Idealer Dreiklang

 

Herr Dr. Herzog, was sind die ersten Anzeichen der Schuppenflechte?
Herzog: Die Schuppenflechte ist eine Er­krankung, die schubweise auftritt. Bei einem Schub entwickeln sich punktförmige bis etwa handtellergroße, stark gerötete Hautpartien mit deutlicher Schuppen­bildung. Sie können überall am Körper auftreten.

Und dann sollte die Therapie möglichst schnell nach der Diagnose beginnen?
Herzog:
Je schneller man mit der Therapie anfängt, desto schneller ist die Schuppen­flechte wieder weg. Das ist sehr wichtig für die Patienten, weil die Schuppenflechte auch psychisch belastet. Außerdem werden die betroffenen Hautstellen ohne Therapie rasch größer. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Wenn die Schuppenflechte nur auf der Haut auftritt, heilt die Haut ohne Defekt wieder ab und ist wieder völ­lig normal.

Dr. Wulf-Rüdiger Herzog, leitender Oberarzt Dermatologie, Frankenland-Klinik in Bad Windsheim.

Die Psoriasis kann aber auch die Gelenke betreffen – wie äußert sich diese Verlaufs-form, Herr Dr. Tischendorf?
Tischendorf:
In erster Linie dadurch, dass Schmerzen und Gelenkschwellungen auf­treten. Häufig fängt es mit ein oder zwei großen Gelenken an – insbesondere den Kniegelenken. Dann folgen oft Finger­, Zehen­ und manchmal auch die Sprung­gelenke. Es gibt aber auch Verlaufsformen, die bei kleinen Gelenken beginnen. Dann ist mitunter die Abgrenzung zu anderen Krankheiten oder Verschleißerscheinungen schwierig.
Treten zusätzlich zu einer Schuppenflechte Gelenkschmerzen auf, muss es also nicht gleich bedeuten, dass eine Psoriasis­-Arthritis vorliegt. Maßgeblich für eine si­chere Diagnose sind neben dem Labor bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Kernspintomografie. Wir bieten solche Ver­fahren in Kooperation mit einer anderen Klinik an.

Lässt sich die Krankheit aufhalten?
Herzog:
Alle Therapieformen, die wir an­bieten, wirken im Wesentlichen entzün­dungshemmend: Die Entzündung in der Haut geht zurück und der Herd heilt ab. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Es ist eine Autoimmunerkrankung und die dafür verantwortlichen T-­Zellen bilden sich immer wieder neu. Irgendwann entsteht ein neuer Schub und der Patient wird wie­der behandlungsbedürftig.
Tischendorf: Wenn zusätzlich eine Pso­riasis­-Arthritis vorliegt, hat jeder entzünd­liche Schub das Potenzial, eine kleine Gelenkzerstörung zu hinterlassen. Die re­pariert sich im Gegensatz zur Haut leider nicht von selbst.

Dr. med. Rainer Tischendorf, Orthopäde und Chefarzt der Frankenland-Klinik in Bad Windsheim.

Ab welchem Zeitpunkt halten Sie eine Reha für die betroffenen Patienten für sinnvoll?
Herzog:
Grundsätzlich gewährt die Deut­sche Rentenversicherung eine Reha, wenn die Erwerbsfähigkeit des Patienten erheb­lich gefährdet ist. Das ist der Fall, wenn der Patient längere Zeit krankgeschrieben wird oder wenn er im Alltag nicht mehr zurechtkommt.

Sie legen in der Frankenland-Klinik viel Wert darauf, dass betroffene Patienten in der Dermatologie und in der Orthopädie behandelt werden. Warum?
Herzog:
Weil wir es mit verschiedenen Or­ganen zu tun haben: Wir haben einmal das Organ Haut, das flächengrößte im Körper. Andererseits den Bewegungsapparat. Manchmal brauchen Patienten noch mehr Unterstützung: Etwa, wenn wir zusammen mit ihnen in eine immunsuppressive The­rapie einsteigen. Mit Medikamenten wird versucht, unerwünschte Reaktionen des Immunsystems zu unterdrücken. Diese Me­dikamente können Einfluss auf Niere und Leber nehmen. Dann ist es sinnvoll, einen Internisten an Bord zu haben. Daher ist dieser Dreiklang aus Dermatologie, Innere und Orthopädie, wie wir ihnen hier an­bieten können, für Patienten mit Psoriasis­ Arthritis ideal.

Kommen wir zur Reha: Fester Bestandteil der Therapiepläne ist Physiotherapie.
Tischendorf:
Richtig. Es geht darum, dem Patienten so viel Gelenkbeweglichkeit zu erhalten oder zurückzugeben wie möglich. Die vom Entzündungsprozess betroffenen Gelenkkapseln neigen dazu zu schrumpfen. Dadurch nimmt die Mobilität des Gelenkes ab. Zusätzlich geht es darum, gelenkum­greifende Muskulatur aufzubauen, um das Gelenk besser zu führen. Wir wollen ver­meiden, dass der durch die Entzündung hervorgerufene Prozess die Gelenkflächen zusätzlich noch durch Fehl­- oder Spitzen­belastungen mechanisch vorantreibt.

Was bietet die Reha außerdem?
Herzog:
Wir können unseren Patienten ei­ne Besonderheit bieten: das fränkische Tote Meer. Von der benachbarten Therme werden wir mit Natursole mit einem Salzgehalt von 26,9 Prozent versorgt. Unsere Patienten können baden wie im Toten Meer. Solebäder wirken abschup­pend und antientzündlich.

Reichen denn bei Psoriasis und Psoriasis-Arthritis drei bis vier Wochen Reha aus?
Herzog:
Diese Krankheiten begleiten ei­nen Patienten unter Umständen ein Le­ben lang. Der Patient wird immer wieder behandlungsbedürftig werden. Was wir während einer Reha leisten, ist Hilfe zur Selbsthilfe: Patienten lernen mit dem Krankheitsbild optimal umzugehen. Da reichen die drei bis vier Wochen. Außer­dem können Patienten nach vier Jahren einen neuen Reha­-Antrag stellen.

An wen müssen sich Patienten für den Antrag wenden?
Tischendorf:
In der Regel läuft der An­trag über den Hausarzt oder Derma­tologen. Wenn die Schuppenflechte zu Problemen am Arbeitsplatz führt, kann auch der Betriebsarzt der richtige An­sprechpartner sein. Die Ärzte schreiben ein kleines Gutachten, mit dem sie die Notwendigkeit begründen. Den Antrag selbst muss der Versicherte stellen.

 

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