»Am Ende ziehe ich auch Positives aus meiner Krankheit. Sie hat mich geerdet.« Lisa Mieth,
Marketingmanagerin
»Am Ende ziehe ich auch Positives aus meiner Krankheit. Sie hat mich geerdet.« Lisa Mieth, Marketingmanagerin



Neues Leben nach der Reha

 

Heute kann sie wieder lachen. „Ich kann wieder arbeiten und ich habe eine wunderbare Tochter“, freut sich Lisa Mieth. Sie klappt ihr Laptop zu und lehnt sich auf der Parkbank zurück. Dass die 33 Jahre alte Berlinerin heute so selbstbestimmt und zufrieden arbeiten kann, ist alles andere als selbstverständlich. Denn sie hat drei harte Jahre hinter sich: Krebs, OP, Reha, Umschulung, Jobwechsel. 

Vorher hatte Lisa Mieths Welt ganz anders ausgesehen. Tagsüber fuhr die junge Frau mit dem Auto durch Berlin und Brandenburg, im Kofferraum 20-Flaschen-Kisten von hippen Limonaden und Eistees. Als Vertrieblerin im Außendienst traf sie die Einkäufer von Bio-Märkten, um sie von den Szenelimos zu überzeugen. Ansonsten lebte sie mit ihrem Partner in Berlin-Friedrichshain und bekam bald ihr erstes Kind. Mindestens ein weiteres war geplant.

 

»Ich freue mich, Wege in neue, dauerhafte Arbeit zu vermitteln.«

Grit Lade, Reha-Beraterin, Deutsche Rentenversicherung Bund

 

Zurück im Leben, zurück im Job. Nach schwerer Krankheit genießt Lisa Mieth ihre Pausen mit Yoga und Entspannung.

Die Diagnose kam aus heiterem Himmel. Die Feier zum 30. Geburtstag war noch nicht lange her und auch die Tochter war eben erst zwei Jahre alt geworden, als die Gynäkologin ihr mitteilte: „Wir haben bei Ihnen leider eine zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN) gefunden.“ Diese Zellveränderung am Gebärmutterhals gilt als Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs. Schnell wurde eine vorbeugende Konisation anberaumt. Eines solchen kegelförmigen Ausschneidens des Gebärmutterhalses bedürfen in Deutschland jährlich rund 56.000 Frauen, häufig in Mieths Alter. Hauptursache sind krebserregende Humane Papillomviren (HPV), gegen die inzwischen im Teenageralter geimpft werden kann. Eine Gewebeprobe brachte Mieth die schreckliche Gewissheit: Gebärmutterhalskrebs.

Spätestens jetzt geriet ihr Leben aus dem Tritt. An eine Rückkehr zur Arbeit war nicht zu denken. Jetzt ging es darum, den Krebs zu stoppen. Statt eine Chemotherapie zu machen, lässt sie sich am Uniklinikum Leipzig alle Lymphknoten im Beckenbereich entfernen. Die Eingriffe zeigen Wirkung, verheilen aber nur langsam. Anfangs nutzt sie ihren Fahrradanhänger als Rollator, um ihre Tochter bis zur Kita zu schieben.

Zwei Rehas, ein Comeback

Schon nach fünf Wochen beginnt sie mit einer medizinischen Rehabilitation, die sie ambulant absolviert, um sich weiter um ihr Kind kümmern zu können. Zu ihrer Überraschung läuft die medizinische Rehabilitation über die Deutsche Rentenversicherung, wenn die Erwerbsfähigkeit gefährdet oder bereits gemindert ist. „Dass es zu deren Aufgaben zählt, meine Genesung zu fördern, war mir gar nicht bewusst.“ Zusätzlich macht sie Yoga, obwohl anfangs jede Übung schmerzt.
So arbeitet Mieth sich auch durch die lange Pandemiezeit. Langsam findet sie Kraft, wieder zu arbeiten. Doch Getränkekisten schleppen ist nun tabu. Sie muss umschulen. Noch in der Rehaklinik wird sie dazu beraten und erfährt, dass die Deutsche Rentenversicherung auch beim Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) Unterstützung anbietet (siehe Kasten rechts).

