Paradiesisch im Grünen gelegen: die Mühlenbergklinik.
Paradiesisch im Grünen gelegen: die Mühlenbergklinik.



Klimaschutz in Bad Malente

 

Vielen Reha-Patientinnen und -Patienten ist nicht bewusst, dass ein Aufenthalt in der Klinik Auswirkungen auf das Klima hat. Als Großverbraucher können Krankenhäuser und Kliniken einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn sich deren Betreiber über den Ressourcenverbrauch Gedanken machen.
Über das Projekt „KLIK green“ werden bundesweit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krankenhäusern und Rehakliniken im „Klimamanagement“ weitergebildet. Mit energetischen und ressourcenschonenden Maßnahmen sollen dann nicht nur Treibhausgase eingespart werden, sondern auch Betriebskosten. „Allein durch Energieeinsparungen können Kliniken die betrieblichen Energiekosten oft deutlich reduzieren“, sagt Matthias Bielke, Klimamanager an der Mühlenbergklinik – Holsteinische Schweiz in Bad Malente-Gremsmühlen. Die Rehaklinik war als eine der Ersten in ganz Schleswig-Holstein bei KLIK green engagiert.
„Neben unserem Beitrag für den Klimaschutz entlasten wir somit auch das eigene Budget“, erklärt Bielke. „Der neue Fokus führt oftmals zu einem anderen Blick auf Prozesse. Man begreift viele Zusammenhänge.“ Wichtig sei dabei, dass auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinter dem Ziel stehen – so wie in der Mühlenbergklinik. „Die Kolleginnen und Kollegen zeigten schon immer ein großes Interesse an mehr Nachhaltigkeit“, sagt Dr. Friedrich Schroeder, Chefarzt und Ärztlicher Direktor der Klinik.

Schwierige Ausbildungszeit

Im März 2020 hatte sich die Mühlenbergklinik für das Projekt angemeldet. Matthias Bielke hatte „große Lust auf das Thema Nachhaltigkeit“, so der gelernte Physiotherapeut und Qualitätsmanager. Aufgrund der Corona-Pandemie musste sich Bielke das nötige Wissen in Onlineveranstaltungen aneignen; die geplanten Präsenzschulungen waren nicht mehr möglich. Gerade das Vernetzen mit anderen Klimamanagerinnen und -managern war erschwert. Andererseits waren beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020 nur noch wenige Rehabilitandinnen und Rehabilitanden in der Klinik. Der eigentliche Betrieb war dadurch stark heruntergefahren und die Kolleginnen und Kollegen deshalb gut auf das neue Thema ansprechbar. „Der Austausch und die Ideenfindung liefen intern am Anfang sehr gut“, meint Bielke.

 

»Uns ist es wichtig, gemeinsam etwas zum Erhalt der Natur und unseres Lebensraums beizutragen.«

Matthias Bielke, Klimamanager Mühlenbergklinik

 

In der kommenden Zeit werden in der Mühlenbergklinik Ziele zur Einsparung von CO2 aufgestellt. Da nicht nur große Nachhaltigkeitsprojekte eine Auswirkung auf die Umwelt haben können, will Bielke auch mit kleineren Maßnahmen spürbar messbare Effekte zugunsten der Umwelt erzielen.
Eine interne Arbeitsgruppe hat im vergangenen Jahr 14 Themen erarbeitet. „Das sind teilweise auch sehr einfache, schnell umsetzbare Maßnahmen“, erläutert Bielke. So werde beispielsweise in den Druckern konsequent Recyclingpapier genutzt und zweiseitig gedruckt. „In der Küche achten wir stärker auf die Abfallreduktion“, beschreibt der Klimamanager eine weitere Maßnahme, die seiner Meinung nach bei vielen Patientinnen und Patienten gut ankommt. Auch der Austausch der Leuchtmittel steht auf dem Aufgabenplan – ein Posten, der deutlich zur Kostenreduktion beitragen kann. Schnell umzusetzen seien zudem die Vermeidung von Einmalbechern für Getränke oder der Bau einer Ladesäule für eBikes.

Fachleute einbinden

Alle vier Wochen trifft sich die Arbeitsgruppe, bespricht Fortschritte und konkretisiert gegebenenfalls nochmals die Zielsetzung der Maßnahmen. Bestandteil des Umsetzungsplans sind auch komplexe Maßnahmen. „Beim Austausch unseres Blockheizkraftwerks oder dem Installieren einer Photovoltaikanlage stoßen wir an Grenzen und brauchen externes Expertenwissen“, beschreibt Bielke. So klinge die Idee, die Temperatur im therapeutischen Schwimmbad um ein Grad Celsius abzusenken, zunächst einfach. „Mit dieser Temperaturreduktion könnten wir gigantische CO2-Einsparungen erreichen“, berichtet er begeistert. „Doch in der praktischen Umsetzung ist das sehr komplex. Im Schwimmbecken können sich Feuchtpunkte bilden. Das muss deshalb sehr genau geprüft werden.“ Bielke war überrascht, dass Klimaschutz nicht unbedingt eine Frage des Geldes sei: „Wer die Zusammenhänge begreift, der sieht, dass mehr Nachhaltigkeit meist Kosten senken kann.“ Wichtig sei die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erhalten und zu fördern.

„Uns ist es wichtig, gemeinsam etwas zum Erhalt der Natur und unseres Lebensraums beizutragen“, betont Bielke. Schließlich profitiert die Mühlenbergklinik als Standort auch von der Lage inmitten der Holsteinischen Schweiz. Sowohl der Chefarzt als auch der Klimamanager sind zudem davon überzeugt, dass das Projekt sich positiv auf die Mitarbeiterbindung auszahlt. „Wir profitieren auch als Arbeitgeber“, so Dr. Schroeder. Und nicht zuletzt unterstützen viele der Rehabilitandinnen und Rehabilitanden das Ziel eines nachhaltigeren Klinikaufenthalts. „Am Ende profitiert nicht nur das Klima, sondern wir alle“, bringt es Bielke auf den Punkt.  

„KLIK green“

Krankenhäuser und Rehakliniken sind ressourcenintensive Großverbraucher und können gleichzeitig einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ziel von KLIK green ist es daher, innerhalb der Projektlaufzeit mindestens 100.000 Tonnen CO2-Äquivalente zu vermeiden. Dafür sollen bundesweit 250 Krankenhäuser und Rehakliniken beteiligt werden. Dort beschäftigte Fachkräfte werden zu Klimamanagerinnen und -managern qualifiziert, um konkrete Klimaschutzziele für die Einrichtungen festzulegen, Maßnahmen zu planen und umzusetzen. Das Bundesumweltministerium fördert KLIK green über die Nationale Klimaschutzinitiative.