Führt nun ein Leben, das sie jahrzehntelang
nicht haben durfte: Gabi Strecker.
Führt nun ein Leben, das sie jahrzehntelang nicht haben durfte: Gabi Strecker.



Mutiger Schritt


Jeder kennt es: Hin und wieder fühlen sich Dinge falsch an. Manchmal ist es nur eine kurze Situation, in der man sich unwohl fühlt – manchmal die Arbeit oder die Wohnung. Doch was ist, wenn einem der eigene Körper falsch vorkommt und man das Gefühl hat, darin gefangen zu sein?

Trans* ist ein Oberbegriff für Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Genaue Zahlen, wie viele Trans* in Deutschland leben, gibt es nicht. Schätzungen gehen von bis zu 100.000 Menschen aus. Eine von ihnen ist Gabi Strecker. Sie arbeitet als Verwaltungsleiterin in einem Regionalzentrum der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Baden-Württemberg.
 

Erste Sehnsüchte

1956 wurde Gabi Strecker als Günter geboren. Schon ihre Kindheit verlief anders als bei typischen Jungs. Sie war ein ruhiges Kind und hatte fast keine Freunde – die Mädchen wollten nicht mit ihr spielen, weil sie ein Junge war. Und für die Jungs war sie ein Weichei. Als ihre Pubertät begann, hatte sie erste Sehnsüchte, so zu sein wie ihre Mitschülerinnen. Wenn sie allein zu Hause war, ging sie an den Kleiderschrank ihrer Mutter und suchte sich ein Kleid aus. „Als ich es anzog, spürte ich ein Wohlgefühl“, erinnert sich Gabi Strecker. Natürlich durfte die Mutter das nicht erfahren, sie hätte es weder verstanden noch akzeptiert.

So war Streckers Sehnsucht lange verbunden mit unbeantworteten Fragen, Scham und Schuldgefühlen. Im Laufe der Jahre hatte Günter Strecker zwei Ehen mit zwei eigenen Kindern. „Am Anfang war ich in beiden Beziehungen glücklich, aber im Laufe der Zeit kam irgendwann der Wunsch auf, mich als Frau zu kleiden“, erzählt Gabi Strecker. Nach der zweiten Scheidung ließ ihr dieses Phänomen keine Ruhe. Sie schaute in Internetforen nach und entdeckte den Grund: „Ich war eine Frau im Körper eines Mannes.“

Diese Antwort habe sie natürlich nicht sofort gefunden, sondern indem sie sich länger intensiv beobachtete und auf ihr Bauchgefühl hörte. So begann sie, tagsüber als Mann und abends als Frau zu leben. „Wenn ich nach der Arbeit nach Hause kam und mich als Frau angezogen hatte, fühlte ich eine innere Ruhe und Zufriedenheit. Oft ging ich freitags nach der Arbeit als Günter einkaufen, damit ich dann Samstag und Sonntag in meiner Wohnung als Frau leben konnte.“ Dieses Doppelleben führte sie sechs Jahre lang: „Ich hatte wahnsinnige Angst, mich zu outen.“
 

Als Frau ins Büro

Anfang 2019 war ihr klar, dass sie Hilfe brauchte. Sie fand eine Selbsthilfegruppe für transsexuelle Menschen. Der erste Schritt war getan. Es folgte das Coming-out im Bekanntenkreis und es war verblüffend: „Jeder, dem ich mich geöffnet hatte, fand es toll und mutig. Meine Freunde unterstützten mich, indem sie mein Frausein akzeptierten und auch meinen Namen Gabi.“ Doch dann war da noch die Arbeit bei der Deutschen Rentenversicherung als Beamter, Verwaltungsleiter und Vorgesetzter. Wie sollte das gehen? Sollte sie lieber noch warten bis zur Pensionierung? Gabi Strecker entschied sich für den Schritt nach vorne, sprach mit ihrer Chefin – und fand volle Akzeptanz. Das Versteckspiel sollte ein Ende haben. Gemeinsam überlegten sie sich, wie sie Streckers Transsein in der Dienststelle bekannt machen könnten. Mit den Führungskräften und den Mitarbeiterinnen, die ihr direkt unterstellt waren, führte Gabi Strecker persönliche Gespräche. Die übrigen Kolleginnen und Kollegen erfuhren in einer persönlichen E-Mail über die neue Situation. „Am folgenden Tag kam ich als Gabi ins Büro. Die Reaktionen waren überwältigend: tolle Worte, Anerkennung, Blumen. Für mich war das eine riesige Erleichterung. Ich musste nicht mehr als Günter verkleidet zur Arbeit kommen, sondern ich konnte endlich als Frau leben. Ein unvergleichbar schönes Gefühl.“
 

