Geld anlegen in der Rentenversicherung

 

 

Herr Petersen, wie stark ist die Nachfrage nach den Zusatzbeiträgen in letzter Zeit angestiegen?
Das Angebot, zusätzliche Beiträge einzuzahlen, gibt es seit 1996. Erst Ende 2016 haben allerdings die Medien begonnen, intensiver darüber zu berichten, wie man Rentenabschläge für einen vorzeitigen Ruhestand zurückkaufen oder seine Rentenansprüche erhöhen kann. Seitdem ist eine enorme Steigerung zu verzeichnen. Lag damals die Gesamtsumme der monatlichen Zahlungen bei rund 15.000 Euro, ist sie heute auf das 20- bis 30-fache angestiegen, also insgesamt auf bis zu 450.000 Euro.

Woran könnte das liegen? Früher dachten ja viele, dass ihr Geld bei privaten Versicherungen besser angelegt ist.
Seitdem 2017 das früheste Einzahlungsalter auf 50 Jahre gesenkt wurde, sind die Zahlen nach oben gegangen. Aber noch wichtiger: In Zeiten von Nullzinsen gibt es eigentlich keine risikolose Geldanlage, die eine höhere Rendite verspricht. Auch Berichte in Zeitschriften wie Finanztest und Verbrauchermagazine im Fernsehen weisen darauf hin, dass diese Geldanlagemöglichkeit in der jetzigen Zeit sehr lukrativ ist. Die Menschen kümmern sich einfach und wissen heute genau, wie und wo sie Geld anlegen möchten, um die bestmögliche Rendite zu erlangen.

Was macht die Zusatzbeiträge so lukrativ?
Auch wenn – nach vorsichtigen Prognosen – von einer Rendite von nur zwei bis drei Prozent ausgegangen wird, so nimmt dies im Vergleich zu anderen risikolosen Anlagemöglichkeiten schon eine Spitzenposition ein. Zudem können die Beitragszahlungen bei den Vorsorgeaufwendungen steuerlich geltend gemacht werden. So gibt es Geld vom Finanzamt zurück. Das steigert die Rendite nochmal deutlich. Und: Die Zusatzbeiträge profitieren von den jährlichen Rentenerhöhungen – in den letzten vier Jahren waren das jeweils um die drei Prozent. Die Zusatzbeiträge erhöhen zudem auch alle anderen Renten, das sind neben den Altersrenten auch Erwerbsminderungs- und Hinterbliebenenrenten.

 

»Zusatzbeiträge nehmen eine Spitzenposition unter den risiko - losen Geldanlagen ein.«

Sven Petersen, Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover
 

Wer kann das nutzen?
Jeder, der vor seinem regulären Rentenbeginn auf 35 Rentenjahre kommen wird. Außerdem muss man eine spezielle Auskunft beantragen. Aus der geht hervor, um wie viel die Rente bei vorzeitigem Ruhestand gekürzt wird und wie hoch der Zusatzbetrag sein muss, um die Abschläge auszugleichen. Dabei ist anzumerken, dass diese Auskunft unverbindlich ist und keine Verpflichtung zur Zahlung besteht. Ohne Auskunft ist eine Zahlung allerdings nicht möglich. Ob die 35 Jahre bis zum Ende des Berufslebens erreicht werden, ist Teil der Beratung – bei mir oder in unseren Auskunfts- und Beratungsstellen.

Zahlen alle gleich viel ein?
Nein. Der Betrag ist von der Rentenhöhe und dem geplanten Rentenbeginn abhängig. Jede Auskunft ist höchst individuell. Darin enthalten sind die genauen Zahlen, und jeder kann dann nach dem Beratungsgespräch für sich entscheiden, ob diese Anlagemöglichkeit infrage kommt.

Muss man den Betrag auf einmal zahlen?
Man kann, muss aber nicht. Teilbeträge sind zulässig und können bis zu zweimal im Jahr eingezahlt werden. Im Hinblick auf die steuerliche Berücksichtigung dürften Teilzahlungen ohnehin sinnvoll sein, denn für die Vorsorgeaufwendungen gibt es eine jährliche Höchstgrenze. Wer alle Steuervorteile nutzen möchte, sollte diese Grenze nicht überschreiten. Unter Umständen kann auch eine höhere oder vollständige Zahlung sinnvoll sein, etwa wenn sich der Arbeitgeber mit einer Abfindungszahlung beteiligt, eine Erbschaft ansteht oder eine ausgezahlte Lebensversicherung neu investiert werden soll.

Und wenn man dann später doch nicht früher in Rente gehen möchte?
Dann sind die Beiträge natürlich nicht verloren. Im Gegenteil: Der so erwirtschaftete Betrag wird in voller Höhe auf die Rente aufgeschlagen. So werden die Zusatzbeiträge zur echten Zusatzversorgung.

Wer jetzt Zusatzbeiträge einzahlen möchte, muss was dafür tun?
Kurz und knapp gesagt: Einen Antrag auf Auskunft über die Höhe der Beitragszahlung zum Ausgleich einer Rentenminderung stellen – zum Beispiel in einer unserer Beratungsstellen oder über die Onlinedienste auf unserer Website.
 

...Kurz notiert: Gut gerüstet

Mit mehr Geld für Renten und Rehabilitationen ist die Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover ins Jahr gestartet: Rund 13,8 Milliarden Euro umfasst der Haushalt, den die Vertreterversammlung des niedersächsischen Rentenversicherers für 2020 verabschiedet hat. Das sind sechs Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Als größte Einnahmequelle werden mit etwa 10,8 Milliarden Euro die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung veranschlagt. Daneben verbucht das Haus rund 2,9 Milliarden Euro aus Bundeszuschüssen, mit denen Leistungen erstattet werden, die nicht über Beiträge finanziert sind. Auf der Ausgabenseite bilden die Renten mit rund 11,3 Milliarden Euro den größten Posten. Für die medizinische und berufliche Rehabilitation sind zudem 315 Millionen Euro eingeplant. „Damit ist das Haus für die Aufgaben der Zukunft gut aufgestellt“, sagte Helga Schwitzer vor den Delegierten. Komplexe Aufgaben sieht die Vorstandsvorsitzende mit der geplanten Grundrente auf die Verwaltung zukommen – „eine Leistung, die nicht durch Beitragszahlung erworben wurde und deshalb auch nicht aus Beiträgen finanziert werden kann“. Die Rentenversicherung müsse für deren administrative Umsetzung einen höheren Verwaltungsaufwand tragen. Schwitzer appellierte an die Politik, dies bei der Gestaltung der gesetzlichen Grundlagen mitzudenken. Nur so werde es möglich sein, das politisch gut Gemeinte auch gut umzusetzen.
 

Neue stellvertretende Geschäftsführerin einstimmig gewählt

Birgit Krassau, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover

Birgit Krassau ist seit Jahresbeginn stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Rentenversicherung BraunschweigHannover. Die gebürtige Düsseldorferin hat in Marburg und Hannover Rechtswissenschaften studiert und sich anschließend als Wirtschaftsjuristin spezialisiert. Seit 1989 ist die 57-Jährige beim Rentenversicherer in Laatzen beschäftigt, zuletzt als Leiterin des Betriebsprüfdienstes. Als Beauftragte des Geschäftsführers arbeitet Birgit Krassau seit vielen Jahren im Widerspruchsausschuss des Rentenversicherers. Die Vertreterversammlung des niedersächsischen Rentenversicherers wählte die Juristin einstimmig in das Amt. Dort folgt sie auf Jan Miede, der seit Anfang 2019 Geschäftsführer ist.