Das war damals modern: Lochkartenbearbeitung
bei „der Rente“ 1965.
Das war damals modern: Lochkartenbearbeitung bei „der Rente“ 1965.



Von der Lochkarte zur E-Akte


Montag, der 3. September 1990, war ein großer Tag für Nadin Aberspach. Sie fing ihre Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten bei der damaligen Landesversicherungsanstalt Berlin an. Es waren bewegte Zeiten. Das Land, in das sie gut 16 Jahre zuvor hineingeboren worden war, die DDR, würde es nur noch einen guten Monat geben. Ausbildungsinhalt war unter anderem, Kartenarchive aufzulösen und Versicherungsnummern anzulegen, wenn es noch keine gab. PCs waren damals noch eine geradezu bestaunenswerte Seltenheit. „Es gab einen Raum, in dem zwei Computer standen. Da habe ich dann eine Nummer gezogen und Schlange gestanden, bis ich an die Reihe kam“, sagt Aberspach.
 

Zahlenkolonnen und Wählscheiben

Sie arbeitet seit jetzt über 30 Jahren für die heutige Deutsche Rentenversicherung BerlinBrandenburg und hat an der deutsch-deutschen Fusion der Rentenversicherungsträger mitgewirkt. „Das war sehr viel Arbeit – diese ganzen Sonderversorgungssysteme der DDR. Da lief wirklich gar nichts digital“, sagt sie. Es schwingt Stolz in ihren Worten mit. Ihre Beschreibungen des Ausbildungs- und Arbeitsalltages wirken heute wie aus einer anderen Welt. Sie habe alles auf Papier aufschreiben und Zahlenkolonnen eingeben müssen, das könne sich heute niemand mehr vorstellen. Drei Kollegen hätten sich in einem Büro ein Wählscheiben-Telefon geteilt.

Seit dieser Zeit ist sehr viel passiert. Im öffentlichen Sektor waren die Träger der Rentenversicherung Vorreiter der Digitalisierung, da existierte der Begriff noch gar nicht. 2018 begannen in der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg die Arbeiten zur Einführung der eAkte. Das war eines der größten Projekte der Rentenversicherung in den letzten 30 Jahren. So wurde beispielsweise die Scanstelle, in der jeden Tag Berge von papierner Post eingehen, ausgebaut. Lernfähige Scansoftware kann digitalisierte Posteingänge deutlich besser erkennen und steuern. Seit 2019 lassen sich sämtliche Fälle aus den Bereichen Rente, Versicherung und Rehabilitation vollständig elektronisch bearbeiten. Inzwischen arbeiten die Abteilungen Rente und Versicherung sowie Rehabilitation komplett digital. Wie viele Branchen auch wünscht sich die Rentenversicherung heute von ihren Kunden, dass sie ihre Anliegen elektronisch, nicht auf Papier, übermitteln. Das spart neben Zeit auch Porto und Ressourcen.
 

Das Ende des Aktentourismus

Seit ein paar Jahren ist Nadin Aberspach für Auskünfte an das Familiengericht zuständig, wenn bei Scheidungen ein sogenannter Versorgungsausgleich stattfindet. Das war früher mit sehr viel Papier verbunden. Weil die Teams, die das bearbeiten, an unterschiedlichen Orten sitzen, bedeutete es auch sehr viel „Aktentourismus“. Da musste schon mal zwei Wochen auf eine Akte gewartet werden, oder die Akte war unterwegs und es kam ein Poststück rein. Mit der eAkte ist das Vergangenheit. Es können keine Akten mehr „verhängt“ werden. Aberspach schwärmt, die Arbeit sei generell effizienter und schneller, und Ressourcen spare es auch. „Ich mache wirklich nichts mehr mit Papier“, sagt sie. „Was ich noch an Papier bekomme, scanne ich ein und arbeite elektronisch weiter.“ Das könnte auch den Kunden nützen. Nur die Gerichte haben leider nichts davon, denn sie arbeiten längst noch nicht elektronisch.
 

»Ich mache nichts mehr auf Papier. Was ich noch auf Papier bekomme, scanne ich ein.«

Nadin Aberspach, DRV Berlin-Brandenburg
 

Die eAkte hat auch eine große Erleichterung im Arbeitsleben von Nadin Aberspach möglich gemacht. Sie fand schon vorher, dass „die Rente“ es leicht macht, Beruf und Familie miteinander zu verbinden. Sie schätzt die flexible Arbeitszeit und hat – je nach familiärer Situation – drei Mal ihr wöchentliches Soll-Pensum geändert. Dass die Deutsche Rentenversicherung Berlin-Brandenburg es in den letzten Monaten immer mehr Mitarbeitenden ermöglicht hat, im Homeoffice zu arbeiten, findet sie „richtig gut“. Auch gesundheitlich sei dies eine Erleichterung, denn der morgendliche Stress im Berufsverkehr falle weg. Sie hatte einen Arbeitsweg von über einer Stunde.

Was die Zukunft bringt? Nadin Aberspach kann sich vorstellen, dass jeder mobile Arbeitsplatz mit Videokonferenz-Equipment ausgerüstet wird, dass sich mehrere Angestellte einen Büroarbeitsplatz teilen und dass Büroflächen künftig von mehreren Arbeitgebern für wechselnde Besetzungen wohnortnah angemietet werden könnten. Alles keine Science-Fiction mehr – aber ein langer Weg von der Lochkarte!
 

Arbeit an der elektronischen Akte im 21. Jahrhundert.