Grit Lade ist Reha-Beraterin für die Deutsche Rentenversicherung Bund in Berlin, wo sie sich um mehr als 350 Klienten kümmert. „An meinem Job gefällt mir sehr, dass ich Menschen nach schweren Schicksalsschlägen neue berufliche Perspektiven eröffnen und sie bei der Umsetzung begleiten kann“, sagt Lade. Lisa Mieth hat Vorkenntnisse im Online-­Marketing und würde sich gern in Richtung Online-­Handel weiterbilden. Ein wichtiger Anhaltspunkt. Anfang 2020 ist es dann so weit. In einem Beratungsgespräch mit Lade vereinbart Mieth, einen halbjährigen E-Commerce-­Kurs bei einer Berliner Akademie zu absolvieren. Die Kosten trägt die Deutsche Rentenversicherung. Ihren alten Arbeitgeber hat der schleppende Getränkeverkauf während der Pandemie leider so hart getroffen, dass er sich mit der Job-Wiederkehrerin lieber auf einen Aufhebungsvertrag einigt. Doch auch hier weiß die Reha-­Beraterin Rat. Mithilfe der Organisation Inklupreneur (siehe Kasten links) finden sie das Start-up „Inklusion Digital“, das Software für Schulen entwickelt und besonderen Wert auf Diversität und Inklusion legt. Es gehört zu den Unternehmen, die sich bei Inklupreneur engagieren. Allerdings ist auch hier das Geld knapp, sodass noch einmal die Deutsche Rentenversicherung für die Finanzierung einspringt. Ein zeitlich befristeter Lohnkostenzuschuss macht es möglich, dass Lisa Mieth als Marketingmanagerin in Teilzeit einsteigen kann.

Endlich ist sie zurück im Berufsleben, der erste Schritt ist getan. „Meinen Bereich baue ich gerade selbst mit auf, die Arbeit ist sehr spannend und vielfältig“, berichtet Mieth. Außerdem muss sie für den Job nicht ins Büro. Stattdessen kann sie mit der Tochter zu ihren Eltern fahren und von dort arbeiten oder bei gutem Wetter das Laptop mit in den Park nehmen. Das Leben kann weitergehen.

Inklupreneur

Die Berliner Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Zu ihnen zählt auch Lisa Mieth nach ihrer Krebserkrankung. Viele sozial engagierte Unternehmen gehören inzwischen zu dieser Community. Inklupreneur bietet interessierten Unternehmen auch Mentoren an, die den Prozess begleiten.

Mehr Infos im Netz: berlin.inklupreneur.de

So hilft die Rentenversicherung

Arbeitsunfähige Beschäftigte haben einen Anspruch darauf, ins Berufsleben zurückzukehren. Die Deutsche Rentenversicherung hilft Versicherten und Arbeitgebern, ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) aufzubauen. Dieses Angebot richtet sich an Beschäftigte, die in den zurückliegenden zwölf Monaten länger als sechs Wochen am Stück oder wiederholt arbeitsunfähig waren. Sie können sich beispielsweise an Reha-­Beraterinnen wie Grit Lade wenden oder an den Firmenservice der Deutschen Rentenversicherung. Diese berät und finanziert bei Bedarf Leistungen zur medizinischen Reha und zur Teilhabe am Arbeitsleben, sofern die Voraussetzungen dafür vorliegen. Dazu können Aus- und Weiterbildungen gehören, Kraftfahrzeug- und Wohnungshilfen oder ein Gründungszuschuss.

Kostenloser Kontakt zum Firmenservice: Tel. 0800 1000 453

Mehr zum Thema unter: t1p.de/DRV-Eingliederung