Feuerwehrleute müssen mit Gefahren rechnen, die man nicht abschätzen kann.
Feuerwehrleute müssen mit Gefahren rechnen, die man nicht abschätzen kann.



Ein Herz für Menschen

Ob nachmittags beim Grillen mit Freunden, mitten in der Nacht oder tagsüber im Büro bei der Arbeit – jede Sekunde kann er losgehen: der Pieper. ­Gerald Senft trägt ihn stets bei sich. Der Rehaexperte engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr in Laatzen bei Hannover. Er ist einer von rund 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung Braunschweig-Hannover.

„Ein bisschen verrückt und hart im Nehmen muss man schon sein, ein solches Ehrenamt auszuüben“, sagt Senft. Jederzeit herausgerissen zu werden, egal, was man gerade tut, und dann nicht genau zu wissen, welche Situation einen am Unglücksort erwartet – das wäre nicht möglich, wenn man nicht selbst etwas davon hätte. „Diese Aufgabe macht mir Freude und erfüllt mich. Ich wollte immer anderen Menschen helfen. Der Dank in ihren Gesichtern, die Anerkennung und Wertschätzung, aber auch der Adrenalinkick – das ist mein Lohn, der mich immer wieder motiviert.“

Seit dem zehnten Lebensjahr ist der 58-Jährige schon als Feuerwehrmann aktiv. Mit seinem Umzug 1993 nach Laatzen kam er zur dortigen Feuerwehr, kurz darauf wurde er zum Pressesprecher ernannt. Das sei eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Man müsse immer genau abwägen, welche Fakten bereits bekanntgegeben werden können und was noch nicht in die Öffentlichkeit gelangen darf. „Die Sachlage vor Ort entwickelt sich manchmal rasant, und schnell sind Nachrichten online verfügbar“, so Senft. Es sei schlimm, wenn Angehörige vom Tod eines geliebten Menschen erfahren, bevor sie persönlich von den Kolleginnen oder Kollegen der Polizei informiert wurden.

Etwa 400-mal im Jahr ist die Laatzener Feuerwehr im Einsatz. Was sie dabei erwartet, zeigt sich oft erst vor Ort: ein verrauchter Keller, in dem man nichts sehen kann, ein vom Sturm zerstörtes Dach, das gesichert werden muss, Gefahrensituationen, in denen man abstürzen, einbrechen, abrutschen oder giftigen Dämpfen ausgesetzt sein kann. Sich da hineinzubegeben, das erfordere Mut, sagt Senft. Man müsse die eigene Angst überwinden und an eine Sache herangehen, vor der andere zurückschrecken. „Ich werde mutig, wenn ich an mich glaube, es mir zutraue und qualifiziert bin.“ Eine entsprechende Aus- und Fortbildung sowie jahrzehntelange Erfahrung seien die Basis dafür.

„Weil ich anderen helfen will.“

Gerald Senft,
freiwilliger Feuerwehrmann und Rehaexperte bei der Rentenver-sicherung in Niedersachsen

Immer wieder kommt es auch zu belastenden Situationen für die Feuerwehrleute. Verkehrstote auf der Autobahn A7, eine aufgeschwemmte Was-serleiche, die aus der Leine geborgen werden musste, Unfälle mit Kindern – das alles hat er schon erlebt, und das steckt niemand einfach weg. Ein Seelsorger helfe dann allen, die an vorderster Front dabei waren, das Erlebte zu verarbeiten. Gesprächsbedarf bestehe auch, wenn etwa andere Feuerwehrleute zu Schaden kommen. „Zum Glück kann ich mit meiner Ehefrau darüber reden, sagt der Familienvater. „Natürlich nicht in allen Einzelheiten. Aber es hilft, eine seelische Last besser verarbeiten zu können.“

Die Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover unterstützt Senft und etwa 20 weitere freiwillige Feuerwehrleute unter den Beschäftigten. „Mein Zeitkonto wird aufgefüllt, wenn ich zu Einsätzen ausrücke, mein Chef ist sehr motiviert, mir zu helfen, und mein Team übernimmt Anrufe und nimmt mir Arbeit ab. Eine Hilfe, die letztlich den Opfern zugutekommt und für die ich dankbar bin.“ Dem Haus wurde dafür die Plakette „Partner der Feuerwehr“ verliehen, die im Foyer der Hauptverwaltung hängt.

Was Ehrenamt und Beruf verbindet? „Man muss ein Herz für Menschen haben“, sagt ­Gerald Senft. „Das gilt für diejenigen, die Opfer von Unglücken geworden sind, aber genauso auch für unsere Versicherten, die ihr Leben lang gearbeitet und vertrauensvoll Beiträge bei uns eingezahlt haben. Ich setze mich gerne für sie ein.“ 

Freiwillige Feuerwehr

Nur Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern haben eine Berufs­feuerwehr. Alle anderen sind darauf angewiesen, dass sich genug Freiwillige finden, diese Heraus­forderung anzunehmen. Ohne Ehren­amtliche ginge es in Deutschland also nicht.