Ein Straßenbahn fährt bei Dunkelheit in einer Stadt.



„Ich habe mein Leben wieder im Griff"

 

Ein Schicksalsschlag kommt selten allein: Nach einem Wohnungsbrand zu Weihnachten 2014 gerät das Leben von Hermann Schulte (Name geändert) Zug um Zug aus der Bahn. Das Gehalt des 52-jährigen Mitarbeiters eines Logistikzentrums reicht kaum aus, um die Schuldenlast zu tragen, die Familie gerät in finanzielle Schieflage. Weil die Sorgen immer häufiger zu Streit führen, trennt sich seine Frau von ihm und nimmt die beiden Töchter mit. 

Immer häufiger fühlt sich Schulte bei der Arbeit überfordert und meldet sich krank, ständige Kopfschmerzen plagen ihn. Die Kollegen distanzieren sich. Als ihm sein Chef die Kündigung ausspricht, scheint der Tiefpunkt erreicht. Je länger die Arbeitslosigkeit anhält, desto mehr verlässt Schulte die Hoffnung auf einen Neuanfang. Es ist das Jobcenter, das ihm Ende 2019 schließlich empfiehlt, eine Reha bei der Deutschen Rentenversicherung zu beantragen. 

Wie Hermann Schulte geht es zahlreichen Menschen: Sie geraten mit ihrem Leben unverschuldet in eine Abwärtsspirale und finden aus eigener Kraft keinen Ausweg. Die Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover hat sich zum Ziel gesetzt, diese Menschen aufzufangen und ihnen einen Weg zurück in den Beruf und damit in einselbstbestimmtes Leben zu ebnen. Ein Paket an sogenannten Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben ist das Mittel, um dieses Ziel zu erreichen.

 

»Immer war jemand da und gab mir Halt und Sicherheit.«

Hermann Schulte, Teilnehmer am Programm rehapro

 

So sieht Hermann Schultes Arbeitsplatz heute aus. Nach einer Rehamaßnahme fand er zurück ins Arbeitsleben.

Zum Tragen kommt dabei, dass die Probleme Betroffener niemals eindimensional sind: Neben körperlichen Beschwerden treten häufig psychische Belastungsstörungen wie Depressionen oder Antriebsarmut auf, hinzu kommen soziale Komponenten. Der Weg zurück ins Leben führt deshalb selten nur geradeaus. Um den individuellen Pfad für jede und jeden zu finden, beschäftigt der niedersächsische Rentenversicherer Reha-Fachberaterinnen und -berater. Sie betreuen die Versicherten individuell und ermitteln gemeinsam mit ihnen, welche der Leistungen aus dem Gesamtpaket zum Ziel führen können.

Individuelle Beratung

Infrage kommen dabei neben der klassischen medizinischen – insbesondere psychosomatischen – Rehabilitation alle Maßnahmen, die den Weg zurück in den Beruf eröffnen. Hierzu zählen etwa Hilfen am Arbeitsplatz oder Arbeitgeberzuschüsse, aber auch psychische und soziale Unterstützung durch Motivations- oder Bewerbungstrainings. Bei Bedarf kann beispielsweise auch ein Zuschuss zu den Fahrtkosten zur Arbeit gewährt werden oder sogar die Umschulung auf einen neuen Beruf infrage kommen. Nach einer Umschulung oder einer ähnlichen beruflich orientierten Maßnahme darf die Deutsche Rentenversicherung ihre Versicherten bis zu sechs Monate begleiten. In dieser Zeit steht immer der persönliche Ansprechpartner zur Seite.

Hermann Schulte arbeitet jetzt bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben in Hannover. Sein Zeitvertrag läuft noch bis Juni. Er ist aber zuversichtlich, dass er dort bleiben kann. Und mit der von seiner Fachberaterin vermittelten Schuldnerberatung hat er auch seine Finanzen wieder geordnet. Sein Resümee: „Auch wenn ich alleine bin – im Grunde genommen war doch immer jemand da und gab Halt und Sicherheit. Ist das nicht schön? Ich habe mein Leben wieder im Griff.“

Projekt JobProtection – rehapro

Mehrere Hände berühren sich.

Das Projekt JobProtection aus dem rehapro-Programm stellt Versicherten eine persönliche Ansprechperson zur Seite, die gegebenenfalls zusätzlich Angebote vermitteln kann. Sie initiiert alles, was der betreuten Person hilft, einen Rückfall abzuwenden und in Arbeit zu bleiben, etwa ein Gespräch mit dem Arbeitgeber oder Unterstützung im Finden von geeigneten weiteren Angeboten anderer Sozialleistungsträger. Seit einem Jahr ist JobProtection am Start, die bisherigen Erfahrungen überzeugen: Die Versicherten fühlen sich gestärkt und blicken optimistisch in die Zukunft. Das Bundesprogramm „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – rehapro“ fördert innovative Maßnahmen, Ansätze, Methoden und Organisationsmodelle im Bereich der Grundsicherung für Arbeitssuchende. Es wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanziert und von der Fachstelle rehapro im Auftrag umgesetzt. Ziel der Modellprojekte soll es sein, die Grundsätze „Prävention vor Rehabilitation“ und „Rehabilitation vor Rente“ zu stärken, die Erwerbsfähigkeit zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen. Die Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-­Hannover betreut mittlerweile zwölf geförderte Projekte unterschiedlichster Art. Einen gemeinsamen Tenor haben sie dennoch: Jedes Projekt soll die Teilnehmenden auf lange Sicht wieder ins Erwerbsleben bringen und ihre Lebensqualität verbessern.