Angelika Dreock-Käser, (54)
Angelika Dreock-Käser, (54)



„Man darf nie aufgeben"

 

Angelika Dreock-Käser, 2021 haben Sie zum ersten Mal an den Paralympischen Spielen teilgenommen und gleich zwei Medaillen gewonnen. Ein solcher Erfolg wäre vor ein paar Jahren unvorstellbar gewesen …
Ich hatte zwei Schlaganfälle erlitten. Hätte 2009 jemand zu mir gesagt, dass ich an den Olympischen Spielen teilnehmen würde und im selben Jahr Weltmeisterin werden würde, ich hätte ihm einen Vogel gezeigt.

2014 erlitten Sie den zweiten Schlaganfall. Wie haben Sie es geschafft, wieder Tritt zu fassen?
Eine Reha legte den Grundstein dafür, dass ich heute wieder ein geordnetes Leben führen kann. Und dann natürlich hartes Training, sonst wäre mein sportlicher Erfolg gar nicht möglich gewesen.Erleichternd kam hinzu, dass ich schon vorher sportlich sehr aktiv war, als Läuferin und Duathletin.

Und wie läuft Ihr beruflicher Alltag?
Dank der Reha habe ich auch da den Wiedereinstieg geschafft. Mein Arbeitgeber ist eine Rehaklinik. Ich bin sehr dankbar, dass man mich dort als Therapeutin weiterbeschäftigt hat, obwohl ich aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt einsetzbar bin. Vor dem Schlaganfall ging ich mit den Patientinnen und Patienten spazieren und machte mit ihnen Bewegungstherapie und Ergometertraining. Das geht jetzt leider nicht mehr.

Wie bekommen Sie Spitzensport und Arbeit unter einen Hut?
Ich arbeite halbtags. So kann ich täglich eine oder zwei Stunden trainieren oder zur Physiotherapie gehen. Ein großer Vorteil ist, dass ich das Krafttraining bei uns in der Klinik absolvieren kann. So kann ich viel Zeit sparen, weil ich nicht in ein Fitnesscenter fahren muss.

Wie lange haben Sie sich auf Tokio vorbereitet?
Fünf Jahre. Wegen Corona konnte ich mich jedoch nicht mit anderen messen. Zusätzlich hat der Tod meines Mannes alles überschattet, als er kurz vor Beginn der Spiele überraschend verstarb. Er war mein Coach und Mentor, der es immer wieder geschafft hatte, mich aufs Neue zu motivieren.Ohne ihn stünde ich nicht da, wo ich heute bin.

Gibt es eine Lebenserkenntnis, die Sie anderen mit auf den Weg geben können?
Man darf nie aufgeben, sonst hat man schon verloren.

Eine Sportlerin hält eine Medaille hoch.

Angelika Dreock-Käser (54) ist in der Rehaklinik Höhenried am Starnberger See als Masseurin und medizinische Bademeisterin tätig. Bei den Straßenweltmeisterschaften holte sie den Weltmeistertitel über 16,8 Kilometer. Bei den Paralympics gewann sie Silber im Straßenrennen und Bronze im Paracycling-Einzelzeitfahren.