Verwaltungsgebäude
DRV Saarland: geplanter Endzustand
Verwaltungsgebäude DRV Saarland: geplanter Endzustand



Sanieren - aber nachhaltig!

 

Frau Nickels, Herr Himbert, was bedeutet für Sie Nachhaltigkeit?
Nickels: Wir verstehen Nachhaltigkeit als einen verantwortungsbewussten, schonenden Umgang mit Ressourcen, um die Umwelt auch im Sinne der nachfolgenden Generationen zu schützen und zu bewahren.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für die Deutsche Rentenversicherung Saarland?
Nickels: Bei der grundsätzlichen Betrachtung der Frage Neubau oder Kernsanierung war der Aspekt der Nachhaltigkeit gleich zu Beginn unseres Sanierungsprojekts ein großes Thema. Denn es bedurfte einiger Untersuchungen, ob unser denkmalgeschütztes Verwaltungsgebäude in der Martin-Luther-Straße in Saarbrücken überhaupt wirtschaftlich saniert werden kann oder stattdessen an anderer Stelle ein neues Bürogebäude errichtet werden muss. Deshalb wurde eine sogenannte Lebenszykluskostenbetrachtung in Auftrag gegeben.
Himbert: Diese und weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Sanierung des bestehenden Gebäudes nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch umweltverträglicher als ein Neubau wäre, da hierfür keine zusätzlichen Flächen in Anspruch genommen werden und auch der Baumaterialbedarf deutlich geringer ist. Überdies ist das 1951/1952 erbaute, von den Architekten Karl Kremer, Hans Bert Baur und Jacob Quirin entworfene Gebäude eng mit der Geschichte der Deutschen Rentenversicherung Saarland verwoben und gilt als Paradebeispiel der Architektur der Nachkriegsmoderne.

 

»Unser Ziel ist es zu zeigen, dass nachhaltiges Sanieren wirtschaftlich sein kann.«

Petra Nickels, Projektleiterin Sanierung DRV Saarland

Verwaltungsgebäude DRV Saarland: aktuelle Sanierungsphase

 

In welchen Bereichen des Sanierungsprojekts kommt der Aspekt der Nachhaltigkeit besonders zum Tragen?
Himbert: Um unser Verwaltungsgebäude zukunftsfähig zu machen, werden in der aktuellen Bauphase Wände und Dachflächen gedämmt und energetisch optimierte Fenster eingebaut. Insgesamt wird langfristig der Strom- und Heizbedarf reduziert und die Energieeffizienz des Gebäudes verbessert.
Nickels: Darüber hinaus wird im Rahmen umfangreicher Digitalisierungsarbeiten der Platz für Archive eingespart. So können vorhandene Flächen im Gebäude später effizienter genutzt werden. Wir verbessern insgesamt die Aufenthaltsqualitäten für unsere Kundinnen und Kunden und Beschäftigten, zum Beispiel durch barrierefreie Zugänge, großzügige Flure und weitere Räume für Schulungen, betriebliches Gesundheitsmanagement sowie Eltern-­Kind-Betreuung. Dazu kommt die Umgestaltung des Innenhofs von einer zugebauten Fläche hin zu einer Grünanlage. Dafür verzichten wir auf Archivflächen und Garagen. Hiermit wollen wir für unsere Beschäftigten einen grünen, ruhigen Rückzugsort für die Pause sowie Verbesserungen der klimatischen Bedingungen in Hitzeperioden schaffen. Nicht zuletzt leisten wir damit auch einen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität im Innenstadtbereich von Saarbrücken.

Welche Hürden galt es bei der Umsetzung der nachhaltigen Sanierung zu überwinden?
Himbert: Durch den Denkmalschutzstatus unseres Gebäudes, das zahlreiche Kunstwerke wie etwa das historische Mosaik von Fritz Zolnhofer, auf dem sich die Versicherten der Nachkriegszeit drängen, oder filigrane Glasmalereien zur Geschichte des saarländischen Bergbaus beherbergt, haben wir bei der Sanierung zahlreiche Auflagen zu beachten. So sollten beispielsweise die Außenerscheinung der Fassade, die Eingänge und die Aufteilungen der Büroräume erhalten bleiben. Diesen Spagat zwischen Umwelt- und Bestandsschutz zu schaffen, ist eine Herausforderung, die wir gerne annehmen, denn am Ende wollen wir den künftigen Generationen mit unserem Verwaltungsgebäude auch ein Stück Geschichte übergeben, aber ein zukunftsfähiges.

Verwaltungsgebäude der DRV Saarland vor der Sanierung.

Wie ist ihr Projekt wahrgenommen worden? 
Nickels: Unser Projekt ist bislang vonseiten der Beschäftigten wie auch der Öffentlichkeit auf positive Resonanz gestoßen. Unser Ziel ist es, mit gutem Beispiel voranzugehen und zu zeigen, dass nachhaltiges Sanieren mit sorgfältiger Vorbereitung sowie der entsprechenden Expertise gelingen und auch durchaus wirtschaftlich sein kann. Es ist vielleicht nicht der einfachste, bequemste oder gar schnellste Weg, den man gehen könnte, aber mit Sicherheit ein sinnvoller. Die Wertschätzung und Erhaltung vergangener Bauwerke und Kulturschätze und den sorgsamen Umgang mit unserem Lebensraum und dessen Ressourcen sehen wir vom Standpunkt des Bauherrn als gesellschaftliche Aufgabe der Gegenwart und Zukunft.

Umzug und Rückzug

 Während der Sanierungsphase arbeitet die Belegschaft der DRV Saarland im wenige Gehminuten entfernten Sirius Office Center im Neugrabenweg 2–4 in Saarbrücken. Der Rückzug ist für Mitte 2023 geplant.