Das Team Königsfeld: Professor Dr. Frank C. Mooren, PD Dr. Boris Schmitz, Dr. Marc Teschler und Melina Heimer (v.l.). Es fehlen Svenja Wirtz und Hendrik Schäfer.
Das Team Königsfeld: Professor Dr. Frank C. Mooren, PD Dr. Boris Schmitz, Dr. Marc Teschler und Melina Heimer (v.l.). Es fehlen Svenja Wirtz und Hendrik Schäfer.



KI soll Infarktrisiko senken

 

Nach überstandenem Herzinfarkt und einem Aufenthalt in der Rehabilitationsklinik ist der Patient wieder zu Hause. Auf seiner Brust klebt ein fünf mal fünf Zentimeter großes EKG-Pflaster, das seine Vitalwerte kabellos direkt an einen gesicherten Server überträgt. Seit ein paar Wochen trägt er dieses Pflaster regelmäßig – auch beim Sport. Seine Geräte zur Blutdruckmessung und Blutzuckerbestimmung und sein Fitnessarmband übertragen ebenfalls ihre Werte. Ergeben sich Abweichungen, werden Benachrichtigungen ausgelöst oder es erscheinen Hinweise. Auch Verbesserungen in seiner Fitness und erreichte Ziele können der Patient und seine Therapeuten aus der Rehabilitationsklinik sehen. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) soll der Computer frühzeitig Veränderungen erkennen und Empfehlungen für eine individuell angepasste Maßnahme vorschlagen. Noch ist das Zukunftsmusik – doch die Forschungen dazu laufen, unter anderem in der Klinik Königsfeld in Ennepetal.

Auch das Fitnessarmband überträgt wichtige
Gesundheitsdaten.

 

Wissenschaftler des Lehrstuhls für Rehabilitationswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke und der Klinik Königsfeld unter Leitung des Ärztlichen Direktors Professor Dr. Frank C. Mooren und Dr. Boris Schmitz haben die Idee entwickelt und führen im Verbund mit zwölf weiteren nationalen und internationalen Partnereinrichtungen das Projekt TIMELY durch.

Erkrankung selbst managen

„Die Überlegung war, die heute zur Verfügung stehende Technologie nutzbar zu machen, um nach der Rehabilitation auch langfristig optimal zu unterstützen. Dabei wollen wir die Patienten zunächst in die Lage versetzen, ihre Erkrankung täglich selbst zu managen“, erläutert Prof. Mooren. Dr. Schmitz ergänzt: „Dazu brauchen wir technische Lösungen, um kontinuierlich Informationen über die Patienten zu erhalten. Das geht mithilfe modernster Geräte zur Überwachung von Vitalparametern. Wie dem gerade erst in Deutschland entwickelten EKG-Pflaster, das wir heute schon einsetzen können.“

Mithilfe der künstlichen Intelligenz berechnet das Projekt TIMELY kontinuierlich das individuelle Risiko für das Fortschreiten der Erkrankung beziehungsweise schwerwiegender Ereignisse wie einem weiteren Herzinfarkt. Dafür werden Ergebnisse aus früheren Studien mit ähnlichen Patientengruppen genutzt. Die Vision: Das System soll Veränderungen frühzeitig erkennen und selbstständig Therapieempfehlungen geben. TIMELY könnte einen neuen Umgang mit einer chronischen Erkrankung ermöglichen. Ein Ansatz, der auch bei anderen Erkrankungen greifen könnte.