Rüdiger Herrmann und Jens Dirk Wohlfeil (rechts) sind die alternierenden Vorsitzenden der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund.
Rüdiger Herrmann und Jens Dirk Wohlfeil (rechts) sind die alternierenden Vorsitzenden der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund.



Gelebte Demokratie

 

Herr Herrmann, Herr Wohlfeil, was darf man sich unter einem „Vorsitzenden der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund“ vorstellen?
Wohlfeil: Hinter dem zugegebenermaßen etwas komplizierten Titel steht eine verantwortliche Aufgabe bei dem größten Rentenversicherungsträger Deutschlands. 23,2 Millionen Menschen und 10,3 Millionen Rentnerinnen und Rentner sind hier versichert. Das Amt führen wir beide übrigens ehrenamtlich, wie alle in der Selbstverwaltung.

Was macht die Vertreterversammlung?
Herrmann: In diesem Gremium vertreten wir die Beitragszahler und Rentenempfänger und entscheiden über Schlüsselfragen der sozialen Sicherheit. So beschließen wir etwa den jährlichen Haushalt der Deutschen Rentenversicherung Bund. Dabei achten wir darauf, dass die Finanzen der Rentenversicherung auf soliden Beinen stehen und auch künftige Generationen vom Umlageverfahren profitieren. Außerdem setzen wir eigene Akzente, beispielsweise im Bereich der Rehakliniken.

 

»Mir ist der gesellschaftliche Zusammenhalt wichtig.«

Jens Dirk Wohlfeil, alternierender Vorsitzender der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund von der Arbeitgeberseite

 

Dort war zuletzt der Umgang mit der Corona-Pandemie ein wichtiges Thema...
Wohlfeil: Richtig. Mit Rehas hilft die Rentenversicherung auch Menschen mit Post-Covid-Syndrom zum Beispiel dabei, wieder zu Kräften zu kommen und Schritt für Schritt ins Berufsleben zurückzukehren. Auch junge Menschen können, wenn sie erkranken, von einer Behandlung in einer Rehaklinik profitieren.

Wie gehen Sie auf junge Menschen zu?
Herrmann: Zum Beispiel im Internet unter www.rentenblicker.de. Dort wird vermittelt, wie das Rentensystem funktioniert und was die gesetzliche Rentenversicherung schon heute für junge Menschen leistet. Wohlfeil: Und das ist eine ganze Menge, da die gesetzliche Rentenversicherung mehr als nur die Rente im Alter leistet.

 

»Für mich ist die Selbstverwaltung ein Teil der gelebten Demokratie.«

Rüdiger Herrmann, alternierender Vorsitzender der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund von der Versichertenseite

 

INFO: Was bedeutet Selbstverwaltung?

Die Träger der Sozialversicherung, also auch die gesetzliche Rentenversicherung, sind selbstverwaltete Organisationen. Das bedeutet, dass die Versicherten und die Arbeitgeber die Sozialversicherung in eigener Verantwortung steuern und organisieren.

 

Könnten Sie darauf näher eingehen?
Wohlfeil:Ein Beispiel ist die Erwerbsminderungsrente für Auszubildende. Für eine Erwerbsminderungsrente gilt normalerweise eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren. Auszubildende genießen dagegen vom ersten Tag an Versicherungsschutz bei Arbeitsunfällen oder einer Berufskrankheit. Oder die Waisenrente: Wenn ein Elternteil verstirbt, können Kinder Anspruch darauf haben. Herrmann:Auch für den Erhalt der Gesundheit tut die Rentenversicherung eine Menge. Von ADHS über Asthma bis schwerem Übergewicht gibt es viele verschiedene Erkrankungen, die schon Kinder und Jugendliche so beeinträchtigen, dass sie nicht regelmäßig in die Schule gehen können. Erkranken Kinder oder Jugendliche, kann eine Reha in vielen Fällen helfen, die gesundheitlichen Probleme besser in den Griff zu bekommen und fit für den Alltag zu werden. So steigt die Chance, später aktiv am Arbeitsleben teilhaben zu können.

Was sind Ihre Beweggründe, sich ehrenamtlich in der Selbstverwaltung zu engagieren?
Herrmann:Ich bin schon seit mehr als 20 Jahren in der sozialen Selbstverwaltung tätig. Vielleicht habe ich so etwas wie ein Helfersyndrom? Jedenfalls finde ich es sehr beglückend, andere unterstützen zu können. Außerdem bin ich Selbstverwalter aus Überzeugung. Für mich ist das ein Teil der gelebten Demokratie.

Und Sie, Herr Wohlfeil?
Wohlfeil: Mir ist der gesellschaftliche Zusammenhalt wichtig. Und dafür steht die soziale Selbstverwaltung. Deshalb möchte ich vor allem auch Frauen und junge Menschen dafür begeistern, sich in der Selbstverwaltung zu engagieren.

Die nächste Sozialwahl findet 2023 statt. Warum ist es so wichtig zu wählen?
Herrmann: Wer Beiträge zahlt, kann auf diesem Wege mitbestimmen, wohin diese Gelder fließen. Und mit einer hohen Wahlbeteiligung haben auch die ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertreter eine stärkere Stimme – sie treten schließlich für die Belange der Versicherten und Arbeitgeber ein. 

Wohlfeil: Es geht um viel: In der Deutschen Rentenversicherung Bund bestimmen wir über einen Haushalt, der größer ist als der Umsatz der meisten DAX-Unternehmen. Nicht umsonst ist die Sozialwahl die drittgrößte Wahl in Deutschland nach der Bundestagswahl und der Wahl zum Europaparlament. Herrmann: Nicht zuletzt können junge Menschen bereits ab 16 Jahren an den Sozialwahlen teilnehmen und so die Zukunft der Deutschen Rentenversicherung mitgestalten