Jens Schrader – vom Busfahrer zum Sachbearbeiter.
Jens Schrader – vom Busfahrer zum Sachbearbeiter.



Nachhaltig Berufstätig

 

Jens Schrader, ein langer, schlanker Mittvierziger, lächelt oft. Seine höflichzurückhaltende, leise Art passt an so vielen Stellen nicht zum Bild, das vor dem geistigen Auge zum Klischee „Berliner Busfahrer“ entsteht. Aber genau das war er viele Jahre lang. Es war sogar sein Traumberuf. Er konnte gerade lesen, da entzifferte er schon Fahrplanbücher für Buslinien. Weil es aber nach seinem Schulabschluss zu viele Bewerber für den Beruf des Busfahrers gab, lernte Schrader zuerst Beton- und Stahlbetonbauer, wurde dann aber – wie alle anderen Azubis – nicht übernommen. Es folgte eine Fortbildung zum Fachberater im Baustoffhandel. Dann suchte„Berlin Transport“, eine Tochter der Berliner Verkehrsbetriebe BVG, per Zeitungsannonce wieder Busfahrer, und diesmal klappte es.

Ab 2001 fuhr er BVG-Busse durch Berlin. „Ich habe den Beruf richtig geliebt, das war fast wie Freizeit für mich“, sagt er. Er lernte die bunten Berliner Fahrgäste, Obdachlose, hohe Beamte und alles dazwischen, kennen und schätzen. Am liebsten fuhr er durch Spandau. Neben dem Beruf machte er privat auch noch die Kraftverkehrsmeisterprüfung, um einen Betriebshof leiten zu können.

 

»Die meisten Menschen haben mehr als ein berufliches Lebensthema.«

Christian Blauert, Reha-Fachberater bei der DRV Berlin-Brandenburg

 

Der Rücken machte nicht mehr mit

2014 meldete sich Schraders Rücken mit zwei Bandscheibenvorfällen, hinzu kamen neurologische Ausfälle. Er fuhr gegen ärztlichen Rat weiter. Wenige Jahre später wurden die Beschwerden schlimmer, weitere kamen hinzu: „Ich fühlte mich nach zwei Stunden fahren wie ein Klappstuhl.“ Doch auch nach vielen Monaten des Auskurierens stand fest: Er würde den geliebten Beruf aufgeben müssen. „Ich hatte eine ganze Zeit daran zu knabbern, das war niederschmetternd für mich.“ Auch als Leiter eines Betriebshofs konnte ihn Berlin Transport nicht beschäftigen. Schrader stellte bei der DRV Berlin-Brandenburg einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Die wahrscheinlich bekannteste davon ist die Umschulung.

Im Antragsverfahren zeigte sich, dass Schrader noch eine weitere Leidenschaft hatte: eine Tätigkeit in einem Büro. Am liebsten wollte er in einer Verwaltung arbeiten, „das ist ein krisensicherer Job“. Er hospitierte in einem Berliner Bezirksamt. Das gefiel ihm, nur die EDV-Ausstattung kam ihm etwas veraltet vor. „Ich war aber auch schon immer gut in Mathe“, schmunzelt er, „das sprach dann eher für eine Tätigkeit für die Rentenversicherung.“ Jetzt macht er tatsächlich eine Umschulung zum Sozialversicherungsfachangestellten, könnte nach bestandener Prüfung also selbst Reha- oder Rentenanträge bearbeiten und genehmigen.

Flexibilität ist Trumpf

Sein Reha-Fachberater bei der DRV BerlinBrandenburg, Christian Blauert, hält Schraders Geschichte für typisch: „Wir fragen uns, wo die Motivation unserer Kunden liegt, sich beruflich neu zu orientieren. Dann fragen wir sie direkt oder indirekt, was sie gerne machen möchten. Die meisten Menschen haben mehr als ein berufliches Lebensthema.“ Wer so motiviert, offen und lernwillig sei wie Schrader, der gerade die fünfte Ausbildung seines Lebens macht, sei dabei klar im Vorteil. „Wir haben ein Interesse daran, unsere Kunden nachhaltig berufstätig sein und bleiben zu lassen. Und wir wissen, dass es sie auch jenseits des finanziellen Aspekts glücklicher macht, als auf Stütze angewiesen zu sein“, so Blauert.

Schrader vermisst manchmal seine Fahrgäste. Die Freude mit Blick auf die neue Tätigkeit ist aber größer. Er muss nicht mehr im Schichtdienst und nicht mehr an Wochenenden arbeiten. „Die zukünftigen Kolleginnen und Kollegen, die ich bis jetzt getroffen habe, sind alle sehr nett und sehr offen“, sagt er. Und lächelt.

Beratung & Fragen

Fragen rund um die Rehabilitation und andere Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben? Das kostenlose Servicetelefon ist von Montag bis Donnerstag von 7.30 bis 19.30 Uhr und Freitag von 7.30 bis 15.30 Uhr besetzt. Es ist unter der Telefonnummer 0800 1000 48025 zu erreichen.