Voneinander lernen: Margarethe Meyners (links) und Paula Lampkemeyer.
Voneinander lernen: Margarethe Meyners (links) und Paula Lampkemeyer.



Gemeinsame Pfade gehen

Margarethe Meyners legt den Zeigefinger auf den kleinen Knopf. Ein kurzer prüfender Blick: „Ja, noch etwas nach unten.“ Leise surrend folgt das Röntgengerät ihrer Blickrichtung. „Passt!“, kommentiert neben ihr ­Paula Lampke­meyer. Dass es passt, ist kein Wunder, sondern eine generationsübergreifende Mischung aus ganz viel Erfahrung und ganz frisch erworbenem Fachwissen. Denn ­Margarethe und ­Paula sind ein Paradebeispiel, wie Jung und Alt im Berufsleben zusammenarbeiten und sich ergänzen, wie sie fachlich und menschlich harmonieren. Und das, obwohl zwischen ihnen beiden sage und schreibe 47 Lebensjahre liegen – also wesentlich mehr als nur eine Generation. 

„Ich sage immer, Margarethe könnte meine Tante sein“, meint Paula, während ­Margarethe kontert: „Nee, nee, ich könnte eher deine Oma sein.“ In diesem Augenblick verbindet beide ein herzliches Lachen. Und nicht nur das: Seit mehreren Jahren arbeiten beide quasi als beste Kolleginnen in der gleichen Abteilung der Klinik Münsterland zusammen. Die Rehaklinik in Bad Rothenfelde ist einer der fünf eigenen Klinken der Deutschen Rentenversicherung Westfalen. Ihr Spezialgebiet ist die Orthopädie. 

Mit Teamwork geht vieles leichter.

„So viel Erfahrung und so viel Fachwissen – da kann man heutzutage lange suchen.“

Prof. Dr. Bernhard Greitemann,
Ärztlicher Direktor der Klinik Münsterland

Vom ersten Tag an gut verstanden

Röntgen gehört hier zur tagtäglichen Diagnostik. Für die 23-jährige Paula ist das indes ein neues Fachgebiet. Als 16-Jährige kam sie in die Klinik, absolvierte ihre Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten (MFA) und hat als weitere Zusatzqualifikation erst vor Kurzem ihren „Röntgenschein“ gemacht. „Ein bisschen Schuld daran ist wohl auch ­Margarethe“, fügt sie lächelnd hinzu: „Wir haben uns als Kolleginnen vom ersten Tag an richtig gut verstanden. Ihre Arbeit am Röntgengerät fand ich sofort spannend und ich wusste, dass ich von ihr unheimlich viel lernen kann.“

Lernen, das kann man von ­Margarethe mit Sicherheit. Sie hat ihre MTA-Ausbildung als Röntgenfachkraft nämlich schon 1972 begonnen. Es folgten viele Jahrzehnte harter, aber – darauf legt sie Wert – erfüllender Arbeit in einem großstädtischen Akut-Krankenhaus: „Eben das volle Programm, von planbaren Untersuchungen bis hin zur schweren Unfallopfern. Mit Nachtschichten und Sonntagsarbeit.“ Bis zu ihrem offiziellen Renteneintrittsalter ging das so. Und dann? „Tja, dann habe ich mir gesagt: Ich kann doch jetzt nicht aus dem Vollen einfach sofort auf null runter und aufhören – so von jetzt auf gleich. Dann habe ich die Stellenausschreibung der Klinik Münsterland gesehen. So bin ich jetzt hier.“

70 Jahre alt ist Margarethe Meyners inzwischen. Obwohl: „Alt“ passt nun gar nicht zu ihr. Sie ist quirlig und fit, obendrein sehr sportlich, radelt jeden Tag 16 Kilometer vom benachbarten Heimatort zur Arbeitsstelle und zurück. Ans Aufhören will sie nicht denken. „Man kann doch nicht einfach nur Freizeit haben und nichts tun. Ich arbeite vier Tage die Woche jeweils vier Stunden – das ist ideal für mich. So möchte ich langsam aus meinem Arbeitsleben rausgleiten.“ Für ihren Chef, Prof. Dr. ­Bernhard Greite­mann, Ärztlicher Direktor der Klinik Münsterland, ist ­Margarethe ­Meyners ein Glücksfall: „So viel Erfahrung und so viel Fachwissen – da kann man bei dem Fachkräftemangel heutzutage lange suchen.“ Für ihn ist auch ein zweiter Aspekt wesentlich: die Weitergabe dieser Kompetenzen an die Jüngeren.

Und Erfahrung hat Margarethe Meyners wie kaum jemand sonst. „Ich komme halt aus einer Zeit, als wir Röntgenbilder noch von Hand entwickelt haben. Und ich habe die ganze Entwicklung, den Fortschritt bis heute zur Computertomografie und MRT komplett mitgemacht.“, blickt sie zurück und kommt sofort ins Schwärmen, wenn sie an die heutigen Möglichkeiten der Diagnostik im Gegensatz zu früher denkt: „Nein, von wegen: ‚früher war alles besser‘ – das gibts bei mir nicht!“

Diese Einstellung hält sie persönlich jung. Zumal diese Einstellung ihrer Einschätzung nach auch die wesentliche Voraussetzung für das Miteinander mit der jüngeren und der ganz jungen „Generation Paula“ ist. „Dazu zählt für beide Seiten der gegenseitige Respekt, Toleranz und das Von-den-anderen-lernen-Wollen“, ergänzt wiederum ­Paula. Denn es ist aus ­Paulas Sicht nicht nur das rein Fachliche, was sie an der Zusammenarbeit mit ihrer wesentlich lebenserfahreneren Kollegin schätzt: „Ich kann so viel lernen von Ihrer Erfahrung im Umgang mit Patienten, über Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen – das ist schon klasse!“ 

Dabei ist dieses Weitergeben von Erfahrung und Wissen beileibe keine Einbahnstraße – jedenfalls nicht für ­Margarethe: „Wir Älteren müssen doch auch offen sein, für neue Ideen und Wege der Jungen. Die wissen doch heute viel mehr als wir damals. Da kann man doch als Älterer nicht starrköpfig sein und nur noch seine eigenen alten Pfade gehen.“ Gemeinsame Pfade gehen – das sollte die Devise sein, wenn über Generationen hinweg zusammengearbeitet wird. Dann wird es auch schnell eine gelebte Selbstverständlichkeit wie bei ­Margarethe und ­Paula.

Website der Klinik: www.klinik-muensterland.de