Nils Lohbreier bei seiner Stammzellenspende in einer Entnahmeklinik.
Nils Lohbreier bei seiner Stammzellenspende in einer Entnahmeklinik.



Blutsbruder gefunden

 

Fünfeinhalb Stunden seiner Zeit hat Nils Lohbreier einem Unbekannten geschenkt – und damit ein ganzes Leben. Fünfeinhalb Stunden an einer brummenden Maschine, die aus seinem linken Arm Blut zieht und durch einen Schlauch in die rechte Armbeuge zurückpumpt. Mit dieser Stammzellenspende hilft er einem an Blutkrebs erkrankten Menschen, wieder gesund zu werden.

Der Auszubildende zum Sozialversicherungsfachangestellten erhielt im Dezember 2020 von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) die Nachricht, dass er als Spender infrage kommt. „Es fühlte sich toll an, dass ich einer schwer kranken Person helfen kann, ich hatte aber auch Bedenken, was da auf mich zukommt“, erzählt Lohbreier. Als er sich vor drei Jahren zufällig typisieren ließ, ahnte er nicht, dass diese Speichelprobe auch sein Leben verändern würde. „Wir waren in der Projektwoche mit der Schule einen Tag beim Blutspenden und dort gab es auch einen Stand der DKMS. Da haben wir uns alle registrieren lassen.“ Nach einer genaueren Blutuntersuchung bei seinem Hausarzt stand fest, dass der 21-Jährige als „genetischer Zwilling“ seine Stammzellen spenden kann. „Nicht zu helfen war keine Option.“

Genetische Zwillinge

Im März 2021 ist es so weit – in einer speziellen Entnahmeklinik werden ihm an zwei Tagen in insgesamt fünfeinhalb Stunden Stammzellen entnommen. „Ich bin seitdem jeden Tag stolz und glücklich und hoffe, dass die Transplantation erfolgreich war.“ Über den Patienten, für den er spendet, erfährt Lohbreier nur grobe Daten: ein erwachsener Mann aus den USA. Nach zwei Jahren könnten die genetischen Zwillinge sich kennenlernen, wenn beide das wollen. „Einen besseren Grund für eine Reise in die USA gibt es nicht“, freut sich der Auszubildende der Deutschen Rentenversicherung Westfalen. So viel Glück wie bei dieser Übereinstimmung haben aber nicht alle an Blutkrebs Erkrankten. Für jeden zehnten Patienten findet sich kein Spender. „Es müssen noch viel mehr Leute mitmachen“, meint Lohbreier. „Schneller kann man kein Leben retten!“

Ein Set zur Registrierung kann jeder Spendenwillige bei der DKMS bestellen und den notwendigen Abstrich zu Hause machen. Das kostet nur ein paar Minuten Zeit. Und was sind schon ein paar Minuten oder fünfeinhalb Stunden im Vergleich zu einer Chance auf ein zweites Leben.

Alle Infos zur Registrierung und Stammzellenspende:www.dkms.de