Enola Bülow (links) und Charlotte Raabe
Enola Bülow (links) und Charlotte Raabe



Mit neuen Ideen in die Zukunft

 

Enola Bülow und Charlotte Raabe, beide Anfang 20, beenden gerade ihr duales Studium bei der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg. Beide stammen aus Kleinstädten. Gelockt hat sie damals die Großstadt Berlin, sagen sie, die Arbeitsplatzsicherheit und das tarifliche Gehalt. Vom freundlichen Umgang bei den Vorstellungsgesprächen waren sie angetan. Wie fast alle anderen dual Studierenden werden sie ab Oktober Angestellte dieses Rentenversicherungsträgers.

Wenn sie in die Zukunft blicken, haben sie gemischte Gefühle. Wichtig sei, dass es ständig neue Ideen und andere Meinungen gebe. Gesellschaften müssten sich angesichts eines stetig wandelnden Umfeldes weiterentwickeln. Vom Klimawandel wird ihre Generation stärker betroffen sein als jede andere zuvor. Viele identifizierten sich mit den Ideen von Greta Thunberg. Generell sei für Nachhaltigkeitsthemen ein neues Bewusstsein entstanden, finden sie. So verzichtet Enola Bülow freiwillig auf Fisch. Charlotte Raabe fährt oft mit dem Fahrrad und kauft ihre Lebensmittel bewusst ein.

 

»Menschen, die zusätzliche Altersvorsorge am dringendsten nötig haben, tun am wenigsten dafür.«

Charlotte Raabe, Studentin bei der Deutschen Rentenversicherung Berlin Brandenburg

 

Die Corona-Pandemie hat ihre Sicht auf die Welt verändert, sagen beide. Sie habe ihnen deutlich gemacht, wie wichtig die eigene Gesundheit, persönliche Begegnungen und frische Luft seien. Viele Freunde hätten in dieser Zeit das Fahrrad vermehrt genutzt, die Tierheime seien leer. Sie finden, dass Videokonferenzen auch nach dem Ende der Pandemie viele Dienstreisen ersetzen könnten. Aber auch Ferienreisen sollten nachhaltiger werden. „Klar freue ich mich auf Urlaub im Ausland, ich will dahin auch fliegen dürfen. Ich finde es aber richtig, wenn klimaschädliche Aktivitäten stärker mit Abgaben belastet werden“, meint Charlotte Raabe.

Generationengerechtigkeit

Ob das Umlage-Finanzierungssystem angesichts der demografischen Verschiebung in seiner jetzigen Form zukunftsfest ist, daran haben beide ihre Zweifel. Nicht zuletzt deshalb würden sie eine zusätzliche private Altersvorsorge zur Pflicht machen, nach schwedischem Modell. Charlotte Raabe hat ihre Bachelorarbeit über die Versicherungspflicht Selbstständiger geschrieben und weiß: „Gerade Menschen, die zusätzliche Altersvorsorge am dringendsten nötig haben, tun am wenigsten dafür.“ Ab 25 Euro im Monat könne viel erreicht werden, wenn rechtzeitig angefangen werde. Doch obwohl beide diesen Betrag bereits aufbringen könnten, steht dieser Punkt für sie noch auf der To-do-Liste. Der kürzlich beschlossene Grundrentenzuschlag bekommt von ihnen keine guten Noten. Altersarmut sei zwar ein wachsendes Problem. Die Anknüpfung an mindestens 33 Beitragsjahre aber werde der heutigen Arbeitswelt nicht mehr gerecht, Berufseinstiege erfolgten später, Beschäftigungen seien prekärer. „Die Grundrente ist für Babyboomer und für Leute, die schon in Rente sind“, meint Enola Bülow.

 

Geburtsjahrgänge und ihre Bezeichungen

1956–1965: Babyboomer

1966–1980: Generation X

1981–1995: Generation Y

ab 1995: Generation Z

 

Ausbildung in einer flexiblen Behörde

Beide befürworten die Demokratie. Ältere und junge Menschen hätten unterschiedliche Erfahrungen, die von Parlamenten genutzt werden sollten. Rücksichtslosigkeit und Ignoranz gebe es in jeder Generation.

Enola Bülow hat ihre Bachelorarbeit über das gemeinsame Arbeiten unterschiedlicher Generationen in Unternehmen geschrieben. Am besten funktioniere das, wenn die Gruppen voneinander lernten. Dann profitierten die Jungen von der Erfahrung der Älteren und diese vom routinierten Umgang der Jungen mit Technologie. Zuweilen fehle aber das Bewusstsein dafür, wie wichtig Kommunikation zwischen den Generationen sei. Das wissen beide auch aus ihren Familien. Ein Großelternpaar habe Smartphones mit deren Möglichkeiten nutzen wollen. Das andere blieb bei Fernseher und Festnetz-Telefon – und fühlte sich in der Pandemie einsam.

Im Beruf sehen sie viel Potenzial darin, Prozesse für Standardfälle zu vereinfachen und Algorithmen zu entwickeln. Dann müsse ein menschlicher Sachbearbeiter den Vorschlag des Computers nur noch genehmigen oder für die manuelle Nachbehandlung kennzeichnen. Beide wünschen sich deutliche Vereinfachungen auch bei anderen Abläufen. Ihnen habe bislang nicht vermittelt werden können, warum zum Teil viel Aufwand in einigen Standardvorgängen stecke. „Das haben wir schon immer so gemacht“ reicht ihnen als Begründung nicht.

Beide plädieren dafür, auch nach dem Ende der Pandemie das Arbeiten von zu Hause zu ermöglichen. Beide werben für eine Ausbildung oder Berufstätigkeit bei „der Rente“. Ihr Arbeitgeber sei eine flexible Behörde. Dies gelte etwa für die Gleitzeit-Regelung, die Möglichkeiten, von zu Hause aus zu arbeiten, und das betriebliche Gesundheitsmanagement. Sie wünschen sich, dass die Arbeitsplatzsicherheit als Basis dafür genutzt wird, das Unternehmen gemeinsam mit neuen Ideen voranzubringen.