Samuel und Danielle kämpfen gegen ihr
Übergewicht. In der ambulanten Rehabilitation
lernen sie, ihren Appetit zu zügeln, sich ausgewogen zu ernähren und Spaß an der
Bewegung zu entwickeln.
Samuel und Danielle kämpfen gegen ihr Übergewicht. In der ambulanten Rehabilitation lernen sie, ihren Appetit zu zügeln, sich ausgewogen zu ernähren und Spaß an der Bewegung zu entwickeln.



Fit für die Zukunft

 

 

In der Turnhalle der UniReha staut sich die Hitze der letzten Tage. Sieben Jugendliche kämpfen lautstark um einen Ball. Dass sie dabei schnell ins Schwitzen geraten, liegt aber nicht nur an der Hitze. Dafür sorgt auch ihr enormes Körpergewicht. Sie alle leiden an Adipositas, sind also stark übergewichtig. Die Gruppe hat sich in der vorigen Woche, der sogenannten Intensivwoche, kennengelernt. Täglich stand für sie vor allem Sport auf dem Programm. Die Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren lernten schon einiges über gesunde Ernährung und Psychologie. Aus diesen drei Komponenten setzt sich ihre ambulante Reha auch an solchen Einzelnachmittagen wie heute zusammen. In den kommenden sechs Monaten werden zwei weitere Intensivwochen folgen und noch elf Nachmittage. Fällt die Reha in die Schulzeit, so werden sie dafür vom Unterricht freigestellt. Auch Samuel (13) hat sich entschlossen, sein Leben zu ändern. Lange ist ihm sein Gewicht gleichgültig gewesen. Er habe immer zu viel Süßes und zu große Portionen gegessen, erzählt er. Mit jedem zusätzlichen Pfund schwand auch seine Lust auf Fußballspielen und Schwimmen. Als seine Mutter im vorigen Jahr schwer erkrankte, erfuhr sie bei ihrem Krankenhausaufenthalt von der ambulanten Reha-Maßnahme der UniReha. Samuel war sofort begeistert. Danielle (16) kämpft seit ihrem vierten Lebensjahr mit ihrem extremen Übergewicht. Eine stationäre Reha konnte ihr nicht helfen. „Da habe ich zwar schnell neun Kilo abgenommen, aber genauso schnell zu Hause wieder zugenommen.“ Jetzt will sie ihr Gewichtsproblem dauerhaft in den Griff bekommen.

 

Für Dr. Miriam Jackels, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, bietet die ambulante Reha dafür die besten Voraussetzungen. Danielles Geschichte zeigt für sie den großen Vorteil, den das ambulante Angebot gegenüber dem stationären haben kann: „Die ambulante Reha ist nachhaltiger, denn wir beziehen nicht nur das Kind, sondern sein gesamtes Umfeld mit ein. Und das für ein ganzes Jahr.“ An die intensiven Wochen, die vor den Jugendlichen liegen, schließt sich eine sechsmonatige Nachsorge an. Auch einen Elternabend wird es geben – nicht den einzigen während der Maßnahme. „Im Prinzip ist die ambulante Reha eine Familientherapie“, bringt es Miriam Jackels auf den Punkt. Dass die Deutsche Rentenversicherung Rheinland mit der ambulanten Reha eine Versorgungslücke schließen konnte, betont Holger Baumann, für die Reha zuständiger Geschäftsführer beim Düsseldorfer Rentenversicherer: „Wir leisten damit – in Ergänzung zu den stationären Reha-Angeboten – einen wesentlichen Beitrag für die Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen. So wollen wir ihre Ausbildungsfähigkeit und spätere Integration ins Berufsleben sichern.“

Familiäre Gewohnheiten verändern

Schon bei einer Eingangsuntersuchung vor Beginn der Reha wurden alle Angehörigen darauf vorbereitet, dass auch auf sie viel Arbeit zukommen wird. Manche Eltern fühlen sich schuldig an der Fettsucht ihrer Kinder. Da ist aufseiten der Reha-Experten Überzeugungsarbeit gefragt. Trennung, Scheidung, Depression – häufig sind die Angehörigen in solchen Lebenskrisen gefangen und können gar nicht anders, als das an ihre Kinder weiterzugeben. Auch Samuels Eltern haben sich getrennt. Seitdem lebt er mit seiner Mutter bei seiner Oma und Uroma. Wenn ihm seine Großmutter sein Lieblingsessen kocht, wird ihr dabei eine Ernährungstherapeutin der UniReha über die Schulter schauen. Lässt sich das Gericht auch kalorienärmer zubereiten? Anregungen sollen helfen, familiäre Gewohnheiten moderat zu verändern und zu einer ausgewogenen und vollwertigen Ernährung zu finden. Eine Sporttherapeutin wird Samuel auf seinem Schulweg begleiten. Kann er ihn zukünftig zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen? Welche Sportmöglichkeiten hat er in seiner Umgebung? Samuel hat bereits signalisiert, dass er in Zukunft gern wieder regelmäßig schwimmen gehen würde. „Wie fühlt sich das an, wenn ihr hungrig seid“, möchte Psychologin Astrid SchirmerPetri später von den Jungen und Mädchen wissen. Sie haben die Turnhalle verlassen und sind in eine Versuchsküche gewechselt. Dort sitzen sie jetzt um einen großen Tisch und dürfen sich bei Obst und Mineralwasser zunächst ein bisschen ausruhen. Jetzt geht es darum, einmal in sich hineinzuhorchen und sensibel für die eigenen Wahrnehmungen zu werden. „Ich möchte, dass ihr in den nächsten fünf Tagen einmal ganz bewusst darauf achtet, wann ihr satt seid“, gibt die Psychologin als Hausaufgabe mit. Dafür teilt sie ein Arbeitsblatt aus, das den Jugendlichen helfen soll, Appetit, Hunger- und Sättigungsgefühl besser wahrzunehmen. Astrid Schirmer-Petri ist guter Dinge, dass die Gruppe die ambulante Reha durchhalten wird: „Sie harmonieren gut miteinander und sind ehrgeizig.“ Ehrgeizig ist auch Samuel, denn seit 16 Monaten ist er „großer Bruder“. Zu Hause wartet schon Brüderchen Rafael. „Ich will für ihn ein Vorbild sein“, sagt er entschlossen.

 

Ambulante Reha gibt es in Einzeltherapie auch für Kinder und Jugendliche mit neurologischen und mit orthopädischen Erkrankungen.

www.unireha.de
kinderreha.drv.info

 

Kurz notiert: Digitalisierung wird ausgebaut

Dr. Sabine Graf, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Rheinland, sprach sich bei der Vertreterversammlung in Bad Ems deutlich für den Betrieb eigener Rehabilitationskliniken aus. Sie seien Teil des Auftrags der gesetzlichen Rentenversicherung. Über die Fortschritte des rheinischen Rentenversicherers in Sachen Digitalisierung berichtete Heinz Krumnack, Vorsitzender der Geschäftsführung. Krumnack kündigte an, dass bis zum Sommer 2020 die gesamte Sachbearbeitung und damit rund 2.300 Beschäftigte digital arbeiten würden. Bereits heute werden Rentenanträge weitestgehend elektronisch aufgenommen. „Möglichst zügig will die Deutsche Rentenversicherung Rheinland auch die elektronische Kommunikation mit den Versicherten, mit Arbeitgebern, anderen Sozialversicherungsträgern, Behörden und Gerichten ausbauen“, sagte Heinz Krumnack.