Helft der Jugend!

 

Die Schwachen werden schwächer. So wie in jeder Krise ist es auch diesmal. Besonders betroffen ist die junge Generation. Sie bewältigt genau jetzt den schwierigen Übergang zwischen Schule, Ausbildung, Studium und Beruf. Gelingt dies nicht, entstehen lebenslange soziale Narben. Die Studie „Junge Deutsche 2021“ des Jugendforschers Simon Schnetzer zeigt, dass mindestens ein Drittel mit sozialen und wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat, die sich durch die Pandemie verschärft haben. Die nun drohende Jugendarbeitslosigkeit trifft junge Leute mit schlechten oder fehlenden Schulabschlüssen mit voller Wucht. Diese Jahrhundertkrise trifft auf eine Generation, die ich bildhaft als „Generation Greta“ bezeichnet habe. Schließlich hat die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg mit „Fridays for Future“ sehr viele junge Menschen geprägt: So politisch waren junge Leute schon lange nicht mehr.

Klaus Hurrelmann ist seit 2002 Mitautor der
Shell-Jugendstudien. Der Bildungs- und Jugendforscher lehrt an der Hertie School in Berlin.

Lebenslange soziale Narben

Natürlich sprach diese Generation auch schon vor Corona nicht mit einer Stimme. Die Pandemie hat nun aber dafür gesorgt, dass die Altersgruppe in eine Generation Greta und eine Generation Corona zerfällt. Die weltoffenen, ökologisch orientierten Kinder bürgerlicher Elternhäuser hat die Pandemie geknebelt. Ihre symbolischen Siege, die teils zu besseren Umweltgesetzen führten, beruhten auf Schulstreiks. Dieses Instrument hat das Virus zurück in den Werkzeugkasten verbannt. Das hat Fridays for Future sehr schwer beeinträchtigt. Es gibt aber Anlass zur Hoffnung, dass es nicht ihr Todesstoß war und bald noch mehr junge Talente den Weg in die Parlamente finden. Dieser trotz allem hoffnungsvollen Gruppe steht eine große Schicht mit geringer Perspektive gegenüber. Wer einen niedrigen oder gar keinen Schulabschluss hat, dem ist nicht die Umwelt wichtig, sondern Ausbildung und Geldverdienen. Populisten finden bei dieser Generation Corona leichter einen Hebel.

Gemeinsam mit dem Jugendforscher Simon Schnetzer schlage ich deshalb ein Corona-Stipendium vor. Es richtet sich an Leute im Alter zwischen 16 und 26 Jahren, die den Sprung ins Berufsleben noch nicht geschafft haben. Die Förderung könnte 1.000 Euro pro Monat betragen und auf ein halbes Jahr begrenzt sein. Die Maßnahme hätte drei klare Ziele: den sozialen Zusammenhalt fördern, die Auswirkungen der Pandemie bewältigen und die Jugend zukunftsfähig machen. Ein solches Stipendium wäre ein starkes politisches Zeichen: Wir helfen der Jugend.