Akzeptanz steigt erst allmählich

Transsein werde in der Gesellschaft immer mehr akzeptiert, sagt Gabi Strecker, aber es gebe auch Menschen, die das Transsein nicht verstehen können oder wollen. Im Alltag, zum Beispiel beim Einkaufen oder beim Spazierengehen, komme es schon hin und wieder vor, dass sie unangenehm angesprochen wird. Das sei allerdings die Ausnahme und nicht die Regel. Und bei der Arbeit habe sie bislang nur positive Reaktionen erfahren. Ganz besonders gefreut habe sie sich über das sehr nette Feedback der Geschäftsführung, das ihr gezeigt habe, dass bei der DRV Baden-Württemberg das Thema Diversity über alle Hierarchieebenen hinweg ernst genommen wird.

Kurz nach dem Coming-out im Büro folgte der Antrag auf Namens- und Personenstandsänderung beim Amtsgericht, wenig später war Gabi Strecker rechtskräftig eine Frau. „Ich fühle mich total erleichtert und führe nun ein Leben, das ich jahrzehntelang nicht haben durfte. Heute bin ich glücklich und sehr dankbar – auch für die unglaubliche Unterstützung der Vorgesetzten sowie der Kolleginnen und Kollegen der DRV BadenWürttemberg.“


Informationen zu Ausbildung und Arbeit bei der DRV Baden-Württemberg finden Sie unter: www.drv-bw.de/karriere

 

VIELFALT IST NICHT NUR EIN WORT

Die DRV Baden-Württemberg ist ein Abbild der Gesellschaft: bunt, vielfältig, auch mal anders

Wie das Land, so die Rentenversicherung: Im „Ländle“ lebt und arbeitet eine bunte Vielfalt von Menschen. Transsexuelle wie Gabi Strecker, deren Geschichte auf diesen hier+jetzt-Seiten erzählt wird, viele Heterosexuelle, Schwule, Lesben, Farbige und Weiße, Deutsche und Ausländer, Frauen, Männer, Diverse, Große und Kleine, Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, Menschen mit und ohne Behinderungen. Alle haben Platz in unserer Gesellschaft. Ihren Platz.

Ein Unternehmen wie die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Baden-Württemberg ist ein Abbild dieser Gesellschaft. Rund 4.200 Beschäftigte hat der Rentenversicherungsträger im Land. 192 davon, rund 4,6 Prozent, sind ausländische Staatsangehörige. Die Schwerbehindertenquote liegt bei rund acht Prozent. Vielfalt als Standard – das ist das Leitbild des großen Rentenversicherungsträgers im Südwesten.

Bereits 2013 hat die DRV Baden-Württemberg die Charta der Vielfalt unterschrieben und sich damit dem Motto „Diversity als Chance“ verpflichtet. Vielfalt bedeutet Chancen für innovative und kreative Lösungen. Und die sind für einen großen Dienstleister genauso wichtig wie in einem Wirtschaftsunternehmen. Erklärtes Ziel der DRV BadenWürttemberg ist ein Arbeitsumfeld, in dem alle Platz haben – frei von Vorurteilen. Unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität: Die gegenseitige Wertschätzung und der Respekt voreinander ist das Ziel der Charta der Vielfalt.

Die Rentenversicherung be - kennt sich dazu – ohne Wenn und Aber. Akzeptanz und gegenseitiges Vertrauen sind die Basis für alles. Ein entsprechendes Betriebsklima hat positive Auswirkungen, auch und gerade wenn es darum geht, Nachwuchskräfte und neue Mitarbeitende zu gewinnen.

Auch für die Kundinnen und Kunden ist es gut zu wissen, dass bei der DRV Baden-Württemberg Vielfalt gelebt wird – schließlich sind auch diejenigen, die bei der Rentenversicherung Rat und Beratung suchen, ganz unterschiedlich. So unterschiedlich wie die Menschen im „Ländle“ eben sind. Bunt. Vielfältig. Auch mal anders.