Bernd Schweitzer gibt im Gespräch mit
Carolin Buchheit von der Pressestelle der
DRV Saarland einen Einblick in das vielfältige Aufgabenspektrum seines Fachbereichs.
Bernd Schweitzer gibt im Gespräch mit Carolin Buchheit von der Pressestelle der DRV Saarland einen Einblick in das vielfältige Aufgabenspektrum seines Fachbereichs.



"Wir sind weit mehr als Kontrolleure"

 

 

Herr Schweitzer, wie sieht der Alltag einer Betriebsprüferin oder eines Betriebsprüfers bei der Deutschen Rentenversicherung Saarland aus?

Unsere Aufgabenfelder sind sehr weitreichend. Alle vier Jahre führen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Vor-OrtKontrollen in den Betrieben durch und überprüfen, ob die Unternehmen die Beiträge zur Gesamtsozialversicherung, also zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sowie zur gesetzlichen Unfallversicherung, die Künstlersozialabgabe und andere korrekt an die zuständigen Stellen abgeführt und gemeldet haben. Hierzu werten die Betriebsprüfer die Daten der Lohn- und Gehaltsbuchhaltung sowie des Rechnungswesens des jeweiligen Unternehmens aus.

Das ist aber nicht Ihre einzige Aufgabe, oder?

Nein, darüber hinaus unterstützt der Betriebsprüfdienst die Finanzkontrollstelle, FKS, bei der Bekämpfung von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung. Die Betriebsprüferinnen und -prüfer ermitteln jedoch nicht selbst, sondern sie werten die Ergebnisse der FKS aus. Sie nehmen Schadensberechnungen für das Hauptzollamt vor, fordern ausstehende Beiträge ein und setzen Ansprüche gegebenenfalls auch gerichtlich durch.

Gibt es Arbeitsbereiche, die über das Prüfen und Kontrollieren hinausgehen?

Wir sind weit mehr als Kontrolleure. Als Betriebsprüfer sehen wir unsere Aufgabe auch darin, Arbeitgeber und Steuerberater umfassend zu informieren. Auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung stellen wir im Rahmen der Zeitschriftenreihe „summa summarum“ eine Vielzahl von Publikationen bereit, darunter fachspezifische Broschüren, relevante Rundschreiben, Besprechungsergebnisse sowie unsere Fachzeitschrift für Arbeitgeber und Steuerberater. Darüber hinaus geben wir telefonisch Auskunft bei Fragen und helfen Unternehmen somit, künftig Fehler zu vermeiden. Es handelt sich bei unserem Beratungsangebot um einen freiwilligen Service, den wir den Unternehmen vor Ort bieten. Der Schwerpunkt unserer Tätigkeit liegt jedoch auf der Durchführung der Prüfungen selbst.

Welche Bedeutung kommt der Betriebsprüfung in unserem Sozialstaat zu?

Mit seinen Kontrollen trägt der Betriebsprüfdienst dazu bei, dass unser Sozialstaat leistungsfähig bleibt, die Rechte der Arbeitnehmer gewahrt werden und ein fairer Wettbewerb zwischen den Unternehmen gewährleistet ist.

 

Prüfbilanz des Betriebsprüfdienstes der DRV Saarland im Jahr 2018

Geprüfte Betriebe: 4.508

Betriebe mit Beanstandungen: 682 (Anzahl) 15,1% (Quote)

Nachforderungen (GSV-Beiträge* und Umlagen): 1.997.622,02 Euro

Gutschriften (GSV-Beiträge* und Umlagen): 421.646,00 Euro

Durchschnittliche Nachforderungen pro Betrieb: 443,13 Euro

Säumniszuschläge: 402.936,50 Euro

 

* Gesamtsozialversicherungsbeiträge

Welche Herausforderungen stellen sich im Rahmen einer Betriebsprüfung?

Je vielfältiger die Unternehmens- und Lohnstrukturen sowie Verdienstarten in einem Unternehmen ausfallen, umso komplexer gestaltet sich die Prüfung. Auch eine hohe Mitarbeiterfluktuation, wie dies etwa in der Gastronomiebranche der Fall ist, bringt einen erhöhten Arbeitsaufwand für die Prüfer mit sich. Jede Branche hat hier ihre ganz individuellen Besonderheiten.

Wie läuft eine Betriebsprüfung ab?

Nachdem der Prüfer mit dem Arbeitgeber oder dem von ihm beauftragten Steuerberater einen Termin für die Vor-Ort-Prüfung vereinbart hat, teilen wir dem Unternehmen den Prüftermin spätestens 14 Tage vor der Prüfung nochmals schriftlich mit. Die Prüfung selbst findet, je nachdem, wofür sich das Unternehmen entschieden hat, in den betriebseigenen Geschäftsräumen oder in den Räumen der prüfenden Stelle statt. Da die 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Fachbereichs im Jahr etwa 4.500 Betriebe zu prüfen haben, können sie lediglich Stichproben durchführen. Im Nachgang der Prüfung erhält das Unternehmen eine Übersicht der Prüfungsfeststellungen mit Hinweisen, wie die fehlerhaften Angaben künftig zu vermeiden sind. Die Prüfungsergebnisse werden schließlich im Prüfbericht zusammengefasst und dem Arbeitgeber mitgeteilt.

Wie fallen die Prüfergebnisse üblicherweise aus?

Es kommt nicht selten vor, dass Betriebe mehr Beiträge abgeführt haben als erforderlich und eine Gutschrift erhalten. Hat das Unternehmen zu wenig überwiesen, so ist es Aufgabe der Prüfer, festzustellen, ob die Abrechnungsfehler fahrlässig, also im Sinne eines Betrugs, oder aus Unachtsamkeit oder Unwissenheit gemacht wurden. Hiervon hängt auch ab, ob und in welcher Höhe das betroffene Unternehmen Säumniszuschläge zusätzlich zu eventuellen Nachzahlungen zu entrichten hat.

Gibt es Alternativen zur Vor-Ort-Prüfung?

Optional können Betriebe auch am Verfahren der elektronisch unterstützten Betriebsprüfung (euBP) teilnehmen und uns ihre Unterlagen über eine entsprechende Schnittstelle im Abrechnungsprogramm vorab digital übersenden. Da dem Betriebsprüfer somit ein Großteil der Unterlagen bereits vor dem eigentlichen Prüftermin vorliegt, fallen die Vor-Ort-Prüfungen häufig sehr viel kürzer aus oder entfallen, sofern keine Unklarheiten bestehen, zum Teil sogar vollständig. Aktuell ist die Teilnahme an der euBP noch freiwillig. Frühestens ab 2020 soll sie jedoch verpflichtend sein.

Wie wirkt sich die Digitalisierung im Bereich der Betriebsprüfung aus?

Bereits seit 2014 nutzen die Betriebsprüfdienste aller Rentenversicherungsträger das Verfahren der euBP, um mit den Prüfstellen Daten auszutauschen. Künftig soll die Überprüfung der Krankenkassen und der Bundesagentur für Arbeit durch die Betriebsprüfdienste über Remote Control, also Fernzugriff, erfolgen. Bei der Deutschen Rentenversicherung Bund ist diese Technik aktuell im Rahmen eines Pilotprojekts bereits im Einsatz. Sie entlastet die Prüfer dahingehend, dass die Anzahl der Außentermine reduziert wird. Denn mit diesem System können sie ganz bequem von ihrem Büro aus auf die Abrechnungsdaten der zu prüfenden Stellen zugreifen.

 

Weitere Informationen unter www.drv-saarland.de in der Kategorie „Fachinformationen/Arbeitgeber und Steuerberater“.