Susanne Dreyer berät in Hannover Versicherte der Deutschen Rentenversicherung.
Susanne Dreyer berät in Hannover Versicherte der Deutschen Rentenversicherung.



Flexibel - oder nicht?

 

Frau Dreyer, Sie beraten täglich Kunden, die einen Rentenantrag stellen. Gehen Menschen denn heute anders in Rente als vor der Flexirente?
Nein, die Kunden, die sich für einen flexiblen Übergang in die Rente interessieren, fragen heute zwar gezielter danach. Aber die Teilrente nutzen sie nicht so häufig, wie der Gesetzgeber sich das vielleicht erhofft hat. Wer neben seiner Altersrente noch arbeitet, hat auch heute zumeist einen Minijob: im bisherigen Beruf, als Hausmeister oder ehrenamtlich in Vereinen.

Die Teilrente war immer schon ein Ladenhüter, weil sie zu kompliziert war. Das wollte der Gesetzgeber ändern. Ist das nicht gelungen?
Ehrlich gesagt: Nein. Es ist heute weitaus komplizierter als vor der Flexirente. Viele können die komplexen Rechenschritte nicht nachvollziehen. Schwierig wird es auch bei der Prognose des Bruttoeinkommens nach Rentenbeginn, denn manche Menschen haben unregelmäßige Arbeitszeiten und Löhne. Hinzu kommt: Endet die Beschäftigung früher als geplant, muss ein Antrag gestellt werden, um die Prognose zu ändern. Viele scheuen diesen Papierkrieg. Unklar ist oft auch, wie sich Teilrenten auf die betriebliche Altersvorsorge auswirken.

Warum wollen sie denn beides – in Teilzeit weiterarbeiten und gleichzeitig Rente beziehen?
Sie gewinnen mehr Freizeit: für die Familie, Hobbys, Reisen. Aber bei vielen Menschen spielen auch finanzielle Gründe eine Rolle. Und manche möchten ihre Stunden aus gesundheitlichen Gründen reduzieren, weil sie nicht mehr voll arbeiten wollen. Das sind eher diejenigen, die es sich auch leisten können und beispielsweise einen Tag pro Woche weniger arbeiten möchten.

Wie weit kann man seine Arbeitszeit mit einer Teilrente denn drosseln?
Das muss der Arbeitnehmer mit seinem Arbeitgeber klären. Erst wenn er weiß, wie hoch sein Verdienst bei reduzierter Stundenzahl sein wird, können wir auch die Höhe der Teilrente ausrechnen. Die gibt es ungekürzt, wenn der Rentner im Kalenderjahr nicht mehr als 6.300 Euro verdient. Was darüber liegt, wird zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Lukrativ ist das schon. Denn es fließen ja weiterhin Beiträge aufs Rentenkonto, die ab der Regelaltersgrenze wiederum die Rente erhöhen.

Haben es manche Menschen mit Mitte 60 also nicht so eilig, in Rente zu gehen?
Ich erlebe einige Kunden, die noch weiterarbeiten. Ihre Arbeitskraft ist gefragt, sie haben Jobs, in denen sie nicht so einfach zu ersetzen sind, und sie fühlen sich als Arbeitnehmer geschätzt. Und häufig gibt es finanzielle Gründe. Manche haben ein Haus gebaut, zum dritten Mal geheiratet, noch Kinder in der Ausbildung. Auch Frauen, die einige Jahre zu Hause geblieben sind, eine Scheidung hinter sich haben und später wieder mit gutem Einkommen eingestiegen sind, arbeiten oftmals weiter.

Sind das dann eher die Gutverdiener mit einem körperlich nicht so anstrengenden Job, die noch nicht ans Aufhören denken?
Nicht immer. Das kann auch die Krankenschwester sein, die das Glück hatte, fit und gesund zu bleiben. Wer als Alleinstehender mit seiner Rente nicht weit über der Grundsicherung liegt, ist manchmal auf den Hinzuverdienst angewiesen, etwa um seine Miete zu zahlen. Ganz wenige Menschen schieben sogar den Rentenbeginn einfach hinaus. Dann steigt ihre Rente jeden weiteren Monat zusätzlich um 0,5 Prozent.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Ein klassischer Fall: Ein Versicherter wollte die Hinterbliebenenrente für seine viel jüngere Frau noch etwas erhöhen. Ansonsten hat jeder einen anderen Blickwinkel. Der eine freut sich auf spätere 30 Euro mehr im Monat, während andere lieber jetzt schon zusätzlich Rente erhalten möchten.

