Eine Gruppe macht draußen Sport.



Mut zu Leben

 

"Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“. Das sagte schon Aristoteles. Psychotherapeutin ­Despoina ­Athanasiadou beschreibt mit diesem Zitat ihre Arbeit mit ihren Patientinnen und Patienten, die zur psychoonkologischen Rehabilitation in der Mittelrhein-­Klinik in Bad Salzig sind.

Für Peter Mathias-Veg (60) ist das genau richtig. Sechs Wochen ist er in der Mittel­rhein-Klinik zur Rehabilitation. Mit seiner Therapeutin ­Athanasiadou arbeitet er regelmäßig. Denn bei Mathias-Veg wurde bereits 2014 Leukämie diagnostiziert. „Am Anfang war es ein Schock. Ich habe mit meiner Frau sofort eine Kreuzfahrt gebucht. Ich wollte noch so viel vom Leben mitnehmen wie möglich. Inzwischen habe ich wieder andere Ziele.“ Er möchte arbeiten, solange es geht: „Mit jedem Monat, den ich arbeite, tue ich etwas für die Absicherung meiner Frau, wenn ich mal nicht mehr da bin.“

Genau das ist auch das Ziel der Reha­bilitation, nämlich die Erwerbsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Für ­Christian ­Franzkoch, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoonkologie in der Mittelrhein-Klinik, hat ­Peter Mathias-­Veg die richtige Einstellung für eine erfolgreiche Reha. „In der Psychoonkologie sind unsere Patienten mit Tod und Endlichkeit konfrontiert. Sie fragen sich und uns: Kommt der Krebs zurück, habe ich ihn besiegt, muss ich jetzt immer damit leben, und vor allem: Wie lange habe ich noch zu leben?“ Der Austausch der Patienten untereinander und mit Therapeuten, die darin geübt sind, diese schwierigen Themen offen anzusprechen, sei daher während der Reha besonders wichtig.

Sich austauschen hilft

Peter Mathias-Veg ist täglich in verschiedenen Gesprächstherapien: In der Basisgruppe kann er sich über allgemeine Probleme austauschen. Die Psychoonkologie-Gruppe beschäftigt sich mit den speziellen Themen bei Krebserkrankungen, wie Tod, Körperbefinden oder Sexualität. Und in der Einzelgesprächstherapie mit seiner Bezugstherapeutin kann er auch sehr persönliche Fragen offen ansprechen. „Der Austausch mit anderen hilft mir sehr. Das macht den Kopf frei und fühlt sich gut an“, sagt er.

 

Portrait von Christian Franzkoch

» Mut und Selbstvertrauen kehren zurück und damit auch das Vertrauen ins Leben! «

Christian Franzkoch, Leiter der Psychoonkologie in der Mittelrhein-Klinik

 

Seine Form der Leukämie kommt sehr selten vor und ist wenig erforscht. Sie wird in zwei Phasen eingeteilt. In der ersten Phase, in der er sich noch befindet, wird sie nicht behandelt. Das geschieht erst, wenn sie akut ausbricht. Die Behandlung verschafft ihm dann nur etwas Zeit, Aussicht auf Heilung gibt es nicht. „Ich hätte dann noch circa zwei Jahre zu leben“, beschreibt ­Peter Mathias-­Veg seine Perspektiven. „Das ist hart, aber für mich kein Grund aufzugeben. Der Krebs ist da, aber er schränkt mich zurzeit nicht ein“, sagt er und tut in der Reha alles dafür, dass es noch lange so bleibt. „Inzwischen wissen wir, dass Patienten in der Therapie einen kämpferischen Umgang mit ihrer Krankheit erlernen können“, sagt ­Christian ­Franzkoch. Eine stationäre psychoonkologische Reha biete dafür die besten Rahmenbedingungen. „Denn hier gibt es alles aus einer Hand, an einem Ort, zu einem festen Zeitpunkt, im Rahmen eines individuell auf die Patienten zugeschnittenen therapeutischen, psychoedukativen, übenden und beratenden Programms.“ Immer im Blick ist dabei: Die Patientinnen und Patienten sollen nicht überfordert werden, die Reha soll das Selbstvertrauen stärken, Zufriedenheit und Wohlbefinden steigern.

Die Kunsttherapie lässt viel Raum für Kreativität und anschließende
Reflexion.

Dass die Mittelrhein-Klinik eine psychosomatische Fachklinik ist, kommt auch den Patientinnen und Patienten der Psychoonkologie zugute. Sie können das komplette Therapieangebot der psychosomatischen Reha nutzen, von der Physio- und Physikalischen Therapie bis zur Ergo-, Ernährungs- und Entspannungs­therapie. „So können wir jede zusätzliche psychische Störung angehen, die sie vielleicht daran hindert, die Folgen ihrer Krebs­erkrankung zu bewältigen“, weist ­Christian ­Franzkoch auf einen großen Vorteil hin. Zusätzlich gibt es in der Psychoonkologie besondere Angebote: Die Indikative Kunsttherapie-Gruppe ermöglicht, mit unterschiedlichen Materialien, wie Ton, Speckstein oder Farbe, zu arbeiten, daraus Kraft zu schöpfen und Vergangenes im Bild zu bearbeiten. Kunsttherapeutin ­Susanne ­Wagner sagt: „In einem geschützten Raum können wir hier ressourcenorientiert nach Themen arbeiten. Im Anschluss an die kreative Phase besprechen wir gemeinsam die entstandenen Werke und reflektieren, was im Prozess erlebt wurde. Das stärkt Körper und Seele.“ In der Sporttherapie gibt es für die Patientinnen und Patienten ein angepasstes Sportangebot, orientiert an ihrer Krebserkrankung und ihrem Leistungsvermögen. Es sorgt für körperliche Fitness und Ausdauer. Sie lernen, sich und ihrem Körper wieder zu vertrauen.

Dank seiner Reha blickt Peter ­Mathias-Veg zuversichtlich in die Zukunft, obwohl er weiß, dass er seine Krankheit nicht besiegen kann. „Alles, was noch kommt, ist für mich eine Zugabe, die ich zu schätzen weiß.“ Das ist Mut.

www.mittelrhein-klinik.de

Psychoonkologische Rehabilitation...

hilft Menschen, mit den psychischen Belastungen einer Krebserkrankung besser zurechtzukommen. Betroffen sind davon etwa zwei Drittel der Krebspatienten. Am häufigsten treten Anpassungs­störungen, Depressionen und Angst­störungen auf.

Welche Art von Krebs vorliegt, ist für die Reha in der Psychoonkologie der Mittelrhein-Klinik ­unerheblich. Entscheidend ist, dass die Krebs­erkrankung so weit behandelt ist, dass die Teilnahme an den psychotherapeutischen Angeboten möglich ist.