»Bei Bedarf fahre ich auch samstags bei den Leuten vorbei.« - Bernd Korbmann (43), berät
Versicherte in Altertheim
»Bei Bedarf fahre ich auch samstags bei den Leuten vorbei.« - Bernd Korbmann (43), berät Versicherte in Altertheim



Die Unverzichtbaren

Wie sieht Ihr Alltag als Versichertenberater aus?

Bernd Korbmann: Die Arbeit als Versichertenberater erledige ich in der Regel auf dem Weg von der Arbeit nach Hause. Ich fahre direkt bei den Ratsuchenden vorbei. Alles, was ich dafür benötige, habe ich bei mir auf meinem Laptop. eAntrag online, heißt das. Eine super Sache. Dort finde ich alle notwendigen Formulare, muss kein Papier mitschleppen und in der Regel auch keine Post weiterleiten. Ich nehme den Antrag auf, übersende ihn und bin fertig mit der Arbeit. Mittlerweile können wir sogar Unterlagen einscannen und mitsenden. Müsste ich noch die ganzen Formulare mitnehmen oder vor Ort ausdrucken, hätte ich die Tätigkeit bereits aufgegeben, aber so ist man sehr flexibel. Bei Bedarf packe ich „mein Büro“ auch samstags ein und fahre bei den Leuten vorbei.
Emmi Richter: Ich finde es toll, dass ich auch im Ehrenamt Anträge online aufnehmen und senden kann. Bei technischen Fragen hilft mir auch weiterhin die Verbindungsstelle oder der Helpdesk der DRV Nordbayern. Durch die regelmäßigen Besprechungen in der Auskunfts- und Beratungsstelle und die fachlichen Tagungen im Herbst eines jeden Jahres werde ich rechtlich immer auf dem Laufenden gehalten. Die Betreuung ist top, vor allem auch im EDV-Bereich. Anträge wieder mit der Hand auszufüllen, käme für mich nicht infrage.
Harry Sachtler: Für die Beratungen habe ich mir in meiner Wohnung einen Raum eingerichtet. Für mich ist das keine Arbeit und auch nicht mit Stress verbunden. Ich kann meine Zeit selber einteilen. In der Regel vergebe ich von Montag bis Freitag täglich drei Termine. Ich bin dankbar, dass meine Frau mir dafür den Rücken frei hält. Das Wochenende gehört der Familie. Es macht mir Spaß, den Menschen zu helfen. Ich war einer der 15 Tester im Pilotprojekt zur Einführung von eAntrag online für die ehrenamtlichen Versichertenberater der DRV Nordbayern. Das Programm ist das Beste, was es gibt. Man kann super damit arbeiten. Das Ausfüllen geht viel schneller als mit Papier. Die Leute erwarten das heutzutage auch, das ist im 21. Jahrhundert normal.
 

Emmi Richter (66), Versichertenberaterin
in Kulmbach (o.) und Harry Sachtler (71),
Versicherungsberater in Bad Kissingen. Sie sind froh, wenn sie helfen können: die
Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern.

Wie sind Sie zu Ihrem Ehrenamt gekommen?

Bernd Korbmann: Ich war ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht Ansbach. Als mich meine Gewerkschaft fragte, ob ich bereit wäre, als Versichertenberater tätig zu werden, habe ich nicht lange überlegt: Ein Ehrenamt, das mit Wissen und Information zusammenhängt, ist spannend. Aber auch nicht immer einfach. Neben meiner Vollzeitstelle bei der Stadt Würzburg bin ich Mitglied im Gemeinderat meines Heimatortes und SPD-Ortsvorsitzender. Da muss man schon aufpassen, dass die Familie nicht zu kurz kommt.
Emmi Richter: Seit 1974 war ich bei der Deutschen Rentenversicherung tätig, zuletzt als Leiterin der Auskunfts- und Beratungsstelle Bayreuth. Im Frühjahr 2019 ging ich in den Ruhestand – nach knapp 45 Arbeitsjahren. Ich wollte mein vorhandenes Wissen weiter nutzen und den Bewohnern im ländlichen Raum helfen.
Harry Sachtler: Bis 2008 war ich bei ZF Sachs in Schweinfurt beschäftigt. Dort war ich 25 Jahre lang der Vertrauensmann in der Gesamtschwerbehindertenvertretung. Und ich war in verschiedenen Ehrenämtern für die Gewerkschaft tätig. Mit sozialem Engagement Menschen zu unterstützen, ist mir wichtig. Als ich in Rente ging, hat mich der Leiter der Auskunftsund Beratungsstelle Würzburg, Thomas Brendler, gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, als Versichertenberater tätig zu sein. Daraufhin habe ich mich umgehend beim DGB dafür beworben.
 

Was reizt Sie an der Tätigkeit?

Bernd Korbmann: Das Spannende an dieser Tätigkeit sind die unterschiedlichen Menschen und Lebensumstände. Doch jeder hat sein Päckchen zu tragen. Anträge auf Hinterbliebenenrente sind teilweise eine seelische Belastung. Aber ich bin froh, wenn ich helfen kann. Die Menschen sind dankbar für ein bekanntes Gesicht aus der Nachbarschaft und verlieren dadurch auch die Angst vor Behörden. Bei schwierigen Sachverhalten verweise ich die Versicherten allerdings an eine Auskunfts- und Beratungsstelle.
Emmi Richter: Ich war unheimlich gern Beraterin, das war mein Leben. Mit diesem Ehrenamt kann ich weiterhin den Menschen helfen.
Harry Sachtler: Ich habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Ich helfe bei der Beantragung von Leistungen und berate im Rahmen meiner Möglichkeiten. Auch im Schwerbehindertenrecht kenne ich mich aus. Vor allem die Dankbarkeit der Ratsuchenden bestätigt mich immer wieder.
 

Info: Versichertenberater ...

...sind die ehrenamtlichen Helfer in der Nachbarschaft vor Ort. Sie stehen den Versicherten für Fragen rund um die Rente zur Verfügung und helfen bei der Erstellung des Rentenantrags. Derzeit üben 107 Frauen und Männer dieses Ehrenamt für die Deutsche Rentenversicherung (DRV) Nordbayern aus.

Mehr Infos zu den Versichertenberatern unter: www.deutscherentenversicherung.de