Susanne Niewalda ist hauptberuflich und ehrenamtlich tätig. Ihre Tochter und ihr Sohn
sind erwachsen.
Susanne Niewalda ist hauptberuflich und ehrenamtlich tätig. Ihre Tochter und ihr Sohn sind erwachsen.



Familie, Karriere und Ehrenamt

 

Eine Quotenfrau wollte Susanne Niewalda nie sein. „Ich bin ein willensstarker Mensch“, sagt die 52-Jährige von sich. Nach dem Jurastudium betreute sie fast zehn Jahre lang ihre zwei Kinder. Erst dann ging die gebürtige Nürnbergerin ganz bewusst ihre berufliche Karriere an. Seitdem weiß sie, wie wichtig die heute breit thematisierte Chancengleichheit für Frauen ist. „Der berufliche Einstieg – ganztags – beim damaligen Eisenbahnbundesamt (später: Bundesnetzagentur) in Bonn war ein enormer Kraftakt, vor allem auch für meine Familie“, erinnert sich die Juristin und Rechtsanwältin. Der familiäre Ortswechsel nach München führte sie zu ihrem heutigen Arbeitgeber, dem Bayerischen Bauindustrieverband in München. Dort arbeitet Frau Niewalda heute hauptberuflich. Sie ist Geschäftsführerin im Bereich Arbeitsrecht, Tarif- und Sozialpolitik und Berufsbildung. Zu ihren Kernfeldern gehören die Beratung der Mitgliedsfirmen und die Prozessführung in diesen Rechtsgebieten. Als zertifizierte Mediatorin bzw. Streitschlichterin unterstützt sie auf Wunsch die Parteien, Konflikte außergerichtlich, beispielsweise in arbeitsrechtlichen Fällen, zu lösen. Fachlich begleitet sie regelmäßig die Tarifrunden, die zumeist auf Bundesebene stattfinden. Auch ehrenamtlich sorgt die Juristin für eine höhere Frauenpräsenz: als ehrenamtliche Richterin am Arbeits- und Sozialgericht in München und seit 2017 als alternierende Vorsitzende der Vertretersammlung der Deutschen Rentenversicherung Schwaben. Dort ist sie die erste Frau im Vorsitz der Selbstverwaltung überhaupt. Sie vertritt die Arbeitgeberseite. Im Oktober wird sie von dem derzeit amtierenden Peter Ziegler von der Versichertenseite wieder den Vorsitz übernehmen. Die Vertreterversammlung erlässt als oberstes Organ der Selbstverwaltung die Satzung für den Rentenversicherungsträger und stellt den jährlichen Haushaltsplan fest. Wichtig ist für Susanne Niewalda auch, an den Vorstandssitzungen teilzunehmen, um Einblick in die Verwaltungsangelegenheiten des Hauses, wie Baumaßnahmen oder Personalentscheidungen, zu bekommen.

Immer mehr weibliche Bauingenieure

„Von einem so hohen Frauenanteil wie bei der Deutschen Rentenversicherung Schwaben sind wir in der Bauindustrie zwar noch entfernt“, stellt sie fest. In den gewerblichen Bauberufen sind Frauen mit nur einem Prozent kaum vertreten. In der Verwaltung der Bauindustrie und als Angestellte machen sie allerdings 64 Prozent aus. Der Frauenanteil im Studium des Bauingenieurwesens beträgt mittlerweile schon 30 Prozent. Frau Niewalda erfährt dies auch bei ihrer Unterrichtstätigkeit in den Bildungszentren der Bayerischen Bauindustrie Stockdorf bei München und Nürnberg-Wetzendorf, wo sie zu arbeitsrechtlichen Themen angehende Führungskräfte auf der Baustelle unterrichtet. „Da sind schon überwiegend Männer“, erzählt sie von ihrer Lehrtätigkeit. Im Angestelltenbereich kann sie zu ihrer Freude feststellen, dass es vermehrt weibliche Bauingenieure und Bauleiterinnen gibt. Die Bayerischen Bauverbände und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt siedeln die Ausbildung hoch an. „Wir bieten eine sehr durchlässige Aufstiegsfortbildung und durch die Digitalisierung und den Maschineneinsatz wirklich Potenzial für Frauen. Auf der Baustelle gelten sie oft als eine echte Bereicherung im Team“, wirbt Susanne Niewalda für Frauen in der Baubranche.

 

*Die beiden Vorsitzenden der Vertreterversammlung wechseln sich ein Mal im Jahr beim Vorsitz ab. Daher die Bezeichnung alternierende Vorsitzende.