»Wir proben digitale Nachsorgeprogramme.« -  Brigitte Gross, Direktorin der Deutschen Rentenversicherung Bund
»Wir proben digitale Nachsorgeprogramme.« - Brigitte Gross, Direktorin der Deutschen Rentenversicherung Bund



"Unsere Rehas laufen weiter"


Wie viele Menschen nehmen die medizinischen Reha-Leistungen der Rentenversicherung in Anspruch und gab es einen Anstieg in den letzten 20 Jahren?
In den letzten Jahren haben unsere Versicherten die medizinischen Reha-Leistungen der Rentenversicherung immer stärker in Anspruch genommen. Allein im letzten Jahr wurden von der Rentenversicherung über 1,1 Millionen medizinische RehaLeistungen bewilligt. 1999 gab es im Vergleich dazu über 800.000 Bewilligungen. Das ist in den letzten 20 Jahren ein Anstieg von über 35 Prozent.

Was sind denn die Gründe für diese verstärkte Inanspruchnahme?
Gründe sind vor allem die demografische Entwicklung und eine veränderte Arbeitswelt: Die zwischen 1955 und 1964 Geborenen („Baby-Boomer“) kommen in ein Alter, in dem ein starker Rehabilitationsbedarf besteht. Auch arbeiten viele Versicherte länger. Damit wächst die Bedeutung der Reha für die (Wieder-)Eingliederung von Menschen in den Arbeitsmarkt. Der Erfolg spricht für sich – in rund 85 Prozent aller Fälle kehren die Menschen dauerhaft zurück ins Berufsleben.

Verändern sich die Krankheitsbilder im Alter, derentwegen eine medizinische Rehabilitation in Anspruch genommen wird?
Ja, der Rehabilitationsbedarf steigt mit dem Alter, das kann man deutlich sehen. Besonders auffällig ist hier der Anstieg bei orthopädischen Erkrankungen etwa ab dem 40. Lebensjahr. Frauen sind davon deutlich stärker betroffen als Männer. Krebserkrankungen nehmen altersbedingt bei Frauen etwa ab dem 50. Lebensjahr, bei Männern etwa ab dem 56. Lebensjahr zu. Ebenfalls unterschiedlich zwischen den Geschlechtern ist die altersabhängige Nutzung von Reha-Leistungen bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Während die Rentenversicherung bei Männern einen kontinuierlichen Anstieg etwa ab dem 38. Lebensjahr beobachtet, setzt diese Entwicklung bei Frauen erst etwa zehn Jahre später und weniger massiv ein.
 

Im Gespräch betont Brigitte Gross, dass Rehabilitationen immer wichtiger werden.


Werden medizinische Rehabilitationen auch in Corona-Zeiten durchgeführt?
Ja, auch in Zeiten der Corona-Pandemie können unsere Versicherten eine medizinische Reha in Anspruch nehmen. Allerdings kann es bis zu ihrer Durchführung zu etwas längeren Wartezeiten kommen, da die Kliniken in aktuellen Corona-Zeiten die Aufnahme zur Vermeidung von Infektionen anpassen. Um den Infektionsschutz beim Aufenthalt in der Klinik und bei den Behandlungen zu gewährleisten, wurden individuelle Hygienekonzepte entwickelt. Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten, aber auch der Beschäftigten hat für die Rehakliniken oberste Priorität. Kann die Reha nicht zeitnah angetreten werden, droht kein Verlust des Anspruchs auf die medizinische Reha. Aufgrund der besonderen Umstände sind die Bescheide der Rentenversicherung momentan ein ganzes Jahr lang gültig. Wer in den vergangenen Monaten seine Reha aufgrund der Corona-Pandemie abbrechen musste, kann sie vereinfacht neu beantragen.

Hat die Digitalisierung auch Einzug bei der Reha der Rentenversicherung gehalten?
Digitale Angebote sind auch in der Rehabilitation der Rentenversicherung im Vormarsch und werden diese in den kommenden Jahren prägen. Das Ziel ist es, mit gut durchdachten, bedienerfreundlichen, qualitativ hochwertigen digitalen Angeboten das Rehabilitationsangebot der Rentenversicherung weiter zu verbessern, was gerade auch in Corona-Zeiten sehr hilfreich ist. Insbesondere in der Nachsorge nach einer medizinischen Rehabilitation ist das digitale Angebot der Rentenversicherung weiter stark ausgebaut worden. So wird etwa DE-RENA als Nachsorge-App für depressive Patientinnen und Patienten eingesetzt, die in einer Phase nach der stationären Behandlung weiter von einem Therapeuten begleitet werden. In Erprobung befinden sich zudem digitale Nachsorgeprogramme, bei denen vorwiegend bei orthopädischen oder kardiologischen Indikationen Behandlungen im häuslichen Umfeld zur Stabilisierung des Reha-Erfolges eingesetzt werden. Auch im Bereich der beruflichen Rehabilitation hat die Digitalisierung gerade in Corona-Zeiten einen hohen Stellenwert bekommen, um den Wiedereinstieg in das Erwerbsleben zu erleichtern. Hier werden Leistungen verstärkt auch in alternativer Form, etwa durch digitales Homeschooling, durchgeführt.
 

INFO: Reha-Expertin für die Rente

Brigitte Gross (58) ist Direktorin der Deutschen Rentenversicherung Bund. Zuvor leitete sie dort die Reha-Abteilung.

 

Alle Infos zum Thema Reha und Corona online unter: t1p.de/covid-reha