Corona-Spätfolgen gezielt bekämpfen

 

Erschöpfung, Atembeschwerden, depressive Verstimmungen – viele Menschen leiden nach einer CoronavirusInfektion an den Langzeitfolgen der Erkrankung. Das Rehafachzentrum Bad Füssing – Passau der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bayern Süd bietet am Standort Passau umfangreiche Rehabilitationsangebote für Long- und Post-Covid-Patienten.
Dr. Lukas Moleda, stellvertretender Chefarzt der Klinik und verantwortlich für die Long-Covid-Reha, erklärt: „Das Rehafachzentrum ist für die Therapie der Patienten exzellent ausgerichtet.

Wir verfügen über jahrelange, stets wachsende Expertise auf dem Gebiet der onkologischen sowie gastroenterologischen Rehabilitation. Die Symptome der Long-Covid-Patienten ähneln denen eines onkologischen Patienten nach einer langen Krankheitsdauer und zum Beispiel einer Chemotherapie.“ 

Je nach Ausprägung der Beschwerden kann die Therapie in der Klinik sowohl ambulant als auch stationär stattfinden. Sie wird von Ärzten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Psychologen der Klinik geplant und durchgeführt. „In der frühen Phase nach einer Akutinfektion werden von den Betroffenen über 50 verschiedene Symptome berichtet. Später kristallisieren sich typische, teils überlappende Beschwerden heraus“, so Moleda. Zu den häufigsten Symptomen gehören schnelle und dauerhafte Erschöpfung, Müdigkeit und Kraftlosigkeit, Atembeschwerden wie Luftnot oder dauerhafter Husten, Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns, Wahrnehmungsbeeinträchtigung und Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Haarausfall sowie depressive Verstimmung und Ängste. Als Long Covid werden Moleda zufolge Beschwerden bezeichnet, die länger als vier Wochen nach einer Infektion bestehen. Vom Post-Covid-Syndrom sprechen Experten, wenn in den ersten drei Monaten nach einer Covid-19-Infektion typische Beschwerden auftreten und diese über mindestens zwei Monate anhalten.

Die Therapie wird individuell auf den Patienten ausgerichtet

„Da man die Krankheitsursache nicht beseitigen kann, geht es um die Behandlung der Symptome mithilfe der Rehabilitation. Wir greifen zunächst die häufigsten Symptome auf, insbesondere diejenigen, welche den Alltag und/oder die berufliche Situation zum Teil erheblich beinträchtigen“, sagt der Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Endokrinologie und Diabetologie. Bei Atemproblemen beinhalte die Therapie physiotherapeutische Atemanwendungen. Bei Geschmacks- oder Riechstörungen wird ein ergotherapeutisches Geruchstraining verordnet. Ein abgestimmtes Trainingsprogramm verhilft zum Aufbau der Muskulatur, insbesondere nach einem langen Krankenhausaufenthalt. Bei Konzentrationsstörungen erfolgt ein Hirnleistungs-Test und anschließend Training. Bei Ängsten und Depressionen therapiert das Team der hausinternen Psychologen. Darüber hinaus können berufliche oder Rentenbelange mit den Sozialberatern besprochen werden.

Wie soll man vorgehen, wenn die Beschwerden nach einer Coronainfektion längere Zeit anhalten? Zunächst sollte ein Arzt feststellen, ob es sich wirklich um Long-Covid-Symptome handelt, empfiehlt Moleda. Kurzatmigkeit, Depressionen oder Kopfschmerzen können auch andere Ursachen haben. „Liegt eine eindeutige Diagnose vor, sollte man schnellstmöglich einen Antrag auf Rehabilitation bei der Rentenversicherung stellen. Das kann jeder selbst im Internet oder zusammen mit seinem Hausarzt machen. Sobald der Antrag bewilligt wurde, wird man in eine passende Klinik eingeladen. Die Patienten können von ihrem Klinikwahlrecht Gebrauch machen. Wenn jemand zu uns nach Passau-Kohlbruck möchte, was mich freuen würde, müsste er Passau als Wunschort angeben.“ Der Mediziner empfiehlt eine Broschüre der Weltgesundheitsorganisation mit praktischen Übungen. „Sie können helfen, um die Symptome bereits vor Antritt der Reha zu lindern.“

Eine Reha gegen Long-Covid-Beschwerden dauert mindestens drei Wochen. Sollten die Beschwerden danach noch immer bestehen, kann um zwei weitere Wochen verlängert werden. Grundsätzlich richtet sich die Behandlungsdauer nach der individuellen Situation der Betroffenen. Die gute Nachricht, so Moleda: „In der Regel geht es den Menschen deutlich besser, wenn sie die Klinik verlassen. Die Reha hilft also meist dabei, die Beschwerden gezielt zu lindern.“

Woher kommt Long Covid?

Wie Long- oder Post-Covid-Symptome entstehen, wird noch erforscht. Vermutet werden eine dauerhafte Anwesenheit des Virus im Körper, ein autoimmunes Geschehen sowie eine Fehlfunktion der Innenfläche der Gefäße und der Blutgerinnung. Es könnten 20 bis 30  Prozent der Erkrankten betroffen sein. Einflussfaktoren können unter anderem die Schwere der Erkrankung, das Alter und Begleiterkrankungen sein.

Das Rehafachzentrum

Das Rehafachzentrum (RFZ) Bad Füssing – Passau am Standort Passau behandelt Erkrankungen in den Bereichen Onkologie, Stoffwechselkrankheiten, Gastroenterologie sowie Diabetes und ambulante Orthopädie – und nun eben auch Long- und Post-Covid-Symptome. Als einer von 16 Rentenversicherungsträgern bundesweit betreibt die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd an sechs ober- und niederbayerischen Standorten Rehabilitationskliniken mit unterschiedlichen medizinischen Schwerpunkten.

Weitere Informationen zum RFZ gibt es auf der Webseite der Klinik unter: www.rehafachzentrum.de