So macht Reha Spaß: Das Ausdauertraining kann Maja gemeinsam mit ihrer Mutter absolvieren.
So macht Reha Spaß: Das Ausdauertraining kann Maja gemeinsam mit ihrer Mutter absolvieren.



Veränderung braucht Mut

Maja zieht ihre Jacke über, der tägliche Spaziergang steht an. Seit ihrem stationären Reha-Aufenthalt ist viel Bewegung an der frischen Luft ein Muss. „Jeden Tag freue ich mich darauf“, erzählt das Mädchen und strahlt übers ganze Gesicht. Das war nicht immer so.

Vor einigen Jahren nahm die heute Achtjährige stetig an Gewicht zu. Irgendwann wurde jede Bewegung zur Qual. Sie litt bei körperlicher Betätigung unter Atemnot, die Gelenke schmerzten. In der Schule fiel den anderen Kindern ihre physische Veränderung auf. Spott und Häme begleiteten das Mädchen Tag für Tag. Besonders schlimm war der Sportunterricht. Die Folge: ­Maja mied körperliche Bewegung immer mehr, ernährte sich immer ungesünder und litt immer stärker unter ihrem Gewicht. Ein Teufelskreis.

Der Kinderarzt behandelte zunächst ­Majas Schilddrüsenerkrankung, die mit ­einer Neigung zur Gewichtszunahme einherging, mithilfe eines Medikaments. Zusätzlich riet er dem Mädchen zu einer Reha­bilitations­maßnahme in einer Klinik, die auf Adipositas bei Kindern und Jugend­lichen spezialisiert ist. Die Deutsche Renten­versicherung Schwaben, bei der ­Majas Mutter versichert ist, ermöglichte dem Mädchen einen insgesamt sechswöchigen stationären Aufenthalt über die Weihnachtszeit in der Alpen­klinik ­Santa ­Maria in Oberjoch im Allgäu. Mutter ­Nicole durfte ihre Tochter über die ganze Zeit begleiten.

Portrait von Anja Neupert Schreiner,

» Adipositas zu behandeln stellt eine Heraus­forderung für die gesamte Familie dar. «

Anja Neupert-Schreiner, Leiterin Abteilung Rehabilitation, DRV Schwaben

 

Zunächst war es ein großer Schritt, aus dem gewohnten Alltag auszubrechen. Aber es war ­Majas Chance. „Wir wollten unserer Tochter ein gesünderes und weniger leidvolles Leben ermöglichen und sie vor weiteren Mobbingangriffen schützen“, erklärt ihre Mutter. „Auch wenn der Weg anstrengend und steinig werden würde.“

In der Klinik hatte Maja einen straffen Tagesplan. Neben dem täglichen Schul­unterricht absolvieren Patienten dort verschiedene Therapieeinheiten. Diese bestehen aus sportlichen Angeboten wie Ausdauer­training, Schwimmen, Ballsport und Klima­therapie mit Übungen im Freien. Hinzu kommen pädagogische und psychologische Einheiten wie Ernährungsberatung und Psychotherapie. Auch Majas Mutter wurde zur Zubereitung gesunder Mahlzeiten beraten.

Anja Neupert-Schreiner, Leiterin der Abteilung Rehabilitation der DRV Schwaben, beschreibt den Bedarf an unterschiedlichsten Therapieansätzen so: „Bei Adipositas greifen immer mehrere Ursachen ineinander, weshalb es nicht genügt, nur die körperlichen Beschwerden zu behandeln. Ein ganzheitliches Konzept, das auch psychologische und pädagogische Elemente integriert, ist entscheidend.“

Majas Favoriten im Sport waren das Fahrradergometertraining und Schwimmen. Auch hier war ihre Mutter als Begleitperson immer dabei: „Maja freute sich auf jede Einheit, in der sie ihre Ausdauer trainieren konnte. Es entstand ein regelrechter Wettkampf mit den anderen Kindern aus dem Adipositas-­Programm.“ Beim Schwimmen konnte sie ihren Schwimmstil deutlich verbessern und erhielt sogar das Schwimm­abzeichen „Seepferdchen“. Sportlich hat ­Maja jetzt genug Motivation, um ihre Fitness weiter auszubauen. Durch die Ernährungsberatung hat sie zusätzlich ein Gefühl für gesunde Ernährung und Portionsgrößen entwickelt. Besonders freut sie sich aber über die vielen Freunde, die sie in den Therapie­gruppen gewonnen hat. Denn es macht Mut, mit einem Problem nicht alleine zu sein.