberger tätig war, war er Angestellter. Er entrichtete vor Ort Sozialabgaben. Folglich erwarb er fast überall Rentenansprüche.

Als er vor einigen Jahren seinen Rentenantrag bei der Deutschen Rentenversicherung Bund stellte, war sein Fall außergewöhnlich. Zwar hat Deutschland mit 20 Ländern außerhalb der Europäischen Union Sozialversicherungsabkommen geschlossen, die dafür sorgen, dass Versicherten bei der Rente keine Nachteile entstehen. Ausländische Arbeitszeiten werden erfasst und fließen bei der Rentenberechnung ein. Doch Länder wie Venezuela, der Senegal oder Mexiko, wo Fuschlberger lange gearbeitet hatte, gehören nicht dazu. Wie macht man Rentenansprüche aus diesen Ländern geltend? Da kam Björn Pagers ins Spiel. Als Mitarbeiter eines Teams bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, das für internationale Beratungsanfragen zuständig ist, erhielt er die Kopien der E-Mails von Albert Fuschlberger an seine Sachbearbeiterin. Als er sah, wie viele und welche Länder beteiligt waren, bot er seine Vermittlung an. Die Fachleute bei der Deutschen Rentenversicherung decken die wichtigsten Verkehrssprachen der Welt ab und pflegen Verbindungen zu Sozialversicherungen im europäischen und außereuropäischen Ausland.
 

Rente aus dem Senegal

„Der Fall von Herrn Fuschlberger hat meinen persönlichen Ehrgeiz geweckt“, erinnert sich Björn Pagers. Etwa der Senegal: Dort hatte Albert Fuschlberger vier Jahre lang in höchster Position gearbeitet und eine hohe Summe in das Rentensystem eingezahlt. Björn Pagers fand heraus, dass der Senegal ein Sozialversicherungsabkommen mit Frankreich hat, wo Fuschlberger auch einen Rentenanspruch hatte. Über den französischen Rentenversicherungsträger konnte Pagers Kontakt zu den afrikanischen Kollegen herstellen. Mit Erfolg. Die französischen Kollegen leiteten das Rentenverfahren dort ein, und der Anspruch wurde bestätigt.

Pagers blieb dran. Immer mehr Kollegen quer durch Europa versuchten, Fuschlbergers Ansprüche weltweit zu klären. Oft waren sie erfolgreich – aber nicht immer. So konnte der Name Albert Fuschlberger beim türkischen Rentenversicherungsträger nicht gefunden werden, obwohl er drei Jahre lang dort eingezahlt hatte. Belege darüber hatte er nicht.
 

»Der Fall hat meinen persönlichen Ehrgeiz geweckt.«

Björn Pagers, Deutsche Rentenversicherung Bund


Ebenso konnten drei Jahre in Caracas, Venezuela, nicht beansprucht werden. Aus Mexiko kam der Bescheid, zwei Jahre seien zu wenig, um einen Rentenanspruch zu erwerben. Bei beiden Ländern verfügt zwar Spanien über entsprechende Abkommen, die sich aber leider nur auf Staatsangehörige beider Länder erstrecken. Die Bitte, Fuschlbergers Einzahlungen zurückzuerstatten, wurde abgewiesen. Auf Anhieb erfolgreich waren die Rentenanträge in Frankreich, der Schweiz, in Spanien und in England. „Bleibt man in Europa, ist das mit dem Rentenantrag relativ einfach“, erläutert Björn Pagers.

„Hier hilft schon mal ein Telefonat, um von den Kollegen zu erfahren, was benötigt wird, damit ein schneller Abschluss erreicht wird.“ Wer im Laufe seines Lebens in verschiedenen europäischen Ländern gearbeitet hat, dessen Versicherungszeiten werden, vereinfacht ausgedrückt, addiert. Dies ist im Europarecht geregelt und bringt Vorteile für den Rentenanspruch oder beim Antrag auf eine medizinische Reha. Weiterer Vorteil: Den Rentenantrag kann man einfach in dem Land stellen, in dem man wohnt. Dann reicht in der Regel ein einziger Antrag für alle Renten im In- und Ausland.
 

Ein lehrreicher Fall

Der Rentenantrag von Albert Fuschlberger hingegen war durch die Vielzahl der beteiligten Länder ein Projekt, das im Haus Spuren hinterlassen habe, erzählt Pagers. „Und zwar nicht nur in Form zahlreicher Akten, sondern als wichtige Berufserfahrung für uns alle.“ Und auch für die Ausbildung künftiger Sachbearbeiter, denn dieser Fall bildet alle Facetten infrage kommenden Rechts ab. In Zeiten der Globalisierung und aufgrund der Freizügigkeit im europäischen Binnenmarkt werden Erwerbsbiografien immer internationaler. Eine Herausforderung, auch für die Deutsche Rentenversicherung.

Heute ist Albert Fuschlberger 73 Jahre alt und lebt in der Nähe von Frankfurt am Main. Jedes Jahr muss er Lebensnachweise in viele Länder schicken, aus denen er Rente bezieht. Er weiß, dass er mit seiner Erwerbsbiografie ein Vorreiter ist, von dessen Erfahrungsschatz andere profitieren können. Denjenigen, die überlegen, im Ausland zu arbeiten, oder die bereits im Ausland angestellt sind, möchte er einen Ratschlag mitgeben: „Lasst euch von dem ausländischen Arbeitgeber oder der Sozialversicherung vor Ort jährliche Belege ausstellen, die ihr gut aufhebt.“ Dies habe er vernachlässigt, gibt Fuschlberger zu.

„Ich habe in meinem Leben nicht schlecht verdient. Aber dass ich heute Auslandsrenten beziehe, habe ich nur der Arbeit von Björn Pagers und seinen Kollegen zu verdanken“, sagt er zum Abschluss. Für die Deutsche Rentenversicherung Bund ist das ein Zeugnis‚ wie sie sich kein besseres wünschen kann.

 

...Die Rente ist international

Die Deutsche Rentenversicherung betreut Versicherte und Rentner im In- und Ausland. Jedes Jahr zahlt sie rund 1,8 Millionen Renten in über 150 Länder der Welt. Das entspricht nahezu sieben Prozent aller Rentenzahlungen. 71 Prozent gehen in Länder der Europäischen Union. 86 Prozent aller Auslandsrenten gehen an ausländische Staatsangehörige, 14 Prozent an Deutsche, die im Ausland leben.

www.deutsche-rentenversicherung.de