Kindererziehungszeiten werden auf die Rente angerechnet.
Kindererziehungszeiten werden auf die Rente angerechnet.



Aus Teilzeitarbeit wird Teilzeitrente

 

Frauen bekommen weniger Rente als Männer. Das ist in Deutschland in vielen Fällen beim monatlichen Blick auf die Kontoeingänge Realität. Dabei kommt eine niedrige Rente nicht von ungefähr. In der gesetzlichen Rentenversicherung gilt grundsätzlich das sogenannte Äquivalenzprinzip, das heißt: Je mehr Rentenbeiträge eingezahlt werden, desto höher ist später die ausgezahlte Rente. Wichtig ist es deshalb, sich frühzeitig mit dem Thema Altersvorsorge auseinanderzusetzen. „Die Rentenhöhe ist primär ein Spiegel der Dauer und Durchgängigkeit der Erwerbsarbeit sowie der Höhe der Bezahlung im Erwerbsleben“, betont Anke Wieduwilt, Abteilungsleiterin bei der Deutschen Rentenversicherung Nord. Deshalb sei die im Durchschnitt geringere Rentenhöhe von Frauen ein Resultat der geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Lebensplanung, dem Zeiteinsatz für unbezahlte Pflegeleistungen und der immer noch vorhandenen Unterschiede in der Bezahlung von Lohnarbeit.

Fast die Hälfte aller Frauen arbeitet in Teilzeit, aber nur jeder neunte Mann.

Maximal drei Jahre pro Kind

Die gesetzliche Rentenversicherung berücksichtigt zwar Erziehungszeiten von Männern oder Frauen, die sich um den Nachwuchs kümmern, pro Kind werden aber nur maximal drei Jahre mit je einem Entgeltpunkt angerechnet. Ein Entgeltpunkt entspricht einem Jahr des Durchschnittsverdienstes. Solche Auszeiten behindern oft nicht nur eine mögliche Karriere, insbesondere viele Mütter kehren nur in Teilzeit wieder ins Berufsleben zurück. „Teilzeitarbeit hat erhebliche Auswirkungen auf die spätere Rente“, sagt Wieduwilt. Es gebe einen klaren Zusammenhang zwischen Teilzeitarbeit im Erwerbsalter und einer niedrigen Rente im Alter. Dieser Effekt treffe derzeit insbesondere Frauen. Denn Kindererziehung und die häusliche Pflege von Angehörigen werde derzeit insbesondere von Frauen übernommen. Wieduwilt betont: „Rentenrechtlich bleiben Lücken, insbesondere bei der nicht erwerbsmäßigen Pflege von älteren Angehörigen.“ Dass Frauen öfter in Teilzeit arbeiten als Männer, belegt die aktuelle Statistik. Die Teilzeitquote bei Männern beträgt laut Statistischem Bundesamt 11,1 Prozent, bei Frauen dagegen 47,9 Prozent. „Teilzeitarbeit jetzt bedeutet später auch Teilzeitrente“, bringt es Anke Wieduwilt auf den Punkt. Erfahrungsgemäß sammeln insbesondere Mütter im Erwerbsleben deshalb weniger Punkte für die spätere Rente. Hinzu kommt, dass Frauen oftmals in Berufen arbeiten, in denen der Verdienst niedriger ist als in vielen klassischen Männerberufen. Und wer im Erwerbsleben weniger verdient und mit Rücksicht auf die Familie – wegen Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen – jahrelang ganz oder teilweise auf die Berufstätigkeit verzichtet, erwirbt geringere Rentenansprüche. Dabei sollte es für Frauen heute selbstverständlich sein, finanziell auf eigenen Füßen zu stehen. Doch es gibt immer noch Frauen, die auf einen Versorger angewiesen sind oder sich sogar darauf verlassen, bis ins hohe Alter mitunterstützt zu werden. „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“, so betitelte die ehemalige Bundesfrauenministerin Renate Schmidt ihr 2015 erschienenes Buch.

»Frauen sollten längere berufliche Auszeiten vermeiden, ebenso die sogenannte Teilzeitfalle.«

Anke Wieduwilt, Rentenexpertin, Deutsche Rentenversicherung Nord

Eigeninitiative ist gefragt

Rentenexpertin Anke Wieduwilt sieht entsprechenden Veränderungsbedarf: „Es wäre wohl zuallererst wünschenswert, dass die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie staatlicherseits sichergestellt wird.“ Darüber hinaus appelliert sie an die Eigeninitiative. „Frauen sollten nach Möglichkeit längere berufliche Auszeiten vermeiden, ebenso die sogenannte Teilzeitfalle.“ Grundsätzlich funktioniert Altersvorsorge für Frauen genauso wie für Männer. „Sobald der berufliche Weg geklärt ist und eine finanzielle Rücklage geschaffen wurde, sollte sich jeder, möglichst bereits vor dem 40. Lebensjahr, mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigen“, empfiehlt Bernd Staud von der Auskunfts- und Beratungsstelle Hamburg. Hierbei gilt: Wer früher mit einer privaten Altersvorsorge beginnt – beispielsweise über rentable Anlagen –, profitiert von einer Zusatzrente, die im besten Fall die gesamte Versorgungslücke im Alter schließt. Die Deutsche Rentenversicherung bietet in ihren Auskunfts- und Beratungsstellen für Ratsuchende Sensibilisierungs- und Intensivgespräche zur Altersvorsorge an. Wichtig sei es, eine möglichst unabhängige Beratung wahrzunehmen, betont Staud, wie sie bei der Deutschen Rentenversicherung angeboten wird.