Rentenzuschlag: Die neue Grundrente


Nach dem am 2. Juli im Bundestag verabschiedeten Grundrentengesetz soll Anfang des nächsten Jahres die neue Grundrente eingeführt werden. Von dem Rentenzuschlag sollen Rentnerinnen und Rentner profitieren, die lange gearbeitet und unterdurchschnittlich verdient haben. Ein Antrag ist nicht nötig. Sobald die technische Umsetzung erfolgt ist, wird die Grundrente automatisch überwiesen. Mit der Auszahlung kann voraussichtlich Mitte des nächsten Jahres begonnen werden. Beträge, auf die ab Januar 2021 ein Anspruch besteht, werden nachgezahlt. Die Grundrente kann erhalten, wer zu diesem Zeitpunkt erstmals eine Rente erhält oder bereits Rentenbezieher ist. Anhand eines vereinfachten Beispiels verdeutlicht zukunft jetzt die Grundprinzipien.
 

Übergangsbereich

Die Grundrente startet in einem sogenannten Übergangsbereich bereits dann, wenn 33 Jahre Grundrentenzeiten vorhanden sind. Wer zwischen 33 und 35 Jahre hat, erhält allerdings nur eine gestaffelte Grundrente.

Grundrentenzeiten

Um die Grundrente in voller Höhe erhalten zu können, müssen mindestens 35 Jahre an sogenannten Grundrentenzeiten vorhanden sein. Dazu zählen Pflichtbeitragszeiten von Beschäftigten und Selbstständigen, Zeiten der Kindererziehung und Pflege sowie Zeiten, in denen während Krankheit oder Rehabilitation eine Leistung bezogen wurde. Nicht berücksichtigt werden Zeiten, in denen freiwillige Beiträge gezahlt wurden und Zeiten der Arbeitslosigkeit.

Beispiel: Hildegard Albrecht hat 35 Jahre lang gearbeitet. Damit hat sie die notwendigen Grundrentenzeiten von 35 Jahren erworben.

Relevante Verdiensthöhe

Um die Grundrente erhalten zu können, darf das während des gesamten Berufslebens erreichte durchschnittliche Einkommen eine bestimmte Obergrenze nicht übersteigen, eine festgelegte Untergrenze aber auch nicht unterschreiten. Einzelne Zeiten mit geringen Beiträgen werden nicht berücksichtigt.

Untergrenze: Berechnet wird die Grundrente aus allen Grundrentenzeiten, in de-en der Verdienst mindestens 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes betragen hat. Das sind zum Beispiel im Jahr 2020 monatlich rund 1.013 Euro brutto. Liegt der eigene Verdienst darunter, wird diese Zeit nicht mitgezählt. Einkommen aus Zeiten mit einer geringfügigen Beschäftigung werden also nicht berücksichtigt.

Beispiel: Zu Beginn ihres Berufslebens 1970 hat Frau Albrecht 770 DM (Deutsche Mark) brutto verdient. Der durchschnittliche monatliche Verdienst betrug damals rund 1.100 DM brutto. Ihr Verdienst ist kontinuierlich gestiegen, zuletzt waren es 2.365 Euro brutto. Damit lag ihr Gehalt pro Jahr immer über 30 Prozent des Durchschnittsverdienstes in Deutschland.

Obergrenze: Andererseits darf der Verdienst bezogen auf das gesamte Berufsleben im Durchschnitt höchstens 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes in Deutschland betragen haben. 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes sind im Jahr 2020 zum Beispiel rund 2.700 Euro brutto im Monat. Liegt das durchschnittliche Einkommen des gesamten Berufslebens über 80 Prozent, wird die Grundrente nicht gezahlt.

Beispiel: Bezogen auf ihr Berufsleben hat Hildegard Albrecht 35 Jahre Grundrentenzeiten und im Schnitt 70 Prozent des Durchschnittsverdienstes erreicht. Sie hat die Voraussetzungen für eine Grundrente erfüllt.

Höhe der Leistung

Sind die Voraussetzungen für die Grundrente erfüllt, werden die erworbenen Entgeltpunkte verdoppelt. Allerdings erfolgt hierbei eine Begrenzung auf 0,8 Entgeltpunkte. Einen Entgeltpunkt erwirbt derjenige, der im Jahr durchschnittlich verdient hat. Der errechnete Betrag wird um 12,5 Prozent gekürzt und für höchstens 35 Jahre berechnet.

Beispiel: Hildegard Albrecht hat im Durchschnitt 0,7 Entgeltpunkte erworben. Wegen der Begrenzung auf 0,8 Entgeltpunkte beträgt ihr Zuschlag 0,1 Entgeltpunkte. Für Frau Albrecht ergibt sich unter Berücksichtigung der Kürzung um 12,5 Prozent eine Erhöhung der Rente um rund 105 Euro brutto. Die bisherige Rente von brutto rund 835 Euro wird also auf 940 Euro erhöht.

Berufsleben: Hildegard Albrecht hat 35 Jahre lang gearbeitet. Sie hat damit die notwendi­gen Grundrenten­zeiten von mindes­tens 33 Jahren zusammen.
Andere Einnahmen: Hildegard Albrecht hat nach der Schei­dung das gemeinsa­me Haus bekommen und vermietet es. Diese Einnahme wird bei der Grundrente angerechnet.

Einkommensanrechnung

Bei der Grundrente erfolgt eine Einkommensprüfung. Das bedeutet, dass die Grundrente in voller Höhe nur die Rentnerinnen und Rentner bekommen, die als Alleinstehende ein Monatseinkommen von weniger als 1.250 Euro oder als Ehepaar von weniger als 1.950 Euro zur Verfügung haben. Das darüber liegende Einkommen wird zu 60 Prozent auf die Grundrente angerechnet. Ab einem Monatseinkommen von 1.600 Euro beziehungsweise 2.300 Euro bei Ehepaaren wird es zu 100 Prozent angerechnet. Als Einkommen werden die eigene Rente und weiteres zu versteuerndes Einkommen berücksichtigt. Maßgebend ist grundsätzlich das Einkommen des vorvergangenen Kalenderjahres, 2021 also das Einkommen des Jahres 2019.

Beispiel: Hildegard Albrecht hat nach der Scheidung von ihrem Mann das gemeinsame Haus bekommen und vermietet es. Zusammen mit ihrer Rente kommt sie so auf monatliche Einnahmen in Höhe von 1.350 Euro. Sie liegen 100 Euro oberhalb des Einkommensfreibetrags. Hiervon werden 60 Prozent für die Grundrente angerechnet. Das sind in dem Beispielfall 60 Euro. Im Ergebnis erhält Hildegard Albrecht brutto 45 Euro (105 Euro – 60 Euro) als Rentenzuschlag.

Meldung des Einkommens

Das Einkommen muss von den Rentnerinnen und Rentnern grundsätzlich nicht gemeldet werden. Informationen hierüber werden zwischen den Finanzbehörden und der Rentenversicherung automatisch ausgetauscht. Ausnahmen gibt es aber für Kapitalerträge oberhalb der Sparerfreibeträge und für Einkünfte von im Ausland lebenden Rentnerinnen und Rentnern. Hier muss eine Meldung durch die Rentnerinnen und Rentner an ihren Rentenversicherungsträger erfolgen.

 

Fragen zur Grundrente

Die Deutsche Rentenversicherung informiert auf ihrer Website über die neue Grundrente. Eine persönliche Berechnung ist zurzeit noch nicht möglich.

t1p.de/DRV-Grundrente