Chefarzt Dr. Dieter Deuerling macht seinen Patienten Erkenntnisse aus dem Leitungssport
zugänglich.
Chefarzt Dr. Dieter Deuerling macht seinen Patienten Erkenntnisse aus dem Leitungssport zugänglich.



Beweglicher werden

 

 

Meer oder Berge? Das ist die Frage, die sich Menschen stellen, wenn sie zur Reha gehen. „Was wir bieten können, ist intakte Natur“, sagt Chefarzt Dr. Dieter Deuerling. Dazu gehört auch der Abstand zum Lärm und zur Hektik des Alltags und der Städte. Insbesondere zu Berlin. Die Rehaklinik Lautergrund wird von der Rentenversicherung Berlin-Brandenburg getragen. Und Deuerling ist ihr medizinischer Kopf. „Wir schenken den Patienten Zeit. Zeit, um sich mal um sich selbst und die eigene Gesundheit zu kümmern“, sagt er. In drei bis vier Wochen will er die Patienten, zum Beispiel nach einer Gelenkoperation, wieder fit bekommen. Das schafft er zusammen mit seinen Ärzten, Therapeuten und allen Mitarbeitern der Klinik. Die Patienten wollen ein Konzept, das stimmig ist. Dann kommen sie – auch ohne Meer und ohne Berge. Sie finden die Obermain Therme und den Staffelberg und vor allem die Therapien, die Deuerling etabliert. Er ist selbst Fußballer, Sportmediziner und hat stets ein Auge auf den Leistungssport. Erkenntnisse daraus fließen auch in die Reha ein. Dazu zählt etwa das Augenmerk auf die Faszien. Die Faszien umhüllen den Bewegungsapparat mit allen Muskeln und Sehnen. Sie sind häufig für Bewegungseinschränkungen, Schmerzen und fehlende Leistungsfähigkeit verantwortlich, können aber auch trainiert und therapiert werden. „Im Sport gehört das heute wie selbstverständlich dazu, dass die Faszien sowohl vor dem Training erwärmt als auch nach dem Sport wieder gelockert werden“, so Deuerling. Daher werden bereits seit vielen Jahren die Faszien in der Therapie trainiert. Ebenfalls im Fokus liegt das Schlafverhalten der Patienten. Viele bekommen schlicht zu wenig Schlaf, stellt Deuerling fest. Jeder müsse seinen eigenen Schlafrhythmus finden. Auch hier orientiert er sich an den Profis: „Cristiano Ronaldo zum Beispiel schläft mehrmals am Tag, um fit zu bleiben und auf den Punkt seine Leistung zu bringen.“ Auch Übungen aus der sogenannten Neuroathletik fließen in die Therapie ein. Durch gezieltes Training der Hirnnerven kann die körperliche Leistungsfähigkeit und die Koordination verbessert werden. Mit den richtigen Augenübungen ist der Körper beweglicher und leistungsfähiger. „Das klingt beim ersten Mal seltsam, funktioniert aber“, sagt Deuerling. Auch Aufmerksamkeitsstörungen können damit behandelt werden.
 

»Wir schenken dem Patienten Zeit, sich um sich selbst zu kümmern.«

Dr. Dieter Deuerling, Chefarzt der Rehaklinik Lautergrund
 

Bei den Therapien Vorreiter zu sein, das kommt bei den Patienten an. Immer mehr Patienten wollen in den Lautergrund, wollen die Therapien, die aus dem Sport kommen. Doch es zählt immer das Zusammenspiel: Sind die Therapien auf der Höhe der Zeit, muss es das Haus auch sein. „Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich investiert und modernisiert“, sagt der neue kaufmännische Leiter, Matthias Lebert. Da hilft es, dass die Deutsche Rentenversicherung als Träger nicht profitorientiert ist. Der Tagessatz muss für die Therapie und den Betrieb des Hauses reichen. So konnte der Brandschutz frühzeitig modernisiert werden. Im vergangenen Jahr kam ein Anbau mit zehn zusätzlichen barrierefreien Zimmern hinzu. Das nächste Thema ist dann die Ernährung. „Das Konzept von Ärzten, Ernährungsberatern und Sportwissenschaftlern muss stimmig sein – und die Küche gehört natürlich auch dazu“, sagt Deuerling. Auch hier lohnt sich ein Blick in den Leistungssport. Wie ernähren sich Ronaldo und Co? An der geeigneten Umsetzung wird gerade gefeilt.
 

Engagiert im Gesundheitstourismus

Die Rehaklinik im Lautergrund, seit 1958 für die Patienten da, versucht nahe am Puls der Zeit zu sein. Das schätzen die Patienten, die häufig auch gesund wieder an den Obermain kommen. „Wir waren schon Helfer für den Tourismus, lange bevor es die Therme gegeben hat“, sagt Deuerling. Auch heute bringt sich die Klinik in die Region ein. Auf einer Konferenz hatte Deuerling von sogenannten Terrainkurwegen gehört, in einer Sitzung darüber berichtet – und sofort den Auftrag bekommen, sie auch hier einzurichten. Zusammen mit der Stadt Bad Staffelstein sind so sechs dieser Terrainkurwege entstanden, erkennbar am roten Herzen als Wegemarkierung. Sie haben Längen zwischen einer und fünf Stunden sowie ein Profil, das zwischen zwölf und fast 600 Höhenmetern liegt. „Die Wege sind unter medizinischen Gesichtspunkten ausgewählt – aber natürlich kann sie jeder nutzen. Nicht nur unsere Patienten“, sagt Deuerling. Drei der Rundwege beginnen und enden übrigens an der Kneippanlage, die unterhalb der Klinik liegt. Auch sie gehört zur Klinik, ist aber öffentlich zugänglich.

Zucker

Ernährung nimmt einen hohen Stellenwert ein. Die Zufuhr von zuckerhaltigen Lebensmitteln am Abend sollte vermieden werden.
 

Faszienrolle

Mittlerweile ist die Faszienrolle weithin bekannt. Eine weiche Rolle (Melt-Rolle) kann sehr gut für die Körperwahrnehmung und Entspannung eingesetzt werden. Die härteren Rollen (BlackRoll) finden Anwendung im Rücken- und Faszientraining.
 

Neuroathletik

Die Bewegungssteuerung erfolgt unter Beteiligung des Gehirns. So können Bewegungen gezielt trainiert werden. Neuroathletiktraining unterstützt in der Rehabilitation die Heilung und ermöglicht eine schnellere Rückkehr in den Alltag und an den Arbeitsplatz.