Empfehlenswert: Eine Altersvorsorgeberatung gibt Aufschluss über die absehbare Rentenhöhe.
Empfehlenswert: Eine Altersvorsorgeberatung gibt Aufschluss über die absehbare Rentenhöhe.



Faktensuche in der Glaskugel


Fast jeder bekommt sie, jeder kennt sie: die Renteninformation, die alljährlich per Post eintrifft. Ich bin 39 Jahre alt, Journalistin und seit ein paar Jahren selbstständig. Auch ich lese regelmäßig in der Renteninformation von der voraussichtlichen Höhe meiner „künftigen Regelaltersrente“. Aber das sind ja Bruttowerte – vor allen Abzügen. Und privat sorge ich auch schon ein wenig vor. Genug? Jetzt will ich es endlich genau wissen: Was werde ich denn nun wirklich insgesamt im Jahr 2048 bekommen, wenn meine Regelaltersrente mit 67 Jahren beginnt? Und wird mir das reichen?
 

»Viele kommen erst spät in ihrem Berufsleben zu uns.«

Katrin Schiweck, Deutsche Rentenversicherung Nord
 

„Viele kommen erst spät in ihrem Berufsleben für eine Altersvorsorgeberatung zu uns“, sagt Katrin Schiweck. „Auch wenn sich die Beschäftigung mit der privaten Vorsorge zu jedem Zeitpunkt lohnt, ist der frühe Einstieg im Alter von 20 bis 40 Jahren natürlich besser.“ Die Mitarbeiterin der Rentenversicherung und ich sitzen uns in ihrem Büro an der Reeperbahn gegenüber. Denn ich habe beschlossen, mich beraten zu lassen. Vorab hat sie mir mitgeteilt, was ich mitbringen soll: Aktuelle Unterlagen meiner privaten, betrieblichen oder sonstigen Versicherungen – es soll ja ein Gesamtbild entstehen. Auf die Daten der gesetzlichen Rente hat sie selbst Zugriff. Und: „Die Kontenklärung bei der Rentenversicherung muss schon stattgefunden haben“, so die Beraterin.

Mein Rentenkonto ist geklärt, ich habe alle nötigen Unterlagen dabei und höre nun gespannt zu, wie Katrin Schiweck beginnt, meine Situation zu analysieren. Klar, strukturiert und vor allem neutral. „Wir geben keine Produktempfehlungen“, konkretisiert sie. „Zunächst errechnen wir den Betrag, der Stand heute in der Rente insgesamt monatlich zur Verfügung steht, um eventuelle Versorgungslücken aufzudecken, dann reden wir über Möglichkeiten der zusätzlichen Vorsorge.“ Fragen soll ich gerne jederzeit stellen. Auf dem Tisch zwischen uns liegt ein Berechnungsbogen – der rote Faden für die Beratung, auf dem die Beraterin neben meinen Zahlen auch Notizen aus unserem Gespräch notiert. Gut, ich muss nicht mitschreiben. Zumal ohnehin alles sehr komplex ist und ich als Journalistin vermutlich doppelt so viele Rückfragen habe wie andere. Berufskrankheit.
 

Nackte Zahlen, klare Fakten

Zu Beginn nimmt Schiweck unter die Lupe, wie ich in Sachen Haftpflicht- und Berufsunfähigkeitsversicherung aufgestellt bin. „Das sind essenzielle Risiken, die bedacht werden müssen, bevor man sich Gedanken über die Altersvorsorge macht“, erklärt sie. Dann ermitteln wir meine voraussichtliche gesetzliche Rente. Dafür muss sie wissen: Wann will ich in Rente gehen? Ein vorgezogener Rentenbeginn würde Abschläge und fehlende Beitragsjahre bedeuten – wichtige Faktoren für die Berechnung. Nach Abzug der Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge erhalten wir so schon mal den Auszahlbetrag der gesetzlichen Rente – vor Steuer. Wir wechseln auf die nächste Seite des Berechnungsbogens, nun geht es um weitere Alterseinkünfte: etwa aus einem Riester-Vertrag, aus betrieblicher Altersvorsorge, aus der Basis-Rente oder sonstiger, ungeförderter Vorsorge. Schiweck erklärt mir, welche Möglichkeiten der staatlichen, geförderten und ungeförderten Vorsorge bestehen.
 

Welche Steuern fallen an?

Wir tragen meine bereits getroffenen, privaten Vorsorgearten ein, rechnen alles zusammen und erhalten eine finale monatliche Summe als Bemessungsgrundlage für die Versteuerung. Schlechte Nachricht für mich: Ab 2040 wird der Schritt hin zur nachgelagerten Rentenbesteuerung komplett vollzogen sein, das heißt, auch ich werde meine Einkünfte später voll versteuern müssen. Also schrumpft die finale Summe wieder.

Ungefähr 1,5 Stunden nach Start unseres Gesprächs: Nun steht da eine Summe – so viel Einkommen wird mir nach aktuellem Stand also ab dem Jahr 2048 netto zur Verfügung stehen. „Trotz aller berücksichtigten Faktoren bleibt der Wert eine Schätzung“, ordnet Schiweck die Zahl ein. „Eine mögliche Rentenanpassung ist bei der Berechnung nicht berücksichtigt, weil wir davon ausgehen, dass diese von der Inflation aufgefressen wird.“ Ist denn mein Ergebnis gut oder schlecht? „Das schätzt jeder anders ein“, sagt die Expertin der Rentenversicherung. Klar, ob einem der Betrag ausreicht, kann ja auch nur jeder für sich selbst beurteilen.

Die Glaskugel für den Blick in meine künftige Rentenzeit wurde durch das Gespräch jedenfalls deutlich klarer. Auch ist es gut zu wissen, dass ich mit dem Berechnungsbogen nun ein Tool habe, das ich alle paar Jahre zur Hand nehmen und auf neue Umstände hin überprüfen kann. „Wer bei dieser Aktualisierung Hilfe benötigt, kann gerne erneut in eine unserer Beratungsstellen kommen“, gibt mir Katrin Schiweck mit auf den Weg. Auch das merke ich mir.
 

...Der Weg zur Altersvorsorgeberatung

Wer sich beraten lassen will, kann bei einer Auskunft- und Beratungsstelle einen Termin vereinbaren. Zum Termin bringt man alle Unterlagen über Altersvorsorgeversicherungen mit. Die Beratungen sind offen für jede/n.
Kontaktdaten unter: www.drv-nord.de