Viele Menschen arbeiten im Laufe ihres Berufslebens in verschiedenen Ländern und zahlen in unterschiedliche Rentenkassen ein.
Viele Menschen arbeiten im Laufe ihres Berufslebens in verschiedenen Ländern und zahlen in unterschiedliche Rentenkassen ein.



Grenzenlose Rente


Mit Ende 30 hat es Maria L. gepackt – in Deutschland wollte sie ein neues Leben beginnen. Nach familiären Problemen in Italien ist Kempten nun seit über zehn Jahren ihre Heimat. Anton W. dagegen wollte genau das Gegenteil – raus aus dem kalten Deutschland. In Sizilien warteten auf ihn Anfang der 1990er-Jahre Sonne, Meer und ein Job in einem großen Unternehmen. Zwei verschiedene Lebensgeschichten, die eines gemeinsam haben: Beide Personen verlassen ihr Heimatland, arbeiten in anderen Staaten und zahlen dort Steuern und Beiträge in die Sozialversicherung ein. Spätestens wenn das Rentenalter in greifbare Nähe rückt, stellt sich die Frage: „Wie wirkt sich dieser Ländermix auf die Rente aus?“

Menschen mit länderübergreifenden Erwerbsbiografien profitieren von europäischen Verträgen und bilateralen Sozialversicherungsabkommen, welche die Bundesrepublik Deutschland mit allen europäischen Ländern und zahlreichen weiteren Staaten außerhalb der EU geschlossen hat. Damit werden Nachteile, die durch die Arbeit in Ländern mit unterschiedlichen Sozialversicherungssystemen entstehen können, auf ein Minimum reduziert. Sind in einem Versichertenkonto nicht nur Beschäftigungszeiten in Deutschland, sondern auch, wie in den Beispielen, in Italien gespeichert, wird das Versicherungskonto bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Schwaben der Sachbearbeitung Ausland zugewiesen: Hier sitzen die Experten für länderspezifische Besonderheiten. Als Ansprechpartner, Bearbeiter und Lotsen sorgen sie dafür, dass einmal erworbene Ansprüche nicht verloren gehen und ein gestellter Rentenantrag auch an weitere beteiligte ausländische Versicherungsträger weitergeleitet wird. 63 Prozent der Renten im Bestand der DRV Schwaben entfallen auf den Auslandsbereich, in dem Italien den Löwenanteil ausmacht. Damit gehört die Behörde zu den größten Verbindungsstellen der Deutschen Rentenversicherung.

Die Versicherungsdaten werden über das EU-Projekt „Electronic Exchange of Social Security Information (EESSI)“ zwischen der Deutschen Rentenversicherung und den anderen europäischen Rentenversicherungsträgern ausgetauscht. Dieses digitale, papierlose Verfahren sorgt für schnelle Bearbeitungszeiten und reduziert Übertragungsfehler, da die gleichen Standardvorlagen in die jeweilige Landessprache übersetzt sind. Sind alle Bearbeitungsschritte abgeschlossen, zahlt bei Erfüllung der rechtlichen Anspruchsvoraussetzungen jedes Land seine Leistung aus den dort zurückgelegten Zeiten.
 

Italien durch und durch

Bei so vielen Berührungspunkten mit Italien ist es nicht verwunderlich, dass bei der DRV Schwaben viele Menschen arbeiten, die entweder selbst italienische Wurzeln oder eine Affinität zu Italien haben. „Sprachbarrieren gibt es bei uns nicht“, betont Daniela Kaufer, Leiterin der Abteilung Versicherung und Rente, „egal ob am Telefon, per E-Mail oder im persönlichen Gespräch. Wenn es hilft, erklären wir die oft schwierigen Sachverhalte auch in der Muttersprache. Sobald es die Corona-Pandemie wieder zulässt, können uns die Versicherten auch wieder wie gewohnt regelmäßig vor Ort in vielen Städten und Gemeinden im In- und Ausland auf unseren internationalen Beratungstagen besuchen und dort offene Fragen klären.“


Weitere Infos, Broschüren und Termine für Grenzgänger unter:
www.deutsche-rentenversicherung.de Reiter Rente >Rente und Ausland
 

Eine besondere Beziehung

Die DRV Schwaben ist seit 65 Jahren Verbindungsstelle zu Italien.

Irgendwie ist es nicht richtig geklärt, welche deutsche Stadt die „nördlichste Stadt Italiens“ ist. Diesen inoffiziellen Titel beanspruchen für sich neben Augsburg unter anderem München und Regensburg. Ein bisschen recht haben alle – das südländische Lebensgefühl kann man dort überall sehen und erleben. Was aber selbst viele Augsburger nicht wissen: Neben der gefühlten und baulichen Nähe zu Italien hat die in Augsburg ansässige Deutsche Rentenversicherung Schwaben eine weitere, besondere Beziehung zum beliebten Reiseland jenseits der Alpen: Seit 65 Jahren, genauer gesagt seit dem 1. September 1956, ist sie als Träger auf Regionalebene die Verbindungsstelle zu Italien.

Was etwas sperrig klingt, ist leicht erklärt: Den Grundstein für die Betreuung von Rentenversicherungsangelegenheiten mit Auslandsberührung legte in den 1950er-Jahren ein Arbeitskräftemangel in Deutschland. Er führte zur Anwerbung ausländischer Arbeitnehmer, die für einige Jahre in Deutschland arbeiten und dann wieder in ihre Heimatländer zurückkehren sollten. Was damals niemand ahnte: Deutschland wurde zum Einwanderungsland. Denn viele der sogenannten „Gastarbeiter“, die neben Italien auch beispielsweise aus der Türkei, Griechenland oder Spanien stammten, fanden hier eine zweite Heimat, in der sie fortan mit ihren Familien leben und arbeiten wollten.

Die rentenrechtliche Betreuung der Arbeitnehmer wurde aufgrund von europäischen Verträgen und sogenannten bilateralen Sozialversicherungsabkommen länderweise den Trägern der Deutschen Rentenversicherung zugordnet. Bei der Deutschen Rentenversicherung Schwaben war es im Jahr 1956 Italien, 1986 Marokko und Tunesien und 2004 Malta. In der Funktion als Verbindungsstelle zahlt die DRV Schwaben jährlich mehr als 1,61 Milliarden Euro als sogenannte Vertragsrenten aus, von denen etwa 60 Prozent (955,2 Millionen Euro) an Empfänger mit einem Wohnsitz in Italien überwiesen werden.

Wer bei der obigen Zuordnung der Verbindungsstellen genau hinsieht, kann sogar einen zweiten halbrunden Geburtstag entdecken – die Verbindungsstelle zu Marokko und Tunesien feiert 2021 ihr 35-jähriges Bestehen. Die in diese beiden Länder überwiesenen jährlichen Zahlbeträge sind allerdings bedeutend geringer. Sie betragen für Marokko 13,3 Millionen Euro, für Tunesien 6,7 Millionen Euro.