Solange die Gedanken Achterbahn fahren, kommen Körper und Geist nicht zur Ruhe.
Solange die Gedanken Achterbahn fahren, kommen Körper und Geist nicht zur Ruhe.



Das Gedankenkarussell stoppen

 

Trotz Lockerungen, deutlichem Fortschritt im Impfgeschehen und einer sich anbahnenden Aussicht auf Normalität sind viele Menschen antriebslos und erschöpft. Über eineinhalb Jahre Krisen-Modus durch die Corona-Pandemie haben an ihren Kräften gezehrt. Zu lange dauerte die Doppelbelastung durch Beruf und Familie, zu tief gingen die Sorgen um den Arbeitsplatz und die Gesundheit.

Das Paradoxe: Obwohl die Betroffenen ausgelaugt sind, finden sie nachts keinen Schlaf, weil sich ihr Gedankenkarussell permanent dreht. „Sie sind mütend“ – mit diesem Wortspiel umschreibt Jana Bastin, wie sich Patienten fühlen, die an Schlafstörungen leiden. Als Chefärztin der Fachklinik für Psychosomatik und Orthopädie in Lindenberg-Ried fasst sie zusammen, was viele Betroffene oft nicht in Worte fassen können: weil sie müde und gleichzeitig wütend, ausgelaugt, ängstlich, unzufrieden und überlastet sind. Doch genau dies sind die größten Feinde für einen guten Schlaf.

Die Psyche ins Lot bringen

Gerade in stressigen Zeiten verlieren viele Menschen den Blick für ihre Bedürfnisse. Doch werden diese dauerhaft ignoriert, dreht sich die Negativspirale immer weiter nach unten und der Körper sendet neben einem unruhigen Schlaf weitere Warnsignale wie Schmerzen im Kopf, Nacken oder Rücken, die letztendlich sogar chronisch werden können. „Die seelische Balance und das körperliche Wohlbefinden stehen in einem engen Verhältnis. Der überwiegende Anteil von Patienten mit Schlafstörungen leidet früher oder später auch unter Schmerzen. Beide Indikationen kann nur der wieder ins Lot bringen, der bei allen Sorgen und Nöten auch sich selbst im Fokus hat und auf sich achtet“, weiß Bastin.

Die Strategie, wie dies gelingen kann, ist dabei sehr individuell. Allerdings ist eines bei allen Menschen gleich: Nur wer entspannt ist, kann gut ein- beziehungsweise durchschlafen und ist am nächsten Morgen fit für neue Herausforderungen. Um dies zu erreichen, leisten Lockerungsübungen, ein Perspektivwechsel oder ein klärendes Gespräch gute Dienste. Auch Sport und Bewegung spielen eine wichtige Rolle und sorgen dafür, dass man den Kopf freibekommen und überschüssige Energien abbauen kann. „Schlafratgeber und Anleitungen für einen gesunden Schlaf gibt es viele, oft sind sie auch die Lösung. Doch wer dauerhaft leidet, sollte darüber nachdenken, ob ihm eine medizinische Rehabilitationsmaßnahme helfen kann.“ Ein Blick in die Statistik zeigt, dass psychische Erkrankungen im Jahr 2020 nach den Erkrankungen von Skelett, Muskeln und Bindegewebe die zweithäufigste Indikation für eine medizinische Reha-Leistung durch die Deutsche Rentenversicherung waren.

In guten Händen

„Die Diagnostik, woher Schlafstörungen oder organisch unerklärliche Schmerzen kommen, ist oft nicht einfach, da es sich um sehr komplexe Zusammenhänge handelt. Hier arbeitet unser Team interdisziplinär Hand in Hand und geht den Ursachen auf den Grund“, so Bastin. Sind sie gefunden, wird das Augenmerk auf die Behandlung gelegt. Sie soll sich nachhaltig auf die körperliche und seelische Gesundheit der Patienten auswirken und ihre Erwerbsfähigkeit wiederherstellen beziehungsweise erhalten.

Weitere Infos und Kontaktmöglichkeiten unter: www.klinik-lindenbergried.de

 

4 Tipps: So klappt es mit dem Schlaf

1. Stoppen Sie das Gedankenkarussell

Wer grübelnde Gedanken nicht abstellen kann, sollte sich eine feste Zeit einräumen, in der er sich mit seinen Sorgen beschäftigt und für eine realistische Objektivität sorgt. Worst-Case-Thinking hilft, sich bewusst zu machen, was im schlimmsten Fall passieren kann, und lässt Probleme kleiner werden. Denken Sie in Tagen oder überschaubaren Abschnitten und sorgen Sie sich nicht zu viel über Dinge, die vielleicht in der Zukunft nie eintreten werden. Im Bett wird geschlafen und nicht gegrübelt. Sollte Ihnen also ein Problem einfallen, dessen Lösung keinen Aufschub duldet – raus aus dem Bett und dem Schlafzimmer! Hilfreich ist auch, Gedanken und Lösungen aufzuschreiben und, sobald der Grübelzwang nachlässt, einen bewussten Schlusspunkt zu setzen.

2. Entspannung hilft gegen Stress

Oft sind sich Menschen mit Schlafstörungen ihres hohen Stresspegels gar nicht bewusst und es fällt ihnen schwer, Entspannungstechniken als hilfreich anzusehen. Versuchen Sie es doch einmal mit progressiver Muskelentspannung, da hier der Wechsel zwischen An- und Entspannung bewusst wahrgenommen wird – was später beim Einschlafen hilft. Echte Helfer sind auch leichte Yogaübungen, Entspannungsmusik, Meditation, autogenes Training, Atemübungen oder ein warmes Bad. Auch leichter Sport oder ein Spaziergang in den Abendstunden machen den Kopf frei. Aber Achtung: Übertreiben Sie es beim abendlichen Sport nicht, weil sonst Ihr Stoffwechsel enorm angetrieben wird, was für das Einschlafen kontraproduktiv ist.

3. Abgenzung schaffen

Trennen Sie Stressfaktoren und Schlafzimmer und schaffen Sie eine zeitliche und räumliche Distanz durch feste Arbeits- und Ruhezeiten: Computer, Handy, Tablet und Fernseher gehören nicht ins Schlafzimmer und sollten eine Stunde vor dem Schlafengehen bewusst ausgeschaltet werden. Und vor allem – nachts nicht auf den Wecker schauen! Ein Muss für Menschen mit Schlafstörungen.

4. Sorgen Sie für einen kühlen Kopf

Die Raumtemperatur im Schlafzimmer sollte maximal 16 bis 18 Grad betragen. Außerdem müssen die Füße warm und der Kopf kühl sein. Dafür einfach eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen das Kissen ins Freie oder in die Gefriertruhe legen. Zwingen Sie sich nicht in den Schlaf – wer nach einer halben Stunde nicht eingeschlafen ist, sollte aufstehen und etwas anderes tun. Danach ist es wesentlich einfacher, in den Schlaf zu finden.