Nach einem Bandscheibenvorfall musste Peter
Lindenau seinen Beruf aufgeben. Jetzt ist er wieder am Start.
Nach einem Bandscheibenvorfall musste Peter Lindenau seinen Beruf aufgeben. Jetzt ist er wieder am Start.



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Die kurze Besprechung mit dem Bauleiter ist abgeschlossen. „So, dann wollen wir mal Maß nehmen“, sagt Peter Lindenau und stapft mit kräftigen Schritten über grobkörnigen Füllsand und Mörtelreste auf die Baustelle zu, wo gerade ein Mehrfamilienhaus entsteht. Im Wohnzimmer der Erdgeschosswohnung ist ein kleines Warenlager eingerichtet, mit Wandfarbe, Kleister, Gipssäcken und Raufaser-Tapeten. Dennoch zückt der 55-Jährige weder Pinsel, Quaste noch Spachtel. „Nee, meine Arbeitsgeräte auf Baustellen sind jetzt iPad und Entfernungsmesser mit Lasertechnik“, erklärt der gelernte Maler und Lackierer. „Mit dem Pinsel habe ich nichts mehr zu tun. Das könnte ich auch gar nicht mehr den ganzen Tag – mein Rücken würde das gar nicht mitmachen.“
 

Auslöser Bandscheibenvorfall

2017 erlitt Lindenau einen schweren Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich. Es folgten Operation und medizinische Reha. Zurück bleiben Taubheitsgefühle – und die Gewissheit, dass es mit seiner bisherigen Arbeitswelt so nicht mehr weitergeht. „Lange irgendwo gebückt arbeiten, etwas Schweres heben oder gar auf einer Leiter herumturnen – das geht nicht mehr“, schildert der Mann aus Kamen, der bis zum „Rücken“ 17 Jahre in einem ganz anderen Job gearbeitet hat: „Ich war Berufskraftfahrer. Doch den ganzen Tag auf’m Bock, das kann ich jetzt auch nicht mehr.“ Der Mann, der bis dato vieles konnte, war plötzlich arbeitslos. Und nun? „Meine Frau und ich wollten nicht in Hartz IV abrutschen. Ja, und dann kam die Rentenversicherung ins Spiel“, blickt Lindenau auf den Herbst 2018 zurück. Damals stellte er bei seiner zuständigen Deutschen Rentenversicherung (DRV) Westfalen einen Antrag auf eine „Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben“. Kurzum: Zurück in den Job mithilfe der Rentenversicherung. Denn die Rentenversicherung ist mehr als nur „Rente“ – sie ermöglicht eben auch die berufliche Rehabilitation nach Unfall oder Krankheit. Der Antrag wurde prompt genehmigt. Anfang 2019 empfing ihn Hanna Lena Wiesmann zum ersten Beratungstermin. Sie gehört zum Team von 25 Reha-Fachberatern der DRV Westfalen, die sich um Fälle wie den von Peter Lindenau kümmern. Ihr Ziel: Versicherte möglichst schnell und langfristig wieder in einen Beruf zu verhelfen.

 

6 Monate lang gewährt die Deutsche Rentenversicherung Westfalen einen Lohnkostenzuschuss als Starthilfe.

 

 

Qualifikationen entdecken

Für unsere Arbeit ist eines ganz wichtig: Wir fragen nicht, was die Betreffenden nicht können, sondern, was sie können. Wir wollen ihre vorhandenen Fähigkeiten fördern. Nur über diesen Weg können sie wieder in einen Job zurückfinden!“ Schnell wird klar, in welche Richtung Peter Lindenaus Fertigkeiten und Fähigkeiten zu lenken sind. Die Reha-Fachberaterin und der Rehabilitand einigen sich auf eine gemeinsame Zielsetzung und einen Fahrplan: Der 55-Jährige soll wieder fit gemacht werden, um später im Maler- und Lackiererhandwerk arbeiten zu können – allerdings als Techniker. Genau diese Techniker-Qualifikation hatte Peter Lindenau vor langer Zeit erlangt und sogar ausgeübt. Doch weil die Zeiten im Handwerk damals schlecht waren, blieb dieser berufliche Schatz zugunsten des Trucker-Jobs über zwei Jahrzehnte quasi eingemottet. „Das war für uns der Ansatz. Denn solche Fachkräfte werden heute händeringend gesucht. Zumal da das Alter mit über 50 keine große Rolle spielt“, erläutert die Reha-Fachberaterin. Erste Station für Peter Lindenau ist im Frühjahr 2019 zunächst eine berufspraktische Integrationsmaßnahme (BPI) bei einem Bildungsträger in Hamm. Die Kosten dafür übernimmt die Rentenversicherung. Die Maßnahme beginnt mit zwei Monaten Theorie: Bewerbungscoaching, Berufsplanung, EDV-Schulung und die Hilfe bei der gezielten Suche nach einem für den jeweiligen Fall passenden Praktikumsplatz für drei Monate in einem Betrieb. „Und dieser Betrieb muss schon so gewählt sein, dass gute Chancen auf eine spätere Übernahme bestehen“, skizziert die Reha-Fachberaterin. „Dort im Praktikum können die Rehabilitanden dann zeigen, was sie drauf haben.“
 

»Wir fragen nicht, was die Betreffenden nicht können, sondern, was sie können. «

Hanna Lena Wiesmann, Reha-Fachberaterin DRV Westfalen

Sechs Monate lang mit Zuschuss

Das „Draufhaben“ beweist Peter Lindenau in seinem Praktikum bei einem Maler-Betrieb in Dortmund. Er überzeugt Malermeister Karl Groll mit seiner Leistung und bekommt in dem Betrieb nahtlos eine Festanstellung als Techniker. Er arbeitet im Büro wie auch im Außendienst: Lindenau erstellt Angebote, misst Baustellen aus, koordiniert die Einsätze der Handwerker und berät die Kunden. Zum Start in den Job hat die DRV Westfalen ihm zudem eine weitere Zusatzqualifizierung finanziert. „Ein wichtiges, modernes EDV-Programm, das mein Handwerkszeug für meine tägliche Arbeit ist“, sagt Lindenau. Und noch eine Leistung der „Rente“: Die DRV Westfalen gewährt dem Arbeitgeber für die ersten sechs Monate einen Lohnkostenzuschuss in Höhe von 50 Prozent als Starthilfe für die Einarbeitungsphase. Am Ende lohnt sich dieser Einsatz der Rentenversicherung für alle: Der Betrieb hat einen neuen motivierten Fachmann – einen Leistungsträger trotz gesundheitlicher Einschränkungen. Die Rentenversicherung hat wieder einen aktiven Beitragszahler. Und natürlich Peter Lindenau selbst: Er hat einen guten Job mit einem gesicherten Einkommen, mit dem er auch für seine eigene spätere Rente sorgen kann. Überdies hat er sichtbar Freude am neuen, alten Beruf. „Eigentlich habe ich genau von diesem Job schon ganz viele Jahre geträumt“, sagt er und marschiert auf der Baustelle schnurstracks zum Beratungsgespräch mit dem Kunden.
 

 

Infos und Kontakte zur Rehabilitation unter dem Reiter „Reha“ auf: www.deutsche-rentenversicherung.de