Denn die meisten Menschen möchten doch lieber früher als später zu Hause bleiben?
Nicht die meisten, aber viele. Nur: Wer früher aussteigen möchte und die Voraussetzungen für die Rente für besonders langjährig Versicherte oder Schwerbehinderte nicht erfüllt, muss mit Abschlägen rechnen, und das ein Leben lang. Wer das nicht will, kann sie zurückkaufen. Seit der Flexirente ist das ab dem 50. Geburtstag möglich.

Das klingt gut, allerdings auch nicht wie etwas, was man mal eben aus der Westentasche zahlt.
Das sicher nicht. Aber wer sein Geld gut anlegen möchte, kann bei der Deutschen Rentenversicherung auch künftig mit einer guten Verzinsung rechnen. Wer etwa eine monatliche Rente von 1.000 Euro erwartet und sich ein Jahr früher zur Ruhe setzen möchte, muss mit einem Abschlag von 3,6 Prozent rechnen, also 36 Euro im Monat. Um das auszugleichen, zahlt man derzeit 8.213,18 Euro – in einer Summe oder in Raten. Positiver Nebeneffekt: So wird auch das Finanzamt an den Aufwendungen für die Altersvorsorge beteiligt. Und wer dann doch länger arbeiten möchte, erhöht damit seine spätere Rente. So wird das Modell zur echten Zusatzvorsorge.

Ob früher, später oder zum regulären Rentenalter: Was raten Sie jenen, die sich nicht sicher sind, wann und wie sie in Rente gehen möchten?
Vereinbaren Sie einen Termin und kommen Sie vorbei. Gerne beraten wir Sie dazu.

 

Info: Flexirente

Die Flexirente soll den Übergang vom Beruf in den Ruhestand erleichtern. Wer nicht mehr mit voller Kraft weiterarbeiten möchte, kann seine Stunden drosseln und das geringere Gehalt mit einer flexiblen Teilrente ergänzen. So können Arbeitnehmer ab 63 ohne größere Einkommenseinbußen langsam aus dem Beruf gleiten. Immer mehr Menschen arbeiten auch über ihr Rentenalter hinaus weiter und erhöhen so ihre spätere Rente, wenn sie weiterhin Beiträge zahlen. Und wer einen möglichst frühen Ruhestand plant, hat die Möglichkeit, drohende Abschläge schon ab 50 auszugleichen. Die Regelungen sind 2017 in Kraft getreten.

Info: Früher in Rente

Wer mit Abschlägen in den Ruhestand geht, verzichtet auf Geld: für jeden Monat, den man eher zu Hause bleibt, auf 0,3 Prozent der Rente. Immer mehr Menschen kaufen diese Kürzung jetzt zurück. Nachdem 1996 Einzahlungen dafür erstmals möglich waren, zählte die Deutsche Rentenversicherung Braunschweig-Hannover in den ersten 20 Jahren rund 200 Überweisungen. In dieser Zeit lagen die monatlichen Einnahmen bei durchschnittlich 16.000 Euro. 2017 kletterte dieser Betrag auf fast 240.000 Euro – und die waren 2018 schon Ende September überschritten. Bis dahin gingen in beiden Jahren rund 300 Überweisungen zum Ausgleich von Abschlägen ein.

 

Informationen zur Flexirente gibt es am kostenfreien Servicetelefon unter
0800 1000 480 10 oder auf www.drv-bsh.de.
Hier können Interessierte auch einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren.

Nützliche Hinweise bietet der Flyer „Altersrente: So viel können Sie hinzuverdienen“ unter
www.deutsche-rentenversicherung.de/altersrente-hinzuverdienst

Wer nachrechnen möchte, wie hoch seine monatliche Rente ausfallen wird, kann das mithilfe des Hinzuverdienstrechners tun:
www.deutsche-rentenversicherung.de/hinzuverdienstrechner-flexirente.