Ehrenamtliche Helfer vor Ort: Versichertenberater.
Ehrenamtliche Helfer vor Ort: Versichertenberater.



In Rentenfragen für die Menschen da


Stellen Sie sich vor: Sie brauchen Rat in Rentenfragen. Dabei unterstützt Sie ein netter Herr oder eine nette Dame aus dem Nachbarort. Der Nachbar oder die Nachbarin nimmt sich Zeit für Ihre Fragen, geht mit Ihnen zusammen den Antrag durch und berät Sie, wie Sie die beste Absicherung für sich erreichen können. Danach schickt er oder sie alle Unterlagen elektronisch an die Rentenversicherung. Sie müssen sich um nichts weiter kümmern. Nein, das ist kein Traum, sondern die Realität der Versichertenberater in Deutschland, die im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung Versicherten unter die Arme greifen und sie zu allen Fragen der Rente und Rehabilitation umfassend und kompetent beraten – in der Nähe ihres Wohnortes oder sogar bei ihnen zu Hause. Anträge nehmen viele der Versichertenberater online auf und senden sie digital an die Rentenversicherung.
 

Privatleute beraten Versicherte

Im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd arbeiten derzeit 87 Versichertenberater, die rund 23.000 Beratungen pro Jahr durchführen; Tendenz steigend. Sie stehen in engem Kontakt mit den Auskunfts- und Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd und werden dort regelmäßig geschult. Die Versichertenberater sind Privatleute, häufig mit einem beruflichen Hintergrund im Sozialrecht oder in der Beratung. „Wer sich mit Rententhemen befasst, hat viele Fragen und möchte die bestmögliche Absicherung für sich erreichen. Dem möchten wir als Rentenversicherung mit einer umfassenden und kompetenten Beratung vor Ort gerecht werden“, erklärt Günter Zellner, alternierender Vorsitzender der Vertreterversammlung und zugleich Geschäftsführer des DGB Bayern für die Region Oberbayern. „Unsere Versichertenberater erfüllen diesen Anspruch mit Leben - und das für die Versicherten kostenfrei. Sie nehmen sich Zeit für die Versicherten, haben ein offenes Ohr und unterstützen tatkräftig auf dem Weg in eine abgesicherte Zukunft. Sie engagieren sich ehrenamtlich und verkörpern den solidarischen Gedanken der Rentenversicherung auf besondere Weise.“
 

Engagiert & tatkräftig

Das Ehrenamt des Versichertenberaters lebt vom Engagement Einzelner für die Gemeinschaft.

 

Christine Mösbauer

»Ich sehe mich auch als Seelsorger.«

Christine Mösbauer, Regensburg
Für die hauptberufliche Diözesansekretärin der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung im Diözesanverband Regensburg ist Versichertenberatung weit mehr, als Anträge aufzunehmen: „Ich sehe mich auch als Seelsorger“, sagt die 58-Jährige. So etwa, wenn sie Anträge auf Hinterbliebenenrente bearbeitet: „Die Frauen möchten erzählen. Ich nehme mir Zeit, nicht nur eine Stunde.“ Dabei gehe es um die Rentenhöhe, jedoch auch um Fragen der Existenzsicherung mittels anderer Sozialleistungen, verrät Mösbauer. „Die Menschen sind unheimlich dankbar.“ Rund 50 Beratungen führt sie im Monat zusätzlich zu ihrer Teilzeitstelle durch, nach der Arbeit oder auch samstags. Der OnlineAntrag gehört für Mösbauer zum Repertoire. Sie liest den Versicherten Frage für Frage aus dem Antrag vor, erläutert, wo es Verständnisfragen gibt, und schickt den elektronischen Antrag danach an die Sachbearbeitung. Das gehe viel schneller als mit dem Papierantrag. Seit acht Jahren arbeitet sie als Versichertenberaterin und ist sogar Mitglied im Vorstand der Selbstverwaltung der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd. Versichertenberater zu sein, sei für sie „eine Lebensaufgabe. Ich will unbedingt weitermachen.“

Hellmut Heinz

Hellmut Heinz, Grassau
Schon während seiner Zeit als Schwerbehindertenvertreter der Kliniken SOB AG hatte sich Hellmut Heinz auf Erwerbsminderungsrenten spezialisiert. Eine rechtlich anspruchsvolles Fachgebiet und zugleich ein Segen für die Betroffenen, sagt Heinz, der selbst nach einem Gleitschirmunfall erwerbsgemindert war. „Ich weiß, wie was formuliert werden muss, um einigermaßen erfolgreich zu sein“, sagt der 67-jährige Rentner, der seit fünf Jahren als Versichertenberater arbeitet. Beratung ist seine Leidenschaft, manchmal zum Leidwesen seiner Frau, die angesichts von bis zu 500 Beratungen pro Quartal in Spitzenzeiten gelegentlich zurückstecken muss. „Das ist fast ein Fulltime-Job“, sagt Heinz, der in Grassau am Chiemsee wohnt und berät. Ihn motiviert die positive Rückmeldung der Versicherten in Briefen oder Postkarten: „Die Menschen sind heilfroh, dass wir ihnen helfen. Sie haben oft sehr wenig Vorwissen und sind dankbar für die Unterstützung.“ Das Besondere der Versichertenberater sei, dass sie „direkt an den Menschen dran sind. Und dass wir die Versicherten während des gesamten Prozesses von der Antragstellung bis zum Bescheid begleiten.“
 

Günter Belz

Günter Belz, München
Die Beratung liegt ihm im Blut. 45 Jahre arbeitete Günter Belz für die Deutsche Rentenversicherung, zuletzt leitete er die Auskunftsund Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd am Münchner Viktualienmarkt mit zum Schluss 110 Mitarbeitern. Er war unter anderem 27 Jahre lang nebenamtlicher Dozent an der Bayerischen Verwaltungsschule und hat selbst zwei Jahrzehnte auch Versichertenberater geschult. Da lag es nahe, dass er seine Kompetenz auch nach seiner Pensionierung Ende des Jahres 2015 seinem Arbeitgeber zur Verfügung stellt. „Die Rentenversicherung ist ein tolles Fachgebiet. Versichertenberater zu sein, ist meine Art, mit der Rentenversicherung in Verbindung zu bleiben und den Menschen zu helfen“, sagt der 69-Jährige. Belz’ Motto: Für den Kunden da sein und das Optimale für ihn herausholen. Rund 100 Beratungen führt Belz im Monat durch. Er betreut das Stadtgebiet München, ist jedoch so bekannt, dass auch viele Menschen aus dem Umland seine Dienste nachfragen. Sein Telefon klingelt auch sonntags. „Da muss man auch schon mal auf einen Rückruf verweisen“, sagt der Familienmensch Belz, der in seiner Freizeit gerne wandert. In normalen Zeiten empfängt Belz seine Versicherten in einem Büro bei der Katholischen Arbeitnehmerbewegung in der Münchner Innenstadt. Seit Mitte März berät er wegen der Corona-Pandemie ausschließlich telefonisch. „Anfangs gab es extrem viele Beratungen und Antragsaufnahmen. Mittlerweile ist es etwas rückläufig.“ Er vermisst zwar den persönlichen Kontakt mit den Versicherten, sieht in einer vermehrten telefonischen Beratung jedoch auch eine Chance für die Zukunft.