Gemeinsam für die Versicherten: Peter Weiß MdB, Rüdiger Herrmann, Adolf Thoma, Harald Soltau, Dr. Stephan Fasshauer (v.l.).
Gemeinsam für die Versicherten: Peter Weiß MdB, Rüdiger Herrmann, Adolf Thoma, Harald Soltau, Dr. Stephan Fasshauer (v.l.).



Ehrenamt für ein halbes Jahrhundert

 

Als Adolf Thoma und Harald Soltau vor 50 Jahren mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit begannen, da waren Menschen noch nicht auf dem Mond gelandet. Studenten protestierten gegen überalterte Strukturen an den Universitäten und gegen den Krieg in Vietnam. Es war das Jahr 1968. Harald Soltau arbeitete damals bei der Techniker Krankenkasse in Hamburg und war im Personalrat aktiv. „Als die Gewerkschaft mich fragte, ob ich Versichertenberater werden würde – ich sei der richtige Mann dafür – musste ich einfach zusagen“, erinnert er sich. Auch sein erstes Seminar im Rentenrecht ist ihm im Gedächtnis geblieben: „Das war spannend, denn der Lehrgang fand in West-Berlin statt. Es war meine erste Reise mit dem Flugzeug.“
Zur gleichen Zeit erstellte am südlichen Ende der Republik ein anderer Mann Lohnabrechnungen bei den Freiburger Stadtwerken. Adolf Thoma fütterte den Großrechner damals noch mit Lochkarten. Die Anfrage der Kommunalgewerkschaft „komba im DBB“, ob Thoma sich ein Ehrenamt als Versichertenberater vorstellen könnte, kam ihm damals gerade recht. „Ich wollte gern mit Menschen arbeiten, als Ausgleich zu meiner Tätigkeit in der Datenverarbeitung“, erzählt der 82-Jährige.
Wie Harald Soltau wurde auch Adolf Thoma zuallererst im Rentenrecht geschult. Weiterbildungen absolviert er seitdem wie alle Versichertenberater einmal im Jahr. Das Rentenrecht ändert sich schnell, allein die jüngste Rentenreform hat viele Aktualisierungen gebracht. „Neue Begriffe wie Flexirente oder Mütterrente müssen mit Leben gefüllt werden“, erklärt Thoma.

Dr. Stephan Fasshauer, Direktor bei der Deutschen Rentenversicherung Bund.
Rüdiger Herrmann, alternierender
Vorsitzender der Vertreterversammlung.
Peter Weiß, MdB und Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales.

Keine Langeweile

„Es ist ein intensives Amt“, weiß Peter Nerger vom Selbstverwaltungsbüro der Deutschen Rentenversicherung Bund. Sein Team betreut die Ehrenamtlichen und hilft bei Organisation und Sachfragen. „In den Nachbarschaften, aber vor allem auch auf dem Land, wo viele ältere Menschen aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen und fehlender öffentlicher Verkehrsmittel immobil sind, machen die Versichertenberaterinnen und Versichertenberater auch Hausbesuche. Dort sind sie als Helfer in der Nachbarschaft oft unabkömmlich.“
„Langeweile kommt nicht auf“, bestätigt Harald Soltau aus Hamburg. Der 81-Jährige betreut heute so viele Fälle wie noch nie zuvor. „Zwei Termine am Tag sind die Regel. Die Menschen sind auf uns Ehrenamtliche angewiesen.“
Dass Harald Soltau und Adolf Thoma sich vor Kurzem zum ersten Mal begegnet sind, hatte mit ihrem Jubiläum zu tun: 50 Jahre im Dienst für die Versicherten, das musste gefeiert werden! Und das wurde es, Ende September, mit einem Festakt bei der Deutschen Rentenversicherung Bund. Außer den beiden Jubilaren wurden an diesem Tag 39 weitere Versichertenberater geehrt, die bereits seit 25 Jahren dieses Ehrenamt ausüben.
In einem Grußwort bekundete der Bundestagsabgeordnete Peter Weiß Respekt für die „schwierige Arbeit“ der Versichertenberaterinnen und Versichertenberater. Er hob die Expertise der Ehrenamtlichen sowie deren Bedeutung für die Versichertengemeinschaft heraus. Weiß würdigte in seiner Rede auch ihre Fachkunde. Auch von Thoma habe er, Weiß, der auch im Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales sitzt, viel über die Rente gelernt.
Der alternierende Vorsitzende der Vertreterversammlung der Deutschen Rentenversicherung Bund, Rüdiger Herrmann, bedankte sich bei den Geehrten für ihren langjährigen Einsatz. Und Dr. Stephan Fasshauer, Direktor bei der Deutschen Rentenversicherung Bund, merkte an, welch hohen Status die Ehrenamtler bei ihren Versicherten genießen. „In den Anliegen der Versicherten geht es um Fragen der Existenz, das Vertrauen ist nicht selbstverständlich“, so Fasshauer. Neben der Bereitschaft, sich in das komplexe Rentenrecht einzuarbeiten, erfordert das Ehrenamt auch eine gewisse Vertrauenswürdigkeit, Integrität.
Was müssen engagierte Versichertenberater noch mitbringen? „Kommunikationsfreude“, sagt Soltau, „und Empathie.“ Und, ja, das Amt erfordert auch charakterliche Stärke. In vielen Fällen geht es um Hinterbliebene, um Witwen- oder Waisenrenten. „Manchmal muss man sich schon zusammenreißen, wenn man die Geschichten der Klienten hört“, sagt Adolf Thoma. „Schlimm ist es, wenn junge Menschen zu mir kommen, die Angehörige verloren haben.“ Was die beiden im Lauf ihrer 50 Jahre im Dienst der Versicherten gehört und erlebt haben, würde Bücher füllen.
Direktor Dr. Fasshauer hatte es in seiner Rede so formuliert: „Die Versicherten sollten sich dessen bewusst sein, dass die Rentenversicherung keine fremde Einrichtung ist. Sie gehört den Versicherten selbst.“ Auch dafür steht die Selbstverwaltung der Deutschen Rentenversicherung, die durch Ehrenamtliche gesichert wird. „Das sind Vorbilder“, hatte Fasshauer bekräftigt, „die hoffentlich stets Nachahmer finden.“

 

Info: Helfer in der Nachbarschaft

Rund 2.600 Ehrenamtliche der Deutschen Rentenversicherung Bund sind im gesamten Bundesgebiet für die Versicherten tätig. Sie helfen in ihrer Heimatregion den Versicherten mit aktuellen Ratschlägen und geben praktische Hilfe, etwa beim Rentenantrag. Weil sie selbst Versicherte oder Rentner sind, kennen sie die Probleme der Versicherten und Rentner genau. Ihre Expertise im aktuellen Rentenrecht erlangen sie durch regelmäßige Schulungen.