Die Zukunft der Reha

 

 

Virtueller Vorturner für daheim

Umfassen Sie die Hantel mit beiden Händen!“ Die Frau im grünen Muskel­shirt mit der Aufschrift „Trainerin“ spricht freundlich, aber bestimmt. So weit alles normal. Doch die junge Dame ist nicht echt, sondern eine Computerfigur. Dennoch zeigt sie im Wohnzimmer einer reiferen Dame, wie die Übungen funktionie­ren – auf dem Bildschirm einer Konsole. Das Tele­-Rehatraining ist ein Projekt der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig­-Hannover und soll Arbeitnehmern mit gesundheitlichen Problemen den Weg zurück in den Job ebnen. Ein ähnliches Projekt läuft aktuell bei der Deutschen Rentenversicherung Berlin­-Brandenburg. Mithilfe der Konsole können Rehabilitanden die in der Klinik erlernten Übungen zu Hause machen. Eine Kamera nimmt ihre Bewegungen auf und macht sie auf dem Bildschirm sichtbar. Jede Übung, jede Bewe­gung wird gezählt und bewertet. Die Daten gehen anonymisiert an das Reha­ Zentrum. Dort kann ein Physiotherapeut nachvollziehen, wie häufig und wie gut die Patienten ihre Übungen machen. Noch bis Ende 2018 läuft das von der Medizinischen Hochschule Hannover und der TU Braunschweig entwickelte Forschungs­projekt mit 84 Teilneh­mern. Dann wird entschie­den, ob der virtuelle Therapeut bald häufiger zum Einsatz kommen soll.

„Das Web hilft als Brückenschlag von der Klinik in den Alltag“

Dr. Werner Geigges ist Chefarzt an der Fachklinik für Psychosomatik, Psychotherapeutische und Innere Medizin Glottertal im Schwarzwald. Von 2014 bis 2017 leitete er die Studie „Viadukt“. Dabei wurden depressiv erkrankte Männer beim Übergang von der Reha-Klinik in den Alltag begleitet – über das Internet. Finanziert hat das Projekt die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg.

Dr. Geigges, wie funktioniert webbasierte Nachsorge?
Das Programm hat die Männer dabei unterstützt, sich im Alltag positiv zu verändern und mehr auf sich selbst zu achten. Nach einer Einführung in der Klinik konnten die Teilnehmer zu Hause am PC weitermachen. Dabei gab es Videos und Audiodateien mit Achtsamkeitsübungen; außerdem Elemente wie „Selbstfürsorge und Selbstwert“, in dem Nutzer ihre wichtigsten Stärken notieren.

Braucht es für die psychotherapeutische Nachsorge keinen persönlichen Kontakt?
Der ist jederzeit möglich: Neben persönlichem Feedback ist eine professionelle persönliche Unterstützung sichergestellt, falls es zu einer Krise kommt.

Wie sind die Ergebnisse?
Nach Auswertung der Studie lässt sich sagen: Eine webbasierte Nachsorge für depressive Männer ist machbar. Die Idee des Brückenschlags von der Klinik in den Alltag war für viele sehr ansprechend. Ganz wichtig waren dabei der Kontakt und die therapeutische Unterstützung durch Personen, die die Teilnehmer in der Klinik kennengelernt hatten.

Wer schreibt, der bleibt … gesund

Nach der Reha ist vor dem Wiedereinstieg: Zurück im Job warten oft neue Belastungen. Das internetbasierte Nachsorgeprogramm „GSA Online Plus“ unterstützt Rehabilitanden, den Reha-Erfolg in den Berufsalltag zu übernehmen. Das Programm, das als Studie unter Federführung der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz läuft über die Dauer von zwölf Wochen. Dreh- und Angelpunkt ist das Verfassen von Internet-Tagebucheinträgen durch die Teilnehmer. Onlinetherapeuten geben zügig Rückmeldung dazu. „Online-Nachsorge mit wöchentlichen Schreibaufgaben ist eine sinnvolle Alternative zu klassischen Nachsorgemaßnahmen“, sagt Daniela Sewöster, Leiterin des Referats Weiterentwicklung der Rehabilitation bei der Deutschen Rentenversicherung Bund: „Es ist einfach und lässt sich gut in den Berufsalltag integrieren.“

Die Broschüre „Mit Rehabilitation wieder fit für den Job“ als PDF unter:
https://kurzlink.de/LKMaioMsD