Thomas Neuser (Mitte) im Radlader, gemeinsam mit Bernd ­Macke (links), Verbands­gemeinde Hahnstätten, und ­Peter Bill vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft.
Thomas Neuser (Mitte) im Radlader, gemeinsam mit Bernd ­Macke (links), Verbands­gemeinde Hahnstätten, und ­Peter Bill vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft.



Integration statt Rente

Er sitzt auf einem seiner Lieblingsplätze. Für Thomas Neuser (61) ist das nicht der Wohnzimmersessel oder die Bank im Schatten. Sein Lieblingsplatz ist sein Arbeitsplatz, zum Beispiel ein Radlader. Hier fühlt er sich wohl, das sieht man ihm an: „Wenn mir das vor einem Jahr einer erzählt hätte, wäre es mir schwer gefallen, auch nur im Entferntesten daran zu glauben.“ Aber mit einem professionellen Bildungswerk an der Seite und mit der Unterstützung der Rentenversicherung kam es dann doch anders – besser. 

Als Straßenbauer sorgte er 40 Jahre lang dafür, dass es Straßen gibt und diese sich in einem passablen Zustand befinden. „Meinen eigenen Körper habe ich dabei oft vernachlässigt. Bis irgendwann nichts mehr ging“, sagt ­Thomas ­Neuser heute. Vor zwei Jahren hatte er viele körperliche Probleme, arbeiten konnte er nicht mehr.

„Arbeit ist mein Leben“

Viel Hoffnung hatte er nicht, dass er jemals wieder arbeiten würde, als er einen Antrag auf Leistung zur Teilhabe bei der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz stellte. Überzeugt war er auch dann noch nicht, als ihm eine neunmonatige berufliche Bildungsleistung beim Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft in der rheinland-pfälzischen Stadt Montabaur bewilligt wurde. „Eigentlich hatte ich keine Ahnung, was ich da machen sollte. Wieder zur Schule gehen, dafür fühlte ich mich mit Ende 50 wirklich zu alt. Aber ich wollte ja arbeiten. Das ist mein Leben.“ Für ­Thomas ­Neuser war es das Gespräch mit Peter Bill, dem Leiter der Beruflichen Rehabilitation im Bildungswerk, das ihm Hoffnung machte. Peter Bill fand die richtigen Worte, machte ­Thomas ­Neuser Mut und zeigte ihm Perspektiven auf. „Alle müssen an einem Strang ziehen, damit wir erfolgreich sind und Menschen höheren Alters nochmals ins Berufsleben integrieren können“, so ­Peter Bill. Deshalb stehe bei der beruflichen Reha in Montabaur der Mensch mit seiner individuellen Problematik im Mittelpunkt. „Wir kümmern uns nicht nur um Stellenakquise und Bewerbungsunterlagen, auch für das Seelenheil unserer Rehabilitanden fühlen wir uns verantwortlich.“

Und das war gut für Thomas Neuser. Denn in neun Monaten beruflicher Reha gibt es gute und schlechte Tage. Einfach war es für ihn nicht, plötzlich wieder die Schulbank zu drücken: „Am Anfang hab ich nur Bahnhof verstanden. E-Mail- Adresse, Bewerbungsunterlagen in Word, den Laptop benutzen – das habe ich ja nie gebraucht. Aber heute kann ich das Teufelsding bedienen. Darauf bin ich stolz.“ Gelernt wird nicht nur in der Theorie, auch Praxisphasen helfen den Teilnehmenden, sich und ihre Leistungsfähigkeit einzuschätzen. Dabei werden gleich die ersten Kontakte für die Zeit nach der beruflichen Reha geknüpft.

„Einen Menschen in diesem Alter wieder ins Arbeits­leben zu integrie­ren, ist immer wieder ein Erfolgs­erlebnis.“

Peter Bill,
Leiter Berufliche Rehabilitation, Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft Montabaur

 

Schwierigkeiten gab es immer mal wieder, die geklärt werden mussten. ­Thomas ­Neusers Übergangsgeld reichte nicht aus, um Miete, Lebenshaltung und weitere laufende Kosten zu zahlen. Hartz IV nach 40 Jahren Arbeit wollte er nicht beantragen. Gemeinsam mit allen Beteiligten wurden Lösungen gefunden, damit ­Thomas ­Neuser weiter an der Beruflichen Reha teilnehmen und sie erfolgreich abschließen konnte. Heute arbeitet ­Thomas ­Neuser bei der Verbandsgemeinde Aar-Einrich in Vollzeit als Bauhofmitarbeiter. Seine Tätigkeit hier entspricht seinen körperlichen Möglichkeiten. In Rente will er noch lange nicht gehen, denn sein neuer Job macht ihm richtig Spaß.

„Dass ein Mensch mit 61 Jahren wieder einer geregelten Beschäftigung in Vollzeit nachgehen kann, das ist auch für uns nicht selbstverständlich. Da muss schon alles zusammen passen. Alle Beteiligten – Teilnehmer, Betreuer und Rentenversicherung – müssen das wirklich wollen“, so das Fazit von Lehrgangsleiter ­Peter Bill. „Einen Menschen in diesem Alter wieder ins Arbeitsleben zu integrieren, ist immer wieder ein Erfolgserlebnis.“

Daten & Fakten: Leistungen zur Teilhabe

6.255 Teilhabe-Leistungen hat die Deutsche Rentenversicherung Rheinland-Pfalz 2021 durchgeführt

11 Prozent davon waren Berufliche Bildungsleistungen

79 Prozentder Frauen und 75 Prozent der Männer schließen diese erfolgreich ab

60 Prozent der Teilnehmenden sind zwei Jahre danach noch sozialver-sicherungspflichtig beschäftigt

Neue Perspektiven mit beruflicher Reha

Die gesetzliche Rentenversicherung hält für ihre Versicherten ein breites Angebot an medizinischen und beruflichen Reha-Leistungen bereit. Wer körperlich beeinträchtigt ist und seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, kann wie ­Thomas ­Neuser eine berufliche Bildungsleistung erhalten.

Eine Rehabilitation der Rentenversicherung hat immer das Ziel, Menschen wieder fit zu machen für Alltag und Beruf. Dass sich damit ihre Lebensqualität steigert und neue Zukunftsperspektiven eröffnen, macht das Angebot perfekt. Davon profitieren können alle Beteiligten: die Versicherten, weil sie länger Beiträge in die Rentenversicherung zahlen können und damit ihre Rente erhöhen; die Betriebe, weil sie ihre Fachkräfte länger halten können, und zwar mit weniger Krankheitszeiten; die Rentenversicherung, weil sie länger Beiträge erhält statt früher Rente zu zahlen.

Mehr Infos unter:

www.drv-rlp.de 

www.deutsche-rentenversicherung.de 

 www.bwhw.de